Jul 202018
 
Jean Gebsers Wahrnehmung der Keime einer Integralen Kultur

Von Peter Gottwald

Kritik an der einseitig zugespitzten Rationalität unseres gegenwärtigen Lebens (nach Adorno und Horckheimer eine Folge der Aufklärung) ist seit langer Zeit zugleich auch Kritik am „Patriarchat“ als einer Herrschaftsform, die nicht nur von Frauen als unterdrückend empfunden wird. Auf der Suche nach Möglichkeiten der Überwindung dieser Herrschaftsform und Entwicklung einer neuen Kultur des „Miteinander“ (Gebser) gibt es immer wieder auch den Versuch, das versunkene Matriarchat durch eine gleichsam psychisch-archäologische Unternehmung zu erfassen, ja vielleicht sogar neu erstehen zu lassen.

Mir scheint nun, eine solche Unternehmung ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, und es wäre sinnvoller, nach den Keimen einer neuen Kultur zu suchen, um sie nach Kräften zu fördern. Eines deren Merkmale müsste ja sein, mit „Unterschieden“ jedweder Art, seien es die zwischen jung und alt, Mann und Frau, schwarz und weiß usw. achtsam, d.h. unter Verzicht auf Gewalt, „wahrend“ (Gebser) umzugehen.

Um in diesem heiklen Feld jedoch bedachtsam vorzugehen scheint es mir sinnvoll, noch einmal bei Gebser nachzulesen und dessen Forschungsergebnisse zu den drei im Titel genannten Begriffen zusammenzutragen.

Matriarchat

So wie einst das Patriarchat das Matriarchat überwand, so ist seit Weininger[1] der Weg zur endgültigen Überwindung dieses uralten Dualismus geöffnet, der möglicherweise in eine wahre Humanitas münden kann. (I/289[2])

In Gebsers Hauptwerk, „Ursprung und Gegenwart“, Band II bis IV der GA, finden  sich weitere Hinweise. Dort wird das Matriarchat der mythischen Bewusstseinsstruktur zugeordnet (II/222) und unter Bezug auf die „Orestie“ des Aischylos konstatiert, „…der Muttermord ist gleichbedeutend mit der Beseitigung und dem Untergang des Matriarchats. Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Matriarchat damals bereits defiziente Formen angenommen hatte (II/223.  Gebsers Quellen, Bachofen u.a. können im Kommentarband III nachgelesen werden; siehe hierzu vor allem in IV/61 und 103).

Schon hier zeigt sich Gebsers schonungslose Kritik des Patriarchats: Die patriarchalische Unmenschlichkeit besteht vor allem darin, dass im Vater nur der Vater gesehen wird; er ist nichts als Vater, und was an ihm betont wird, ist sein Vatersein, nicht aber sein Menschsein; dementsprechend gilt ja auch dieser Zeitepoche die Frau – sofern sie ihr überhaupt etwas gilt – nur als Frau, nicht als Mensch.(II/224)

In seinen zahlreichen Vorträgen, die auf die Veröffentlichung des Hauptwerks folgten, hat Gebser auch immer wieder auf das Matriarchat und dessen Schicksal hingewiesen, so in seinem Vortrag „Mensch oder Apparat im modernen Staat“. Dort heißt es: …wir müssen in die Vergangenheit zurückblicken, bis hinunter zu den mutterrechtlichen Kulturen, jenen also, die beispielweise im Zweistromland im 5. Und 6. Jahrtausend v. Chr. in Blüte standen.

Damals herrschte die Frau; es war die Zeit der sogenannten Hackbaukultur, da die Ernährung des Stammes, der Sippe von der Feldarbeit der Frau abhing; es war die Zeit, die noch bis in die Antike hinein in den Kulturen der „Großen Mutter“ – beispielsweise im Demeterkult oder in den Eleusynischen Mysterien – nachklang. Bachofen hat uns diese matriarchale Welt erschlossen. Aber dann, etwa im 3. Jahrtausend v.Chr. geschieht in Sumer etwas, wodurch die soziale Form von Grund auf revolutioniert wurde: Der Mann erfindet den von Tieren gezogenen Pflug, und damit geht die Sorge für die Ernährung an ihn über. Es ist, selbst symbolisch, aufschlussreich, was hier geschieht, wenn man an die Form des primitiven Pfluges, der ein kräftiger Baumstamm war, denkt, und der den Schoß der Mutter Erde aufreißt. Mit einem Schlag verschwindet die Vormachtstellung der Frau; die chtonischen Kräfte beginnen zu erlöschen oder degenerieren. Die Frau, die Göttin[3] gewesen war, wird zur Sklavin. Der Mann steigt zum Beherrschenden auf. Das Matriarchat wird durch das Patriarchat abgelöst. Nicht genug damit. Nach etwa 2500 Jahren verdichtete sich in Griechenland dieser Prozess der Patriarchalisierung, aus einem gewissermaßen noch unbewussten Geschehen heraustretend, in eine bewusste, gedachte, verantwortete Form. (V/1, 245,246)

In demselben Vortrag heißt es vorausschauend: Damit wäre ein Weiteres gegeben: Dass nämlich das ausklingende Patriarchat in unseren Tagen nicht in ein Matriarchat zurückschlüge, dass sich das patriarchale Bewusstsein nicht wieder in ein matriarchales zurückbildete, sondern in ein integrales mutierte. (256)

Auch in seinem Vortrag „Verneigung vor Laotse“ weist Gebser aud die Zusammenhänge und Bewegungen hin, diesmal im chinesischen Kulturraum, wo sie sich offenbar ganz ähnlich abgespielt haben.(V/2, 16 ff.). Noch in seinem Buch „Asien lächelt anders“ (VI), weist Gebser auf „matriarchale Reste“ hin und berichtet, dass es in Indien noch heute zahlreiche Stämme und Völkergruppen gebe, in denen das Matriarchat herrscht, wo also die Frau die „Herr“-schaft ausübt und der Mann gleichsam der Sklave ist. (VI, 77 ff.)

Wie sich zeigen ließ, liegt in Gebsers Denken und seinen Texten stets eine innige Verbindung zwischen den Begriffen des Titels vor – freilich im Begriffsgefüge von Mutationen, die aufeinander folgen, die heute sich für ihn deutlich fortsetzen.

Patriarchat

Es erübrigt sich deshalb in diesem Zusammenhang, auf die vielen Stellen in seinem Werk hinzuweisen, in denen er über das Patriarchat spricht, dessen Entstehen für ihn mit der Mutation zu einem mentalen Bewusstsein (Jaspers´ „Achsenzeit“)zusammenfällt. Wichtiger scheint mir hier Gebsers Einsicht, dass jede dieser Strukturen/Kulturen eine effiziente Phase kennt, die aus der zerfallenden früheren herausführt, sodann aber wieder selbst defizient wird. Danach leben wir heute in einer Epoche der defizienten Mentalität – und diese Diagnose deckt sich mit den zahllosen Manifestationen der gegenwärtigen Kultur- und Patriarchtskritik.  Ich gehe deshalb zum letzten der Titel-Worte weiter: Das Integrat ist ja noch kein „Begriff“ wie die vorhergehenden, sondern eine Wortschöpfung Gebsers, mit der auf die ihm wahrnehmbar gewordenen Keime eines „Neuen“ hinwies.

Integrat

Andeutungen dazu haben sich schon gefunden; ich gehe noch einmal auf die Einführung dieses „Konzeptes“, das ja gleichsam ein „Empfangenes“ war und ist, in der Reihenfolge des Aufscheinens ein. Es wird sich zeigen, dass Gebser hier nur Andeutungen zu geben vermag, wie es ja auch der Sachlage eines „Keimlings“ entspricht. Umso wichtiger ist hier deshalb die Vollständigkeit der Bezüge, da sich so doch immer etwas Neues und Passendes „wahrgeben“ kann, um Gebsers schönes neues Wort zu verwenden.

Von Anfang an erscheint „Integrat“ im Zusammenhang mit der Mutation zu einem Integralen Bewusstsein. Dort kennzeichnet das neue Wort die neuartigen „sozialen Bezüge“: Im 14. der „Querschnitte“ (II, 222) steht es schlagwortartig so zu lesen: Menschheit: Weder Matriarchat noch Patriarchat, sondern Integrat. Damit ist schon klar, dass es hier weit über das Verhältnis von Männern und Frauen hinausgeht: Es handelt sich um gänzlich neue Beziehungen der Menschen untereinander, nicht nur der „Geschlechter“! Grundsätzlich geht es vielmehr um ein neues Miteinander ohne Rekurs auf Gewalt und Herrschaft. Darüber wird im nächsten Kapitel gehandelt. Hören wir zunächst weiter auf Gebser.

Wir machen uns…nicht zum Rufer nach einer neuen matriarchalen Welt. Das hieße das Rad zurückdrehen. Wohl aber wird der Mann auf manche Anmaßungen verzichten müssen, so auf jene, alles sei sein Besitz, selbst Frau und Kind – er wird darauf verzichten müssen, damit eine Welt entstehen kann, die weder mutter- noch vaterbetont und auch keine bloß vermännlichte Welt ist, sondern die in Frau und Mann den Menschen ehrt, und nicht nur menschlich, sondern menschheitlich denkt. Das aber würde bedeuten, dass, nachdem  das Matriarchat von dem  Patriarchat abgelöst worden ist, nunmehr aus dem Patriarchat, wie wir es ausgedrückt haben: das Integrat hervorgehen würde, in dem, wie ausgeführt, weder die Frau noch der Mann, sondern beide, einander ergänzend, und somit der Mensch als solcher in Mann und Frau zur „Herr“-schaft gelangt (II, 224 ff.)

„…so wird das Patriarchat seinerseits vom Integrat abgelöst werden, wo dann weder die Mater (Mutter) noch der Vater (Pater) überwiegen werden, sondern der Mensch in beiden: wo der durch Frau und Mann integrierte Mensch zur Geltung kommen wird. (II, 362 ff.)

Wird dieses Integrat Wirklichkeit, dann wäre dies zugleich die Befreiung aus dem heutigen Vakuum, wäre die Überwindung der uns bedrohenden Attrappenexistenz: der Staat würde menschlich und menschenwürdig, jener Staat, der, wie wir gesehen haben, heute fast überall zum entmenschlichenden Apparat zu erstarren beginnt. (V/1, 256)

Die Anerkennung des integrierten Menschen, der bewusst beider Pole (Mann/Frau) teilhaftig ist, ist gleichzeitig Anerkennung des Integrats, das über die matriarchale oder die patriarchale Vorherrschaft hinaus und beide integrierend dem Menschheitlichen das Primat gibt. (V/2,48)

Freilich hat all dies zur Voraussetzung, dass die Mutation zu einem Integralen Bewusstsein sich tatsächlich auch konkret vollziehen kann. Wie schwierig das sein mag, zeigt ein Blick auf die Charakteristika, die Gebser diesem neuen Bewusstsein zuschreibt:

„…anstelle der Hektik tritt die Stille und das Schweigenkönnen; anstelle des ausschließlichen Zweck- und Zieldenkens tritt die Absichtslosigkeit; anstelle des Machtstrebens tritt Hingabe und echte Liebesfähigkeit; anstelle des quantitativen Leerlaufs tritt das qualitative geistige Geschehen; anstelle der Manipulation tritt das geduldige Gewährenlassen der fügenden Kräfte; anstelle des mechanistischen Ordnens, der Organisation tritt das „In-der-Ordnung-sein“; anstelle der Vorurteile tritt der Verzicht auf Werturteile, also statt Kurzschluss unsentimentale Toleranz; anstelle dualistischer Gegensätze tritt die Transparenz; anstelle der Handlung tritt die Haltung; anstelle des homo faber tritt der homo integer; anstelle des gespaltenen Menschen tritt der ganze Mensch; anstelle der Leere der begrenzten Welt tritt die offene Weite der offenen Welt. (V/2, 62)

Wie weit sind wir von alledem noch entfernt?!

Wo stehen wir also heute?

Fast 70 Jahre nach dem Erscheinen von „Ursprung usen?

Was aber ist „sonst noch“ gewachsen, nämlich  an Schrecklichem und Bedrohendem in der Welt? So meldet  sich eine andere Stimme zu Wort, die wir gar nicht hören wollen und doch nicht verdrängen können, da sind Gegenwart stelle ich die Frage nach den von Gebser genannten Keimen noch einmal – was ist von dem, was Gebser  wahrnahm, noch lebendig, sogar gewache mit jeder neuen „Nachricht“ über Kriege und andere von Menschen gemachte Katastrophen erneut über uns herein bricht. Wenn sie schon nicht zum Schweigen gebracht werden kann noch soll, gilt auch hier das Gebot des Wahrnehmens. Es soll nicht vergessen werden…

Gleichwohl kehre ich zur ersten Frage zurück und versuche, eine Reihe von „Linien des Aufkeimens“ zu zeichnen. Erinnert sei noch einmal daran, dass ein „Integrat“ weit über das Verhältnis der Geschlechter zueinander auf die Möglichkeit eines umfassenden neuen „Miteinander“ ausgreift, in welcher die Starken die Schwachen nicht mehr ausbeuten, sondern stärken; also helfen, nicht herrschen werden: Kraftvoll – und kooperativ zugleich.

1. Linie: Gebsers Leben und Werk im Rückblick.

Inzwischen liegen zwei Biographien vor, eine erste von Gerhard Wehr und eine zweite von Elmar Schübl[4]. Beide haben ihre Verdienste und ihre Schwächen, beide sind kontrovers diskutiert worden, beide haben Lücken gelassen für einen weiteren Versuch. Sowohl die dramatische Familiengeschichte als auch die tragischen Lebenspartnerschaften Gebsers wollen neu wahrgenommen werden; zudem gilt es, die spirituellen Erfahrungen und ihre Verarbeitung vor allem in der zweiten Auflage von „Ursprung und Gegenwart“ aufzuzeigen[5]. Auch die Festschrift zu Gebsers 60. Geburtstag, die unter dem  Titel „Transparente Welt“ herausgegeben wurde, müsste gründlich angesehen werden: Welche Linien wurden dort aufgenommen – und weitergegeben?

2. Linie: Wesen und Wirkung der Internationalen Jean Gebser Gesellschaft.

Seit fast 40 Jahren bemüht sich diese Gesellschaft, in einen europäischen und einen nordamerikanischen Teil verzweigt, um dieses Werk. Es wurden Tagungen abgehalten und in den „Beiträgen zur Integralen Weltsicht“ veröffentlicht, eine „Homepage“ gestaltet, in der weitere Beiträge publiziert werden können[6]. Auch einen jährlichen „Rundbrief“ gibt es. Hier soll all dies nicht im Einzelnen dargestellt werden – jeder und jede kann sich leicht informieren.

3. Linie: Ken Wilbers Bezugnahme auf Jean Gebser – und sein weiteres Werk und Wirken.

Dieser amerikanische Autodidakt hat mit seinen zahlreichen Büchern gerade auch in der BRD eine starke Wirkung gezeigt. Es sind „Integrale Arbeitskreise“ in großer Zahl, sowie eine eigene Zeitschrift mit dem Titel „Integrale Perspektiven“ entstanden.

4. Linie: Das Werk der Wissenschaftlerinnen Riane Eisler und Carola Meier-Seethaler konvergiert mit dem Jean Gebsers.

In ihrem bahnbrechenden Werk „Kelch und Schwert[7]“  beschreibt Riane Eisler die Geschichte des Matriarchats und den Übergang in das Patriarchat und liefert dazu eine Fülle von Belegen. Analog zu Gebser konstatiert sie das Versagen des Patriarchats und spricht von einem „evolutionären Durchbruch“, der eine „Zukunft in Partnerschaft“ ermöglichen könnte.

Meier-Seethaler hat neben ihren umfangreichen Werken auch eine Erinnerung an Erich Neumann vorgelegt, den sie m Zusammenhang  einer „Anatomie der Geistesgeschichte“ mit Jean Gebser verglich[8].

5. Linie: Auf das Internet und die Präsenz des Begriffes „Integrales Bewusstsein“ kann nur hingewiesen werden: Dort finden sich unter diesem und Begriffen wie „Integrales Leben“ und „Integrales Wesen“ Tausende von Hinweisen. Es gibt „Integrale Parteien“ und entsprechende Vereine zuhauf, auch einen Prof. Johannes Heinrich, der eine „Integrale Philosophie“ zur Sprache bringt…

6. Linie: Verschiedenes…

Im Laufe der vielen Jahre, in denen ich mich mit Gebser und seinem Werk beschäftige (seit 1985, um einen Hinweis zu geben), haben sich viele Hinweise gezeigt, von denen ich hier nur einige wenige anfüge.

Im Bereich der Belletristik ist es zunächst Robert Musil gewesen, der mit seinem Begriff einer „taghellen Mystik zu zweit“ auf eine neue Möglichkeit hinweist, „die heiligen Wege mit dem Automobil zu befahren“ und der doch das Scheitern seines Helden Ulrich im Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ beschreibt – ein Roman „ohne Ende“. Sodann stieß ich in Adolf Muschgs Parzival-Nachdichtung „Der Rote Ritter“ auf eine bemerkenswert neuartige „Paarbeziehung“ zwischen Parzival und Kondwiramur, im Buch Condw´i`r  ´a`m´u`rs  genannt  (conduire amour: Die zur Liebe Hinführende). Ich zitiere: Das Paar saß am Rand der Glut und hatte sich beider Mäntel um die Schultern geschlagen, allmählich sank der Kopf der Frau auf die Schulter des Mannes, ihr Atem ging so ruhig, Parzival war sicher, dass sie schlief.

Was hast du beim Einsiedler so viel zu reden gehabt, fragte sie.
Seltsam, sagte er, genau das wollte ich dich auch fragen.
So stimmen wir überein, sagte sie.
Und die Antwort?
Lassen wir auf sich beruhen, antwortete sie, und er spürte das Gewicht ihres Kopfes, ihm anvertraut, eine Wärme an der anderen.
Jeder behält sein Geheimnis für sich, sagte er, dann haben wir´s gemeinsam.
Pst! Sagte sie und legte ihm den Zeigefinger auf den Mund.

(S. 992)

Klingt hier nicht an, was Mozart in seiner „Zauberflöte“ singen ließ: Mann und Weib und Weib und Mann – reichen an die Gottheit an? Nur dass daraus nicht eine „Metaphysik des Sex[9]“ werden sollte, sondern eben doch auch ein Geheimnis bleiben dürfe…

Auch aus der Science Fiction gäbe es zahlreiche Hinweise, ich nenne nur das Werk der Amerikanerin Ursula LeGuinn und die Bücher der russischen Brüder Arkadi und Boris Strugatzki.

Aus dem weiten Feld der zeitgenössischen Kulturkritik nenne ich nur das Buch von Ivan Illich „Genus“[10], in dem er das polare Aufeinander-Bezogen-Sein von Mann und Frau im frühen Mittelalter  beschreibt und die fatale Gleichmacherei der Gegenwart zu einem „unisex“ beklagt. Zugleich und in späteren Werken bestand er auf einer weltweiten Freundschaft (philia) auf der Basis einer von Christus in die Welt gebrachten Freiheit – die allerdings von der Institution „Kirche“ in ihr Gegenteil verkehrt worden sei[11].

Und nun? Wie kann „es“ weitergehen?

Das kann nur offen bleiben – eine „Antwort“ auf diese Frage ist nicht möglich, zu viele Faktoren sind im Spiel, und ob sich die aufgezeigten „Linien“ (und andere) zu einem starken und mächtigen „Strang“ verbinden werden, der Einfluss auf das politische Geschehen zu gewinnen vermag, ist nicht gewiss. Nur dass jede Anstrengung in diese Richtung „des Schweißes der Edlen“ (also aller Menschen) würdig ist, darf man behaupten. 


Anmerkungen

[1]  Weininger, O.:

[2]  Zitate gemäß der Gesamtausgabe bei Novalis, Schaffhausen.  Bandnummer/Seitenzahl

[3]  Vgl. dazu H. Göttner-Abendroth: Die Göttin und ihr Heros.

[4] G. Wehr: Jean Gebser – Individuelle Transformationvor dem Horizont eines neuen Bewusstseins. Verlag Via Nova, 1996; Elmar Schübl: Jean Gebser – ein Ducher und Forscher in den Grenz- und Übergangsgebieten des menschlichen Wissens und Philosophierens. Chronos, Zürich, 2003.

[5] Zum zweiten Punkt siehe Anhang  von Peter Gottwald: Vom Zen zu Gebser zum Zen.

[6] Vgl. dazu P. Gottwald: Neues zur „Abendländischen Wandlung“; auch in den USA auf  Englisch  verfügbar.

Ich erlaube mir hier auch den Hinweis auf die Jean-Gebser-Veranstaltungen an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die ich seit 30 Jahren in jedem Wintersemester durchgeführt habe. Hinweise darauf finden sich in meinem Buch: In der Vorschule einer Feien Psychologie. Oldenburg, 1993

[7] Riane Eisler: Kelch und Schwert. Goldmann, München, 1987

[8] C. Meier-Seethaler: Zur Anatomie der Geistesgeschichte am Beispiel Jean Gebsers und Erich Neumanns. In: Beiträge zur Integralen Weltsicht,  Vol. XX, 2006

[9]  Z.B.: Julius Evola: The Metaphysics  of Sex. New York, 1983

[10] Ivan Illich: Genus – zur historischen Kritik der Gleichheit. Rowohlt, 1983.

[11] Ivan Illich: An den Flüssen nördlich der Zukunft- letzte Gespräche über Religion. C.H.Beck


Links

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