Apr 132017
 
Texte, Notizen und Gespräche eines Korrespondenten

Von Gerhard Rein

Keine Empörung. Nirgends

Leseprobe

Unsere Gesellschaft verändert sich dramatisch. Sie hat sich von dem Konzept einer Weltinnenpolitik verabschiedet. Sie lässt sich nicht mehr leiten von Konsens, sondern von Konflikt. Was nach dem Desaster des Zweiten Weltkrieges nicht vorstellbar war, erlebt in Deutschland zur Zeit eine traurige Wiederkehr: ein militarisiertes Denken hält erneut Einzug in unsere alltägliche Politik. Eine militärische Komponente begleitet wirtschaftliche und politische Entscheidungen. Konservative, Sozialdemokraten und Bündnis-Grüne stellen diesen Wechsel nicht infrage. Er stellt auf den Kopf, was Deutsche nach 1945 an Friedfertigkeit und Zurückhaltung mühsam gelernt haben. Unsere Freiheit wird nicht nur am Hindukusch verteidigt, sondern jetzt auch in Mali.

Sagt die Bundeskanzlerin. Es gibt keine Region der Welt, in der die Bundeswehr nichts zu suchen habe, meint der Verteidigungsminister. Als »Mut-Bürger in Uniform« seien die Bundeswehrsoldaten ein Friedensmotor für das große »Wir«, doziert der Bundespräsident.

Angela Merkel, Thomas de Maiziere und Joachim Gauck befördern seit geraumer Zeit einen schleichenden Epochenwechsel, der uns einreden will, dass Auslandseinsätze der Bundeswehr als Friedenspolitik zu verstehen sind.

Am 22. Oktober 2012 erklärte die Kanzlerin in Strausberg vor Soldaten der Bundeswehr, deutsche Rüstungsexporte seien ein Instrument der Friedenssicherung. „Waffen und begleitende Schulung sind Hilfe zur Selbsthilfe. Deutschland ist aufgerufen, vertrauenswürdigen Partnern zu helfen, damit sie entsprechende Aufgaben übernehmen. “ [… ]

Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. Die Friedensverpflichtung des Grundgesetzes als Ausgangspunkt und bindendem Handlungshorizont deutscher Politik bleibt bestehen und darf nicht durch eine militärgestützte Machtpolitik abgelöst werden. Die unbedingten Optionen für die Gewaltfreiheit, für die Gerechtigkeit zugunsten der Armen und für die Integrität der Schöpfung bleiben die ethischen Maßstäbe für eine nachhaltige friedensfördernde Politik.

Merkel, de Maiziere und Gauck muss entschieden widersprochen werden.


Der Inhalt

Vorboten und Spuren einer Revolution

  • Subbotnik an Fontanes Grab
  • Zu Rosa und Karl
  • Sterne d-Moll
  • Pankow und die Königin von Saba
  • Das Schloss
  • Parole Emil
  • Jürgen Fuchs
  • Lenin bleibt Lenin, Persil bleibt Persil
  • Die Sehnsucht des Mittelstrecklers – Zur Erinnerung an Albert H. Friedlander
  • Dünnes Eis
  • Ein Gespräch mit Heinrich Albertz und Stephan Hermlin
  • 18. Januar 1988 – Die anders Denkenden
  • 29. Januar 1988 – Habe ich geträumt?
  • 16. Dezember 1988 – In Weimar
  • Im Prinzip Hoffnung – Gespräch mit Heino Falcke
  • 6. bis 11. September 1989 Vor dem Ende
  • Befreiung von der Angst – Gespräch mit Jens Reich
  • 3. Oktober 1989 – Am Bahnhof in Dresden
  • Die Weisheit des Volkes ist noch nicht erloschen – Gespräch mit Christof Ziemer
  • 7. Oktober 1989 – Gorbi, hilf uns
  • Ich möchte vermitteln – Gespräch mit Christa Wolf am 8. Oktober 1989
  • 30. Oktober 1989 – Schlichting

Nachwirkungen

  • Als Engel über Berlin
  • Wir Berliner Kur-Orchester
  • Über Dialektik Hunnen wie wir
  • Heinemanns Enkelinnen
  • Zwei Büsten
  • Vierbettzimmer
  • Die böse Frau
  • Was wichtig ist im Licht der Ewigkeit  –  Gespräch mit Wolfgang Ullmann
  • Die Enthmythologisierung der DDR  – Gespräch mit Hans-Jochen Tschiche
  • Weiterhin gegen den Wind – Das Neue Forum und der Lauf der Dinge
  • Ein Brief an Joachim Gauck, im Juli 2011
  • Bizarre und traurige Folgen

Was aus der Vergangenheit ins Heute reicht

  • Das Fremde soll nicht mehr fremd sein
  • Auf den Spuren von Ernst Lange
  • Zurück in die vertraute Vergangenheit
  • Nicht Offenheit, Abgrenzung bestimmt unser Leben
  • Die Christen sind unser Unglück
  • Die Träume der Opfer
  • Gespräche in einer holländischen Klinik
  • Das Schlimme erwarten, und doch das Gute versuchen
  • Gespräch mit Max Horkheimer
  • Keine Empörung. Nirgends
  • Michelle, Barack: Sorry, ich melde mich ab
  • Nelson Mandela
  • Erster Entwurf – Zu einer Initiative für eine neue Ostdenkschrift
  • Über Lisewo hinaus oder Auf der Suche nach meinem Vater

Gerhard Rein

Gerhard Rein

Mittwochs war Markttag. Ich notierte die Preise für Kartoffeln, Tomaten und Gurken und übermittelte sie der Redaktion. Donnerstags trat das Amtsgericht zusammen. Der Richter war neu in der Gegend. Wenn er wissen wollte, wo die nicht erschienenen Angeklagten oder Zeugen wohnten, fragte er den jungen Reporter. Manchmal wurde er auch gebeten, nach ihnen Ausschau zu halten. Auf Gerichtskosten. Die fielen aber nicht an, weil er zu Fuß unterwegs war. Wenn die Weser über die Ufer trat, füllte er Säcke mit Sand und berichtete darüber, wie eifrig die Bewohner bei der Sache waren. Aus erster Hand. Vor Ort.

Ein Journalist von unten. Mein erstes Praktikum beim Achimer Kreisblatt. Vorher hatte ich im nahen Bremen eine kaufmännische Lehre abgeschlossen, als Überseespediteur. Aber das Ziel war Journalismus.

Die Suche nach einem festen Arbeitsplatz wurde unterbrochen, als die Evangelische Kirche in Deutschland mich zu einen von drei Jugenddelegierten für die Weltkirchenkonferenz 1961 in Neu-Delhi bestimmte. Heute ist eine Reise nach Indien eine normale Angelegenheit. Vor 55 Jahren aber war sie unerhört. Mein Leben hat sich 1961 entscheidend geändert. Aus einem ziemlich naiven, ziemlich frommen jungen Mann wurde durch die Reise nach Indien ein kritischer Bürger und ein kritischer Christ. Das Ende der Enge. Die Entdeckung der Welt. Vielfalt statt Einfalt. Die Oekumenische Bewegung wurde mein Ort. Meine Heimat. Auch als ich dann, wieder zuhause, wirklich Journalist wurde.

Für den Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart habe ich 40 Jahre lang gearbeitet. Auch als Korrespondent in der DDR, von 1982 an bis an ihr Ende, und auch fünf Jahre lang, von 1992 – 97 als ARD- Korrespondent für das Südliche Afrika.

So wie die Oekumenische Bewegung hat mich die Arbeit auf der Grenze von West und Ost nachhaltig geprägt. Bis heute.

Gerhard Rein, Auf der Grenze von West und Ost, Hardcover ca. 320 Seiten, ISBN 978-3-945256-92-3, Preis 22 €,
Quintus Verlag für Berlin-Brandenburg, Binzstraße 19 , D-13189 Berlin, Telefon 030-70 22 34 06, Fax 030-70 22 34 26
, E-Mail


Link


 Leave a Reply

(required)

(required)