Warum wir unser Altern neu erfinden müssen Von Frank Schirrmacher Jeder, der in dieser Gesellschaft in den nächsten 40 Jahren alt wird, wird für diese Gesellschaft ein Problem werden. Jeder, der Bekanntschaft mit seiner eigenen Vergänglichkeit macht, jeder, der die Traumatisierung der ablaufenden Lebenszeit erlebt, wird gleichzeitig das Trauma eines rapide alternden Landes verstärken. Wir reden von einem Erdbeben und tun so, als sei es ein Verwaltungsakt. Die Wucht, mit dem die Alterung der Bevölkerung dieses Landes jeden Einzelnen treffen wird, deutet sich heute überhaupt erst an. Sie droht nicht nur, wie man jeder Nachrichtenagentur entnehmen kann, die Sozialsysteme [mehr]
Sozialist und Showman Er war das Enfant Terrible des lateinamerikanischen Linksrucks. Hugo Chávez hat einen Kontinent verändert. Und zwar zum Guten. Von Christoph Twickel War er ein Revolutionär? Ein großer Staatsmann? Eines ist sicher: Hugo Rafael Chávez Frías, geboren am 28. Juli 1954 in einer ärmlichen Palmwedelhütte im Dorf Sabaneta im brütend heißen Bundesstaat Barinas, gestorben am 5. März 2013 im Militärkrankenhaus in Caracas, hat einen Kontinent verändert. Und zwar zum Guten. Man mag von seinen Politikstil halten, was man will. Lateinamerika ist unwiderruflich nach links gerückt und Chávez hat den Impuls dazu gegeben, als er Anfang 1999 das [mehr]
Gerhard Buelle By Walter Buelle I have a particular interest in the civilian camp at Dehra Dun since my father was there from the beginning until his release during the bad winter of 1947. I can also confirm that he ended up in Neuengamme for de-briefing. My Grandfather, Louis Buelle, was interned at Ahmadnagar during the 1st World War. Louis left India on health grounds and returned to Germany just a few months before my father was rounded up, thereby escaping a second internment, this time with his son! My father was Gerhard Buelle. He was born in Darjeeling, [mehr]
Bremer Solidaritätspreis 2002 Ungewöhnliche Freundschaft Von Thomas Joppig Auch bei der Verleihung eines Solidaritätspreises bleibt die Angst vor Anschlägen nicht aus. Wer gestern Abend das Rathaus-Foyer betrat, fühlte sich wie an der Sicherheitsschleuse eines Flughafens. Taschen wurden durchsucht, Metalldetektoren stießen fiepend auf Gürtelschnallen. Für die Israelin Gila Svirsky und die Palästinenserin Sumaya Farhat-Naser, beide Preisträgerinnen des 8. Bremer Solidaritätspreises, gehören solche Sicherheitskontrollen zum Alltag. “Ich frage mich ja, ob Sie damit daheim überhaupt den Flughafen verlassen dürfen”, rätselte Bürgermeister Henning Scherf nach seiner Rede und blickte halb schmunzelnd, halb skeptisch auf die beiden schweren Bronzeplastiken der Bremer Stadtmusikanten. Für [mehr]
Abschreckung ist keine Lösung Von Mira Gajevic und Norbert Mappes-Niediek Bittere Not treibt Bulgaren und Rumänen nach Deutschland. Nun schlagen deutsche Kommunen Alarm wegen der Armutszuwanderer. Die Politik will die unliebsamen Gäste mit markigen Parolen abschrecken, statt auf Integration zu setzen. Sie kommen ohne Chance auf Arbeit, mit dem Bus oder mit schrottreifen Autos und haben oft nicht mehr, als was sie am Leibe tragen. Sie ziehen in Abbruchhäuser, wo findige Ausbeuter ihnen hundert Euro im Monat für einen MatratzenSchlafplatz abnehmen – oder sie errichten sich aus Holz und Wellblech Hütten am Bahndamm. Dass deutsche Kommunen wegen der Armutswanderung [mehr]
Arbeit ist für mich kein Fluch Wie müssen wir hier und jetzt arbeiten und warum? Und als ob das nicht schon komplex genug wäre: Wie wollen wir zukünftig arbeiten und für wen? Es sind stets die ganz großen Fragen, um die sich der Soziologe Richard Sennett seit Jahrzehnten so seine Gedanken macht. Seit seinem Bestseller “Der flexible Mensch” (The Corrosion of Charakter, 1998) gilt Sennett als Instanz bei der Suche nach Konzepten für den Umgang des Einzelnen mit den Bedingungen seiner Umwelt. Der Amerikaner, für den eine Handverletzung das Ende seiner Cellisten-Karriere bedeutete, lebt und lehrt in London und [mehr]
Die Gegenexperten Jena ist die erste große Kommune in Deutschland, in der sich Bürger an den Stadtwerken beteiligen. Eine Erfolgsgeschichte Von Rebekka Sommer Hier scheint jeder jeden zu kennen: Wenn Reinhard Guthke und Martin Berger über den historischen Marktplatz der 100.000-Einwohner-Stadt Jena in Thüringen laufen, grüßen sie nach hier und da. Ein Passant witzelt darüber, dass die beiden sich ein Aushängeschild des Stadtwerke-Informationszentrums unter den Arm geklemmt haben. Damit wollen sie kurz darauf vor dem Rathaus fotografiert werden. Im Stadtwerke-Gebäude sagt ein Mitarbeiter hinter dem Tresen: »Wenn ich gewusst hätte, dass Sie heute kommen, hätte ich meine Beitrittserklärung mitgebracht.« [mehr]
Brandgefährliche Polemik Von Klaus von Dohnanyi Wahlkampfzeiten sind keine Zeiten der Behutsamkeit. Die Versuchung ist groß, nur noch den Gegner zu sehen, die Sache über den Sieg zu vergessen. Ich weiß, wovon ich spreche. Aber deutscher Wahlkampf ist heute nicht mehr nur deutsche Sache; wir sind nicht mehr allein. Es gibt längst eine “europäische Öffentlichkeit”. Jedes unüberlegte Wort kann jenseits der Grenzen schnell einen Shitstorm und haushohe Wogen der Empörung auslösen. So erging es einmal Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ziemlich nebensächlichen Bemerkungen über griechische Lebensweisen. Und so erging es jetzt Peer Steinbrück mit seinem polternden Wahlkampfauftritt und den “Clowns” [mehr]
Mit höheren Abgaben auf Strom und Sprit könnte die Politik den Armen und der Umwelt helfen. Ein unbotmäßiger Vorschlag Kommentar von Wolfgang Kessler Die Debatte über höhere Strompreise im Zuge der Energiewende trägt hysterische Züge und entbehrt nicht der Heuchelei. Da werden die Armen plötzlich von liberalen und konservativen Politikern umgarnt, die sonst vor allem an die Wohlhabenden denken. Da warnen der Bundesumweltminister, Verbraucherschützer und sogar Umweltverbände vor höheren Strompreisen, als wüssten sie nicht, dass gerade niedrige Preise zur Verschwendung knapper Ressourcen einladen. Sie alle wissen natürlich auch, dass die Preise für Strom aus Atom und Kohle jahrzehntelang nur [mehr]
Kirchen können weiter auf Milliarden-Zuschüsse zählen Die Linke will die hohen Zahlungen ablösen. Andere Parteien trauen sich kaum an das Thema Von Pascal Beucker Raju Sharma gibt sich optimistisch. “Dieser Verfassungsauftrag ist eindeutig, unmissverständlich und verbindlich”, sagt der religionspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag. Deswegen sei er sicher, dass es bald zu einer Neuregelung kommen werde. Es geht um die sogenannten Staatsleistungen an die evangelische und die katholische Kirche. Die dürfte es eigentlich seit 94 Jahren nicht mehr geben. Jetzt verhandelt der Bundestag über einen Gesetzentwurf der Linkspartei, die Zuwendungen gegen eine Einmalzahlung einzustellen. Hintergrund sind staatliche Zahlungsverpflichtungen, die [mehr]