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Klemm 1999
Stellungnahmen
Schmitz 2002
Lehrerarbeitszeit
Stellungnahmen 2003
GEW 2003
GEW 2004

Lehrerarbeitszeit in Hamburg

Stellungnahmen zum Bericht der Lehrerarbeitszeitkommission Hamburg 1999

Pressestimmen zum Bericht der Lehrerarbeitszeitkommission Hamburg 1999

Antrag der GAL in der Bürgerschaft zur Erprobung und Einführung neuer Arbeitszeitmodelle an Hamburger Schulen

BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG

16. Wahlperiode

Drs. 16/4993

Antrag

der Abg. Christa Goetsch, Dr. Hans Peter de Lorent, Sabine Steffen, Sonja Deuter, Anja Hajduk (GAL) und Fraktion 

Betr.: Erprobung und Einführung neuer Lehrerarbeitszeitmodelle an Hamburger Schulen

Mit dem von der GAL-Bürgerschaftsfraktion eingebrachten Antrag "Neuregelung der Lehrerarbeitszeit" (16/1296) hatte die Bürgerschaft im August 1998 die BSJB beauftragt, eine Kommission zur Neuregelung der LehrerInnenarbeitszeit in Hamburg einzusetzen. Diese hat am 2. Juni 1999 ihre Arbeit beendet. Der von der Kommission unter Leitung von Prof. Klaus Klemm erstellte Bericht sowie die daraus abgeleiteten Empfehlungen wurden anschließend in der LehrerInnenschaft und der Öffentlichkeit mit Interesse diskutiert. 

Im Kern zielen die Empfehlungen der Kommission auf eine Neubewertung der LehrerInnenarbeitszeit. Die an der Schule zu leistende Arbeit soll gerechter innerhalb der Kollegien verteilt werden. Nicht nur das Unterrichten sondern auch alle anderen Tätigkeitsfeldern der LehrerInnen sollen in Zukunft gleichwertig anerkannt werden - von der Korrektur, der Schulprogrammentwicklung bis hin zur Elternberatung. Die bisher gültig Orientierung der Arbeitszeit an den für LehrerInnen zu leistenden (Unterrichts-)Pflichtstunden würde durch ein modernes Konzept ersetzt. Diese Neubewertung und Neuverteilung der Arbeit bietet zudem für Eltern, SchülerInnen und interessierte Öffentlichkeit die notwendige Transparenz für die von den LehrerInnen geleisteten Aufgaben.

Der Kommissionsbericht belegt dabei eindrucksvoll, wie der Einstieg in neue Arbeitszeitmodelle die strukturelle Basis für eine Qualitätsverbesserung in der Schulentwicklung schafft. Die Empfehlungen orientierten sich daher auch an der fortschreitenden Autonomieentwicklung der Hamburger Schulen. Diesen soll im Bereich der Organisation und Bewertung der Arbeitszeit der LehrerInnen mehr Selbständigkeit zugestanden werden. Ein Jahresarbeitszeitmodell weist beispielsweise der einzelnen Schule ein überschaubares Zeitbudget zu, und ermöglicht damit pädagogischen Gestaltungsfreiraum. Arbeitszeit kann umverteilt und nach den Bedürfnissen der Schule neu organisiert werden.

Die Bürgerschaft möge daher beschließen: Der Senat wird ersucht bis zum Februar 2001 über den Stand der Umsetzung zu berichten und dabei insbesondere auf folgende Punkte einzugehen,

  1.  welche Instrumente und Maßnahmen zur Umsetzung einer neuen Arbeitsstruktur für die LehrerInnen an Hamburger Schulen entwickelt wurden bzw. entwickelt werden sollen;

  2. in welcher zeitlichen Abfolge und in welchen Schritten die Umsetzung erfolgen kann (beispielsweise: Modellversuch in welcher Größenordnung, Umsetzung in einzelnen Schulformen, Anreize für Schulen, die sich beteiligen u.a.);

  3. welche Möglichkeiten zur Entwicklung und Umsetzung eines Jahresarbeitszeitmodells bestehen und unter welchen Umständen Präsenzzeiten der LehrerInnen in der Schule umsetzbar sind (beispielsweise veränderte Raumorganisation, Ausstattung der LehrerInnen mit Notebooks u.a.) organisiert werden könnte;

  4. wie die einzelnen Maßnahmen den Schulen vermittelt werden sollen und welche Unterstützung und Beratung bei der Konzeption seitens der Behörde geleistet werden können;

  5. auf welche Weise sich bei der Umsetzung eines neuen Lehrerarbeitzeitmodells Synergieeffekte für Unterricht und Schul(programm)entwicklung eröffnen.


Hamburger Abendblatt

Hamburg revolutioniert Lehrer-Arbeitszeit

Wenn es gelingt, dann könnte es ein Projekt von historischer Tragweite werden: Erstmals sollen alle Tätigkeiten von Lehrern in die Berechnung ihrer Arbeitszeit einfließen - Vor- und Nachbereitung des Unterrichts ebenso wie die Korrekturen der Arbeiten, das Elterngespräch oder die Konferenz. Mehr Gerechtigkeit untereinander und mehr Transparenz des Berufs in der Öffentlichkeit - das sind die Ziele der Reform.

Schulsenatorin Rosemarie Raab (SPD) hatte im September letzten Jahres eine unabhängige Kommission zum Thema Arbeitszeit eingesetzt, die am Freitag ihren Bericht vorgelegt und Vorschläge unterbreitet hat. Herausgekommen ist ein Jahresarbeitszeit-Modell, das nach Schulfächern, Schulformen und -stufen getrennt den Arbeitsaufwand der Lehrer berechnet und bewertet.

"Seit 200 Jahren ist es in Deutschland üblich, die Arbeitszeit der Lehrer nach den sogenannten Pflichtstunden zu berechnen. Davon gehen wir ab, und das ist ein Systemwechsel", betonte Kommissions-Vorsitzender Prof. Klaus Klemm. Der Erziehungswissenschaftler von der Universität Essen hofft, mit dem neuen Modell auch zur Versachlichung der Diskussion über die Belastung der bisweilen als "faule Säcke" diffamierten Pädagogen beizutragen.

"Das Modell ist geeignet, die Diskussion über Lehrer-Arbeitszeit zu fördern. Es macht sichtbar, was sonst unsichtbar ist", sagte Senatorin Raab. Die SPD-Politikerin will den Vorschlag jetzt in Schulen und Parteien diskutieren lassen. "Ich wünsche mir, dass das Modell in seinen Grundzügen Akzeptanz findet, auch wenn es nicht in allen Details nachvollzogen werden muss." Ziel sei es, genügend Schulen zu finden, die den neuen Ansatz erproben wollen.

Ein Eckpfeiler des Modells ist die Berechnung der durchschnittlichen Jahresarbeitszeit. Quer durch alle Schulformen ergibt sich ein Mittel von 1800 Stunden - das sind rund 100 Stunden oder 5,9 Prozent mehr als im öffentlichen Dienst sonst üblich. Die neunköpfige Kommission und auch Senatorin Raab haben sich darauf verständigt, dass dieser zusätzliche Einsatz von Beamten des höheren Dienstes erwartet werden darf.

Doch die Unterschiede zwischen den Schulformen sind durchaus beachtlich: Für den Grund-, Haupt- und Realschulbereich hat die Kommission 1745 Stunden ermittelt. Für Gesamtschulen liegt der Wert bei 1805 Stunden, für Gymnasien bei 1850 Stunden und für Berufsschulen bei 1835 Stunden.

Noch größer sind die Schwankungen bei den Belastungen der einzelnen Fächer: Hier reicht die jährliche Arbeitszeit von 1600 bis 2000 Stunden. "Ich sage bewusst nicht, um welche Fächer es sich handelt", sagte Klemm aus Sorge vor (Vor-)Urteilen gegenüber Sport- oder Kunstlehrern.

Ohnehin sollen und können die Zahlenwerte nur Richtgrößen sein. Die "Faktorisierung" - also die Gewichtung des Arbeitsaufwandes für die einzelne Stunde - ist durchaus umstritten. "Wir haben die Arbeitsbelastung von Experten schätzen lassen und dann mit den Ergebnissen einer Parallel-Untersuchung in Nordrhein-Westfalen verglichen. Die Unterschiede sind nicht sehr groß", sagte Klemm.

In den Kollegien gibt es nun reichlich Diskussionsstoff: Für die Vor- und Nachbereitung einer Deutschstunde der gymnasialen Oberstufe etwa sind 15 Minuten kalkuliert. Dasselbe Fach wird im Grund-, Haupt- und Realschulbereich mit zwölf Minuten taxiert. Anderes Beispiel: Ein zweistündiger Grundkurs (außer Sport und Kunst) erhält für alle Arbeiten insgesamt pro Stunde den Faktor zwei. Das heißt: Eine Unterrichtsstunde wird mit zwei Arbeitsstunden berechnet. Bei Sport und Kunst liegt der Faktor bei 1,8. Zum Vergleich: In der Grundschule liegt der Faktor durchgängig bei 1,3.

Darüber hinaus hat die Kommission auch alle Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts von der Betreuung der Schul-Homepage bis hin zu Klassenfahrten und Projektplanung mit einem Zeitwert versehen. Das Modell will flexibel sein, so dass die Schulen in gewissem Rahmen selbst entscheiden können, ob sie einzelne Faktoren stärker oder weniger stark gewichten wollen.

Die Gewerkschaften begrüßen das neue Modell grundsätzlich. "Wir sind hoch erfreut, dass die Kommission mit dem Klischee der 'faulen Lehrerschaft' aufräumt", sagte Anna Ammonn, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Jeder Lehrer arbeite rund 100 Stunden mehr pro Jahr als im öffentlichen Dienst vorgesehen. "Das heißt, die Lehrer erwirtschaften dadurch 825 Stellen", sagte Ammonn.

Die Gewichtung nach einzelnen Fächern lehnt die GEW jedoch ab, weil sie "die Gefahr der Spaltung in den Lehrerzimmern" berge. Auch Arno Becker vom Deutschen Lehrerverband (DL) verwies auf die Mehrarbeit der Lehrer, die die Senatorin nun sachlich begründen müsse. ...

SPD-Schulexperte Günter Frank forderte zu einer "behutsam zu führenden Diskussion auf". Holger Gisch äußerte sich für die Regenbogen-Gruppe skeptisch zur geplanten Zuordnung von Faktoren nach Fächern und Schulformen. 


Neues Arbeitszeitmodell für Lehrer - Faire Chance verdient

Von Peter U. Meyer

Das neue Arbeitszeitmodell für Lehrer, das eine Experten-Kommission im Auftrag der Hamburger Schulsenatorin Raab erarbeitet hat, hat eine faire Chance verdient. Die sehr differenziert vorgehende und auf den ersten Blick sperrige Fleißarbeit könnte leicht Opfer vorschneller Urteile werden. Dazu zählt die Vorstellung, Lehrer wollten sich auf diesem bequemen Weg ihre nur scheinbare hohe Arbeitsbelastung selbst bescheinigen. Jede Arbeitszeit-Messung für diesen Beruf ist problematisch, weil bei Pädagogen stärker als in anderen Sparten das individuelle Engagement zählt. Es gibt eben nicht den typischen Lehrer, es gibt nicht einmal den typischen Sportlehrer. Aber es gibt Lehrer, die eine ruhige Kugel schieben, und es gibt andere, die die Grenze ihrer Belastbarkeit erreicht haben. Vor dieser Ungerechtigkeit haben Schulminister und -senatoren aller Länder bislang die Augen verschlossen.
Das neue Jahresarbeitszeit-Modell schaut hin und bewertet alle Tätigkeiten. Wer sich an Schulen nicht engagiert, der fällt nach diesem Modell bald auf. Gewarnt seien jedoch Gewerkschafter, die in den über-durchschnittlich hohen Jahresarbeitszeiten der Lehrer ein Argument für neue Stellenforderungen sehen. Das wird ein Eigentor und leistet Vorurteilen Vorschub. Hamburg könnte Schulgeschichte schreiben, wenn nach einer offenen Diskussion über die Zeit-Annahmen ein tragfähiger Kompromiss herauskommt.


Die Welt

Hamburger Lehrer arbeiten im Schnitt 47,5 Stunden in der Woche

Hamburger Lehrer haben nach einer von der Schulbehörde in Auftrag gegebenen Untersuchung eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 47,5 Stunden. Sie arbeiteten jährlich rund 1800 Stunden und damit etwa 100 Stunden mehr als andere Beschäftige im öffentlichen Dienst, erläuterte Professor Klaus Klemm von der Universität Essen am Freitag die Ergebnisse einer "Lehrerarbeitszeit-Kommission". Der Bericht belege die hohe Arbeitsbelastung der Lehrer und mache deutlich, "dass Lehrerarbeit nicht nur im Unterricht stattfindet", sagte Schulsenatorin Rosemarie Raab (SPD).

Der Bericht widerlege alle Vorurteile über die "faulen Lehrer", erklärte der Deutsche Lehrerverband (DL). Das Gutachten zeige, "dass alle Lehrer deutlich mehr arbeiten als die geltende Regelarbeitszeit festlegt", sagte der Hamburger DL-Vorsitzende Arno Becker. Klar sei auch, dass die Arbeitszeit der Lehrer nicht weiter willkürlich "hochgedreht" werden könne. Die Gewerkschaft der Lehrer wies darauf hin, dass die Hamburger Lehrerschaft durch Mehrarbeit jährlich rund 825 Stellen einspart.

Der Kommissionsbericht soll nun zunächst den verschiedenen Gremien ­ wie Bürgerschaft, Schuldeputation, Eltern- und Lehrerkammer ­ zugeleitet werden, sagte Raab. Anschließend soll ein neues Arbeitszeitmodell diskutiert und bei Zustimmung in einem Modellversuch erprobt werden. 


TAZ

Kommission: Lehrer arbeiten hart

Lehrer in Hamburg haben nach einer von der Schulbehörde in Auftrag gegebenen Untersuchung eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 47,5 Stunden. Sie arbeiteten jährlich rund 1800 Stunden und damit etwa 100 Stunden mehr als andere Beschäftige im öffentlichen Dienst, erläuterte Prof. Klaus Klemm von der Universität Essen gestern die Ergebnisse einer "Lehrerarbeitszeit-Kommission". Der Bericht belege die hohe Arbeitsbelastung und mache deutlich, "dass Lehrerarbeit nicht nur im Unterricht stattfindet", sagte Hamburgs Schulsenatorin Rosemarie Raab (SPD). Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass Haupt- und Realschullehrer mit voller Stelle eine durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 1745 Stunden hätten, während ein Gymnasiallehrer 1850 Stunden arbeiten müssen. Für den Gesamtschulbereich wurden 1805 Stunden errechnet. "Angesichts der vielfach erreichten Grenzen der Belastbarkeit von Lehrern empfiehlt die Kommission, verstärkt belastungsmindernde Arbeitsweisen zu entwickeln", betonte Klemm. Dazu gehörten mehr Teamarbeit und entsprechende räumliche Veränderungen in den Schulen. Auch ein Ausbau der Zeitsouveränität - durch Sabbatjahr oder freiwillige Arbeitszeitreduzierung - könnte Entlastung bringen.


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Christoph Gäbler 28.09.2011