Sep 302014
 

Vor dem Gewitter: In “Der Nachsommer” entwirft Adalbert Stifter das Bild eines vollkommenen Lebens Von Andreas Bernhard PDF   (Adobe Reader herunterladen) Bald wird ein Sturm kommen: Im “Nachsommer” scheint das Versprechen der vormodernen Welt noch einmal auf.  Im schönsten Roman deutscher Sprache passiert so gut wie nichts. Was man “Handlung” nennt, ließe sich in Adalbert Stifters “Der Nachsommer”, 1857 erschienen, ohne weiteres mit einem einzigen Satz zusammenfassen: Der Ich-Erzähler, ein junger Naturforscher, kommt aus Furcht vor einem Gewitter in einem Landhaus unter, freundet sich bei weiteren Aufenthalten mit dem älteren Besitzer an und heiratet schließlich dessen Ziehtochter. Bis auf [mehr]

Sep 202014
 

Über das intellektuelle Erschlaffen im Internet-Zeitalter Von Manfred Spitzer Im Februar dieses Jahres wurde in den USA eine Studie an insgesamt 1021 Internet- und Computer-Experten durchgeführt, die gefragt wurden, wie sich digitale Informationstechnik (IT) insgesamt auswirken dürfte. “Im Jahr 2020 werden die Gehirne von Multitasking betreibenden Teenagern und jungen Erwachsenen anders ›verdrahtet‹ sein als die Gehirne der Menschen über 35 Jahre” wurde zunächst festgestellt. Dann sollten sich die Experten zwischen einer positiven und einer negativen Sicht entscheiden, die wie folgt formuliert waren: Entweder: “Dies wird insgesamt positive Auswirkungen haben. Sie leiden nicht unter kognitiven Einbußen, während sie rasch mehrere [mehr]

Sep 132014
 

Krise in der Ukraine ist die Schuld des Westens Auszug aus Deutsche Wirtschafts Nachrichten vom 31.08.2014 PDF    (Adobe Reader herunterladen)  Das Council on Foreign Relations sieht die Hauptschuld für die Eskalation in der Ukraine beim Westen. Die Einkreisung Russlands durch die NATO, die Expansion der EU und der – durch den Westen finanzierte Umsturz in Kiew hätten die Krise ausgelöst. Die ständigen Schuldzuweisungen an Putin seien deshalb falsch. Einer der weltweit führenden Think Tanks, das Council on Foreign Relations, sieht die Hauptschuld an der Eskalation in der Ukraine bei den westlichen Mächten. Die ständige Schuldzuweisung an Russlands Präsident Putin [mehr]

Sep 082014
 

Ist es noch politisch korrekt, von Altweibern zu reden? Oder vom Indian Summer in den USA? Da haben es die Franzosen viel leichter! Von Hellmuth Karasek  PDF   (Adobe Reader herunterladen)  Jetzt sind wir mitten in der Zwischenjahreszeit, die ich mich nicht zu benennen traue. Es ist die kurze und schöne Zeit zwischen Sommer und Herbst. In diesem Jahr war sie, jedenfalls bis gestern, strahlend und seidenblau schön – wie auch der Sommer hier im Norden (ein Hähä! ins verregnete München! Nur kein Neid. Dafür haben wir zur Strafe den HSV). Also: Früher sagte ich zu den wehmütigen und noch [mehr]

Sep 072014
 

Die Domgemeinde Bremen stellt ein Plakat gegen israelkritische Demonstration auf – Kritik an einseitiger Sichtweise Jeden Sonnabend versammelt sich vor dem St Petri Dom eine kleine Schar Demonstranten zur “Mahnwache für Palästina”. Die Domgemeinde kann dagegen nichts tun, will sich aber nicht vereinnahmen lassen. Deshalb geht sie jetzt mit einem Plakat auch öffentlich auf Distanz.  Von Matthias Lüdecke Seit Jahren gehört sie am Sonnabend zum gewohnten Bild: Eine kleine Gruppe Demonstranten, die vor dem Dom eine “Mahnwache für Palästina” abhält – und dabei vor allem die Politik Israels kritisiert. “Gerechtigkeit für Palästina – Druck auf Israel” steht dann etwa [mehr]

Sep 062014
 

Von Christian Bommarius  PDF   (Adobe Reader herunterladen)  Der Bundespräsident hat eine richtige Debatte zur falschen Zeit eröffnet und vergessen, seine durchaus interessante Botschaft mit dem entscheidenden Gedanken zu versehen. Selbstverständlich ist es nicht nur richtig, sondern dringend geboten, dass die Deutschen ihre gar nicht mehr neue, aber ihnen noch immer fremde Rolle in der Welt bedenken. Dass Joachim Gauck sie dazu ermuntert, international mehr Präsenz zu zeigen – in der Diplomatie, beim Schutz der Menschenrechte, mit der Beteiligung an internationalen Militäreinsätzen als “ultima ratio” -. ist nur insofern bemerkenswert, als die Deutschen dieser Ermunterung fast ein Vierteljahrhundert nach der [mehr]

Sep 052014
 

Von Daniela Dahn  PDF   (Adobe Reader herunterladen)  Reflektiertes Erinnern geht nicht ohne Sprache. Dabei ist es nicht ohne Belang, ob der Sprechende sich zu den Besiegten oder zu den Siegern rechnet. Im Sport gibt es da, anders als in der Politik, klare Kriterien: 7:1, Deutschland gegen Brasilien. Was für ein demütigendes Ergebnis vor der ganzen Weltöffentlichkeit für die Gastgeber, die oft ein sorgenvolles Dasein fristen. Und sich mit dieser Fußballweltmeisterschaft 2014 so viel Hoffnung auf etwas Freude und Stolz gemacht haben. Brasilien war bereit, aus der Staatskasse viel Geld für die Fußballfans aller Welt zu zahlen. Geld, das im Lande, [mehr]

Sep 042014
 

Von Hellmuth Karasek PDF Früher, aber das ist schon einige Donnerstage her und war vor der Erfindung des „Rücktritts” und des „Freilaufs”, früher also war „Radfahrer” ein Schimpfwort, so nannte man jemanden, natürlich nur einen Mann, der ein schleimiger und rücksichtsloser Karrierist war: nach oben buckeln und nach unten treten.  Später, in klimabedrohten, autoübervölkerten, voll geparkten Zeiten, avancierte der Fahrradfahrer zum Vorbild und Mustermann, ganz wie heute der Veganer trug er schon fast einen Heiligenschein. Man richtete ihm eigene Fahrradwege, und wehe ein Autofahrer wagte auch nur ein Stoßstangeneck hineinragen zu lassen. „Parke nicht auf unseren Wegen!” wurde ihm [mehr]

Sep 032014
 

Vor 20 Jahren: Sturm auf die Stasi-Zentrale in Berlin. Pfarrer Ulrich Schröter führte Opfer und Täter zusammen. Von Dieter Mechtel PDF   (Adobe Reader herunterladen)  Wer ihn anruft, wird von ihm aufmunternd hören: »Hier ist Schröter« Das heißt so viel wie: Ich bin da, ich stehe zur Verfügung, was immer Sie auf dem Herzen haben. »Hier ist Schröter« – das ist nicht nur ein Satz, das ist Lebensphilosophie. Geboren im Juni 1939 in Berlin in einer Pfarrerfamilie hat  noch Erinnerungen an den Krieg; das Kind sah den Feuerschein am Horizont – von der Schlacht bei Halbe. Der Jugendliche folgt seinem [mehr]

Sep 022014
 

Interview mit Oskar Negt PDF   (Adobe Reader herunterladen)  Herr Negt, Sie schreiben, das Wort vom “Leben begleitenden Lernen” sei überstrapaziert, die Sache aber verteidigen Sie. Welchen Stoff eignen Sie sich noch an? Den meiner Kindheit. Ich möchte etwas über die Flucht aus Königsberg und das Internierungslager in Dänemark schreiben, also über die erste Lebensphase, bis ich 1947 nach Deutschland zurückkam. Meine akademische und politische Geschichte ist in meinen Büchern zu finden. Im Augenblick interessiert mich, wie aus einem Bauernkind, das ein Trauma verkraften musste, etwas wird. Sie sind auf einem Schlitten geflüchtet, der mit Leichen bedeckt war.  Ich bin [mehr]