Apr 132017
 

Texte, Notizen und Gespräche eines Korrespondenten Von Gerhard Rein Keine Empörung. Nirgends Leseprobe Unsere Gesellschaft verändert sich dramatisch. Sie hat sich von dem Konzept einer Weltinnenpolitik verabschiedet. Sie lässt sich nicht mehr leiten von Konsens, sondern von Konflikt. Was nach dem Desaster des Zweiten Weltkrieges nicht vorstellbar war, erlebt in Deutschland zur Zeit eine traurige Wiederkehr: ein militarisiertes Denken hält erneut Einzug in unsere alltägliche Politik. Eine militärische Komponente begleitet wirtschaftliche und politische Entscheidungen. Konservative, Sozialdemokraten und Bündnis-Grüne stellen diesen Wechsel nicht infrage. Er stellt auf den Kopf, was Deutsche nach 1945 an Friedfertigkeit und Zurückhaltung mühsam gelernt haben. [mehr]

Jun 042015
 

Initiative für eine neue Ostdenkschrift Fünfundzwanzig Jahre nach Ende des Kalten Krieges ist die internationale Sicherheit  erneut bedroht. Der Krieg in der Ukraine hat zu besorgniserregenden Spannungen  zwischen Russland und der NATO geführt. Ein neuer Rüstungswettlauf droht. An den Ursachen der schwerwiegenden Krise sind beide Seiten beteiligt. Russland durch seine völkerrechtswidrige Annexion der Krim, durch seine Einmischung in der Ost- Ukraine, die NATO durch ihre Osterweiterung, die Europäische Union durch das Versäumnis, bei den Verhandlungen um ein Assoziierungsabkommen mit der Ukraine Russland einzubeziehen. Überwunden geglaubte Feindbilder und konfrontative Politikmuster bestimmen erneut die Diskussion. Entspannungsbemühungen werden durch demonstrative Aufrüstungsgesten beider [mehr]

Feb 232015
 

  Von Gerhard Rein, 23.02.2015 Endlich kann ich mich einmal solidarisch fühlen mit dem Bundespräsidenten. Endlich stehen wir Seit an Seit gegen die Welt des Bösen. In den längeren Dossiers der Staatssicherheit war ich ja längst enttarnt und aufgeflogen. Meine Kommentare und Berichte aus der DDR bewiesen eindeutig, dass ich Anti- Kommunist sei. Das las ich immer wieder. Tempi passati. Aber gestern, als ich im Fernsehen auf dem Maidan den Aufmarsch der wahren und einzigartigen Anti- Kommunisten unserer Epoche beobachtete, fiel ich wieder zurück in die alten Zeiten. Und war endlich wieder dem selbsterklärten deutschen Anti- Kommunisten und Bundespräsidenten [mehr]

Nov 132014
 

Gnadenlos Von Gerhard Rein, 11.11.2014 PDF  (Adobe Reader herunterladen)  Die Richtlinien der politischen Debatte bestimmt der Bundespräsident. Das ist ohne Zweifel ein bemerkenswerter Wandel. Selbst am Abend des 9. November, als nicht wenige Berliner ob des anhaltenden Jubels schon einigermaßen ermattet ihr Zuhause herbei sehnten, konnte Günter Jauch nicht davon lassen, bei seiner talk-Rückschau auf 25 Jahre Mauerbau nach der Zukunft Thüringens und der direkten Interventionen des Bundespräsidenten zu fragen. Die war ja eine Woche zuvor in der Sendung „Bericht aus Berlin“ erfolgt, in der Gauck schwere Bedenken gegen einen möglichen Ministerpräsidenten erhob, den die Partei Die Linke zu [mehr]

Aug 042014
 

Von Gerhard Rein, Ende Juli 2014 Der Islam gehört zu Deutschland. Seit ein paar Jahren. Der Antisemitismus gehört zu Deutschland. Seit Jahrhunderten. Wissenschaftler haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es in der deutschen Gesellschaft einen Bodensatz an Antisemitismus gibt, der ziemlich konstant zwischen fünf und zehn Prozent liegt. Wenn nun also der Bundespräsident und die Kanzlerin fast im Duett erklären, es gäbe in Deutschland keinen Platz für Antisemitismus, weder linker noch rechter, noch islamischer Couleur, dann ist das so geschichtsvergessen, so oberflächlich, so wohlfeil, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrates der Juden in [mehr]

Jun 042014
 

Oder der verschwiegene Skandal Von Gerhard Rein, 02.06.2014 In der Geschichte, die hier erzählt wird, kommen vor: die Gemeinschaft katholischer Soldaten, Pax Christi, das Verteidigungsministerium, der Katholikentag in Regensburg, Afghanistans Vergangenheit und Zukunft, der Bayerische Rundfunk, und nicht zuletzt der deutsche Qualitätsjournalismus. Und die Geschichte geht ungefähr so: Vielleicht auch etwas anders. Aber ich gebe sie so wieder, wie sie mir begegnet ist. Ich spiele eine kleine Rolle am Rande dieser Geschichte. Die traditionsreiche Gemeinschaft katholischer Soldaten (GKS) hatte die Idee, beim Katholikentag in Regensburg ein Podium zu Afghanistan zu initiieren. Diskutiert werden sollte, welche Zukunft nach dem Abzug [mehr]

Apr 272014
 

Offener Brief von Christinnen und Christen zur Europawahl PDF   (Adobe Reader herunterladen) „Gegen den Verlust des Politischen“ haben wir  einen Offenen Brief überschrieben, mit dem wir uns im Sommer 2013 vor der letzten Bundestagswahl zu Wort gemeldet haben. Wir haben darin das Feh­len einer politischen Debatte in Deutschland beklagt und sie auch an der schleichenden Militarisie­rung unserer Politik und unseres Denkens festgemacht. Geradezu dramatisch bestätigt sich diese Einschätzung durch die andauernde Ukraine-Krise. Die Europäische Union ist ein Friedensprojekt. Es entstand durch den Willen zur Versöh­nung zwi­schen ehemals verfeindeten Staaten und Nationen. Europa möchte als eine Ge­meinschaft wahrge­nommen werden, die [mehr]

Feb 062014
 

Von Gerhard Rein, 05.02.2014 Hast Du das gehört? Haben Sie das gelesen? Nun hat er sich zur Kenntlichkeit entstellt. Das Telefon steht nicht still, und die Mails haben in den Tagen nach dem 31. Januar 2014 fast nur ein Thema: Die Rede des Bundespräsidenten auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Die Erregung ist groß und lässt nicht nach. Etwas selbstverliebt hat sich Joachim Gauck ja gelegentlich als links, liberal und konservativ beschrieben. Das war nur albern. Die Münchner Rede hat bestätigt, dass Gauck schon seit  langer Zeit ein konservativer Nationalist ist, der seine Landsleute dazu ermutigen möchte, seiner Gedankenwelt zu folgen. [mehr]

Dez 222013
 

Von Gerhard Rein, 12.12.2013 Das Telefon klingelt. Eine unbekannte Stimme, ein älterer Mann, will seine Geschichte erzählen. Er sei als elfjährigerjunge mit seinen Eltern nach Südafrika ausgewandert. Dort unter Buren aufgewachsen. Für ihn war immer klar, dass Nelson Mandela ein Terrorist, ein Kommunist war. Er hätte sich sehr gefreut, wenn dieser schwarze Unruhestifter erschossen oder aufgehängt worden wäre. Er habe es bedauert, dass 1964 nur eine lebenslängliche Haftstrafe und nicht die Todesstrafe ausgesprochen wurde. Doch fast fünfzig Jahre später fängt der alte Mann am Telefon an zu weinen. Er hatte gerade vom Tod Nelson Mandelas erfahren. Wie ist diese [mehr]

Dez 222013
 

Held – Vorbild – Legende Von Gerhard Rein Seine Autobiografie nannte er: Mein langer Weg zur Freiheit. Auch sein Weg in den Tod war lang. Als er im Juni mit schwerer Lungenentzündung ins Krankenhaus kam, wurden alle Aufrufe und Gebete, ihn in Ruhe sterben zu lassen, nicht erhört. Das Spital in Pretoria wurde wochenlang umlagert. Mandela konnte das Krankenhaus aber wieder verlassen. Nun starb er in seinem Haus in Johannesburg. Er ist 95 Jahre alt geworden. Erinnern wir uns an diesen wunderbaren, alten Mann, der überall in der Welt geliebt wurde. Seine ansteckende Heiterkeit, sein breites Lachen, seine Verweigerung [mehr]