Von 1687 bis 1721 war Georg
Heinrich Sappuhn Pfarrer in Lorenzkirch2.
Ein auffälliger Grabstein an der südwestlichen Aussenwand der Kirche zeugt
davon. Die Inschrift ist heute nicht mehr gut zu lesen. Zu viele Male wird das
Hochwasser der Elbe den Stein bearbeitet haben. Georg Heinrich Sappuhn hat die
Inschrift seines Grabsteines selbst verfasst. In lateinischer Sprache sind die
wichtigsten Lebensdaten und in Gedichtform sein Lebensweg und sein Bekenntnis
formuliert3.
Demnach ist er in Heilsberg4
am 15. Juli 1660 geboren5,
wurde in Preussen ausgebildet und hat in Krakau studiert. In Oberungarn hat er
doziert und war als Pastor tätig. Mit der Zurückeroberung Ungarns durch das
kaiserliche Österreich musste er als evangelischer Prediger fliehen und wurde
nach Lorenzkirch berufen, wo er dann am 3. Mai 1721 verstarb. Er stand 41 Jahre
im Dienste der Kirche, war 35 Jahre verheiratet und hatte acht Kinder beider
Geschlechts6.
Soweit die Lebensdaten der Inschrift.
Georg Heinrich Sappuhn ist
mein siebenfacher Urgrossvater (Kekulé-Nummer 702), sodass
mich das Leben und noch viel mehr das Wesen dieses Vorfahren zu interessieren
begann.
«Prussia me genuit, nutrivit
Lechica tellus» steht auf seinem Grabmal7.
Was etwa heisst: "In Preussen
geboren, das Land der Lechen prägte mich".
Die Familie von Sappuhn
stammt demnach ursprünglich aus einem Gebiet südlich von Ostpreussen.
Im heutigen Polen lebten
früher mehrere Stämme. Das Land zu beiden Seiten der Weichsel bis etwa an die
Oder hin bewohnte der Stamm der Polanen (Feldbewohner), beziehungsweise der
Lechen8,
die im 10. Jahrhundert den Kern des entstehenden Staates Polen bildeten und sich
mit den Masowiern und anderen kleineren Stämmen zusammenschlossen. Hauptstadt
des durch den Fürsten Mieszko I gegründeten Staates war Gnesen9.
Im Jahre 1240 gründete der
Deutsche Orden die Stadt im Siedlungsgebiet des prussischen Stammes der Barten.
Diese nannten ihre Siedlung "Lecbarg", woraus sich später der polnische Name "Lidzbark"
ableitete. 1308 erhielt Heilsberg Stadtrechte durch Bischof Eberhard von
Meissen. Zwischen 1350 und 1795 war Schloss Heilsberg die Residenz der
Fürstbischöfe von Ermland.
Im 14. und 15. Jahrhundert
ist das ganze Baltikum bis Westpreussen ein geistlicher Staat des Deutschen
Ordens. Dieser Orden ist 1190 im Rahmen der Kreuzzüge als Bruderschaft zur
Krankenpflege in Akkon gegründet und wird 1198 zum Ritterorden. Er besteht aus
Ritter- und Priesterbrüdern, ihnen dienen nichtadlige Halbbrüder. Ab 1226 bis
1410 wird der Einfluss des Deutschen Ordens in diesem Gebiet als eigener Staat
immer grösser. Erst 1410 mit der Schlacht bei Tannenberg kommt der Niedergang.
Als Sieger tritt das vereinigte Polen-Litauen auf. Es folgen weitere Kriege.
1466 beim Zweiten Frieden von Thorn erhält Polen unter anderem das Ermeland und
Westpreussen. Der Hochmeister des Deutschen Ordens wird zum Treueeid und zur
Heeresfolge an Polen-Litauen verpflichtet. 1525 trat der letzte Hochmeister, der
Hohenzoller Albrecht, aus der katholischen Kirche aus und machte das verbliebene
Ordensland zu einem weltlichen Staat mit der Hauptstadt Königsberg. Es entstand
das noch polnische Herzogtum Ostpreussen, das dann später durch Erbgang als
Lehen an die brandenburgischen Hohenzollern fiel10
und noch viel später dem Königreich Preussen den Namen gab.
Zur Zeit von Sappuhns Geburt
war Heilsberg rein polnisches beziehungsweise litauisch-polnisches Gebiet. Die
polnischen Könige waren in Personalunion gleichzeitig Herzöge von Litauen.
Nach der Reformation in
Europa sah die Konfessionslandschaft zum Zeitpunkt von Sappuhns Geburt wie folgt
aus:
Das Ermeland mit
Heilsberg war katholisch, da es unter der polnischen Krone als selbständiges
katholisches Bistum regiert wurde.
Der Norden des Deutschen
Reiches, West- und Ostpreussen mit Ausnahme des Ermelandes, sowie weite
polnische und schwedische Gebiete der baltischen Staaten, waren lutheranisch.
Das übrige Polen war
katholisch.
Im östlichen Litauen
(heute Weissrussland und Ukraine) war der russisch-orthodoxe Einfluss
erkennbar.
In Ungarn gab es 1669 -
1671 Religionskriege; die Gegend um Eperies - dem ersten Wirkungskreis von
Sappuhn - stand unter lutherischem Einfluss, weiter südlich herrschte
reformierter Einfluss.
Zu Georg Heinrich Sappuhns
Zeiten regierten folgende Könige in Polen:
Bei seiner Geburt war ein
schwedischer Adliger König.
In der Zeit seiner
Ausbildung, während des Aufenthalts in Oberungarn und bei der Flucht nach
Sachsen sassen polnische Adlige auf dem Thron. Johann III. Sobieski stellte
1683 vor Wien mit 27‘000 Mann das grösste Truppenkontingent und wurde auch
als der eigentliche Sieger in der Schlacht um Wien gesehen. Er war
offizieller Hauptbefehlshaber des vereinigten Entsatzheeres.
Ab 1697 übernahm der
bekannte August der Starke von Sachsen die Regierung.
Die Kirchenbücher von
Heilsberg beginnen schon Ende des 16. Jahrhunderts. Diese sind heute im
Diözesanarchiv von Allenstein (Olsztyn) gelagert.
Georg Heinrich Sappuhn ist
gemäss dem mitgeteilten Kirchenbucheintrag am 12. Juli 1659 in Heilsberg
katholisch getauft worden. Er war wie seine Eltern katholisch aufgewachsen, was
im Bistum Ermland der Normalfall war. Interessant ist aber, dass der
Geburtseintrag im Kirchenbuch nicht mit dem Geburtsdatum auf dem Grabstein
übereinstimmt; Sappuhn ist ein Jahr früher zur Welt gekommen als auf dem
Grabstein steht.
Schauen wir uns seinen
Grabstein im Detail an, so steht dort zweifelsfrei MDCLX (1660) und nicht
MDCLIX(1659).
Dieser Widerspruch
veranlasste mich nach Allenstein ins Diözesanarchiv zu reisen und der Sache
nachzugehen.
Ich habe das Taufbuch von
Heilsberg in den 25 Jahren zwischen 1645 und 1670 analysiert und alle
vorkommenden Sappuhns, sowohl als Eltern, Kinder und Paten chronologisch
aufgenommen.
In dieser Periode gibt es in
Heilsberg lediglich zwei Familien mit dem Namen Sappuhn – die Familie des Georg
und diejenige des Simon Sappuhn.
Ein Georg kommt in der
betrachteten Zeit nur einmal vor und zwar mit dem Geburts- und gleichzeitig
Taufdatum vom 12. Juli 1659.
Weiteres Interessantes lässt
sich im Taufbuch ersehen:
Die Eltern von unserem
Georg Heinrich Sappuhn hatten fünf Kinder. Er war der Älteste.
Bemerkenswert ist, dass
der Vater, Georg Sappuhn, in der betrachteten Periode zwanzigmal und seine
Ehefrau dreimal bei Taufen zu Pate standen.
Sowohl der Vater Georg
Sappuhn, als auch Taufpaten seiner Kinder, haben vor dem Namen ein "SD"
gestellt. Dies "SD" kommt im Taufbuch recht selten vor und bedeutet "Spectabilis
Dominus" oder "Wohlangesehener Herr". Eine Patin einer Schwester Sappuhns
ist adeliger Abstammung – "nobilis".
Am 16.07.1667 steht ein
"Georg Sappuhn adulent" als Taufpate. Hier wird es sich um unseren noch
8-jährigen Lorenzkirchner Sappuhn handeln.
Bezüglich seiner Herkunft und
Ausbildung können wir bis hierher folgendes schliessen:
Sappuhn ist katholisch
aufgewachsen und hat auch in Rössel11
ein katholisches Gymnasium12
besucht.
Er entstammt einer
einflussreichen, wohl angesehenen und begüterten Familie im katholischen
Ermeland. Dies bestätigt auch die Inschrift auf seinem Grabstein:
"Im Namen Christi
verschmähte ich mir gehörige Landgüter, die ich mit gutem Recht als Hausherr
hätte behalten können. Die Armut Christi war mir wertvoller als reicher
Besitz, und den Schätzen der Welt gegenüber, war mir dies lieber".13
Der Name "Sappuhn" kommt zur
damaligen Zeit im späteren Ostpreussen mehrmals urkundlich vor:
Ein Christopherus Sappuhn
schrieb um1651 das Buch "Compendium Grammaticae Lithvanicae", welches dann
1673 ein Theophil Schulz herausgab. Das Institut für litauische Sprache hat
1997 einen fotomechanischen Nachdruck gemacht und in einem einführenden
Kapitel die historischen Bedingungen des Erscheinens des Werkes von Sappuhn
und Schulz dargelegt. Christoph Sappuhn war Pfarrer in Enzuhnen14
und ist dort 1659 verstorben.
Die Kartei Quassowski15,
als Beispiel, umfasst etwa 350.000 Eintragungen von Familienforschern vorwiegend
für den Raum Ostpreussen. Interessant sind:
Michael Sappuhn16,
geboren um 1553 in Bartenstein17,
1576 an der Universität Königsberg, 1579 Pfarrer in Szitkehmen18,
1586 erster Pfarrer in Kussen19
und anschliessend in Pillupöhnen20,
wo er 1630 verstirbt. Pillupönen ist der Nachbarort von Enzunen, wo
Christoph Sappuhn wirkte und die vorher beschriebene litauische Grammatik
verfasste.
Ratsherr Simon Sappuhn21
aus Heilsberg besass seit der Mitte des 17.Jahrhunderts das Gasthaus "Krug"
in Raunau22.
Leider gibt es in all diesen
genannten Orten keine Kirchenbücher mehr aus der entsprechenden Zeit; eine
Ausnahme bildet Heilsberg, wo noch Geburtenregister ab 158823
vorhanden sind.
3.1
Seine Vorbilder beim Theologiestudium in Königsberg
Von Sappuhns Enkel -
Friedrich Immanuel Schwarz24
- werden in der Leichenpredigt25
auf seine Mutter Charlotte Sophia Schwarz, geborene Sappuhn, namentlich folgende
Professoren genannt, die Sappuhn bei seinem Theologiestudium an der Universität
von Königsberg beeinflusst haben: Dreier, Lattermann und Erasmus.
Christian Dreier, geboren am
22. Dezember 1610 in Stettin/Pommern, verstorben am 3. August 1688 in
Königsberg/Preußen, war ein lutherischer Theologe, Professor an der
Albertina-Universität in Königsberg ab 1644 und Teilnehmer am
Synkretismus-Streit in Preußen. Sappuhn muss bei diesem persönlich studiert
haben.
In den
Synkretismus-Streitigkeiten im Herzogtum Preußen trat Christian Dreier als
Anhänger von Georg Calixt hervor.
Calixtus, Georg, einer der
ausgezeichnetsten lutherischen Theologen des 17. Jahrhunderts, geboren 1586 in
Schleswig, studierte in Helmstedt Philosophie und Theologie, ward 1614 als
Professor der Theologie nach Helmstedt berufen, wo er fast ein halbes
Jahrhundert lang tätig war. Im Gegensatz zur lutherischen Orthodoxie drang er
hier auf eine mildere Fassung der konfessionellen Unterscheidungslehren. Er
postulierte als Grundlage für eine Wiedervereinigung der christlichen Kirchen
die Lehrbegriffe der ersten fünf Jahrhunderte des Christentums und begründete
eine gesunde biblische Theologie. Auch versuchte er eine selbständige Behandlung
der christlichen Moral in ihrer Trennung von der Dogmatik. Von den Katholiken
als ihr scharfsinniger Gegner geachtet, wurde er von den Lutheranern wegen
seinen Schriften des Kryptopapismus und des Kryptocalvinismus, und wegen seiner
Bemühungen, bei dem Religionsgespräch zu Thorn (1645) zwischen den lutherischen
und reformierten Theologen zu vermitteln, des Synkretismus bezichtigt. Calixtus
wird in der Theologie als ein Vertreter der Irenik betrachtet (auch Irenismus
von griech. εἰρήνη, eirene, 'Friede'). Heute ist das Wort Irenik durch Begriffe
wie Dialog, Konsenssuche und ökumenischer Geist fast völlig verdrängt. Calixtus
starb am 19. März 1656.
Johannes Latermann, geboren
am 02.07.1620 in Gellershausen und verstorben 1662 in Österreich, war ein
lutherischer Theologe und 1647 ausserordentlicher Professor der Theologie an der
Königsberger Universität. Er war auch Schüler und Vertreter der Calixtischen
Gedanken und verstritt sich mit der lutherischen Orthodoxie. Latermann war zur
Studienzeit von Sappuhn schon verstorben. In der Universitätsbibliothek von
Königsberg befanden sich aber noch viele seiner Streitschriften, wie Arnold26
in der "Kirchengeschichte des Königreichs Preußen" schreibt. Sappuhn kann
deshalb lediglich seine Schriften studiert haben.
Erasmus Desiderius von
Rotterdam, und wohl dieser ist gemeint, ist 1465 in Rotterdam geboren und 1536
in Basel verstorben. Er war Theologe, Philosoph, Philologe und Autor zahlreicher
Bücher. Er lebte in der Zeit von Luther.
Erasmus und Luther haben sich
nie persönlich kennengelernt, korrespondierten jedoch mehr oder weniger
öffentlich ab 1519 miteinander. Während Luther eine "harte Linie" gegen das
dekadente Papsttum der römisch-katholischen Kirche vertrat, setzte sich Erasmus
für "innere Reformen" ein und bat Luther um Mäßigung, so in seinem Brief vom 30.
Mai 1519:
"So viel wie möglich
halte ich mich neutral, um desto mehr dem Wiederaufblühen der Wissenschaft
nützlich zu sein. Meines Erachtens kommt man mit bescheidenem Anstand weiter
als mit Sturm und Drang [...] Es empfiehlt sich mehr, laut gegen die
aufzutreten, die die päpstliche Autorität missbrauchen, als gegen die Päpste
selbst, und glaube, so muss man es auch bei den Königen machen. Bei Dingen,
die so fest eingewurzelt sind, dass man sie nicht plötzlich aus den Herzen
reißen kann, muss man lieber mit beständigen und wirksamen Argumenten
disputieren, statt schroffe Behauptungen aufstellen. Giftige Streitereien
gewisser Leute sollte man mehr verachten als widerlegen. Immer muss man sich
davor hüten, anmaßend oder parteilich zu reden oder zu handeln; so, glaube
ich, ist es dem Geiste Christi angenehm."
Einerseits sparte Erasmus
nicht mit beißender Kritik an frömmelnden Christen, heuchlerischen Mönchen,
korrupten Päpsten, katholischen Riten und dem Ablasshandel. Andererseits
verteidigte er das Papsttum, distanzierte sich von jeder Veränderung durch
Gewalt und versagte den Reformatoren seine Unterstützung. Luther empfand dies
als Verrat und schrieb ihm:
"Da wir sehen, dass
Dir der Herr weder den Mut noch die Gesinnung verliehen hat, jene Ungeheuer
[die Päpste] offen und zuversichtlich gemeinsam mit uns anzugreifen, wagen
wir von Dir nicht zu fordern, was über Dein Maß und Deine Kräfte geht."
Als einer der bedeutendsten
und einflussreichsten Repräsentanten des europäischen Humanismus wurde der
Theologe Erasmus - durch seine kirchenkritische Haltung und durch seine der
historisch-kritischen Auslegung verpflichteten theologischen Schriften - zum
Vorreiter der Reformation. Durch sein Eintreten für relative Religionsfreiheit
nahm er eine humanistische Position jenseits des katholischen wie auch des
lutherischen Dogmatismus ein. Ihn als Verteidiger "religiöser Toleranz" zu
bezeichnen, ist insofern aber missverständlich, weil er selbst stattdessen die
Begriffe Frieden und Konkordanz verwendet und ernsthafte Irrlehren sollen auch
seiner Meinung nach unterdrückt werden, gegebenenfalls auch durch Anwendung der
Todesstrafe.
Mit Liber de farcienda
ecclesiae concordia, gedruckt 1537 in Basel machte Erasmus von Rotterdam den
Versuch, die katholische Kirche mit der reformatorischen Glaubensrichtung wieder
zu vereinen. Unter den sog. "Vermittlungstheologen" der 40er und 50er Jahre des
16. Jahrhunderts im Deutschen Reich, nahm diese Schrift eine "Leitfunktion" ein.
Welch hohes Ansehen der
Humanist bereits zu Lebzeiten genoss, zeigt die Tatsache, dass er als
katholischer Theologe in der Zeit heftigster konfessioneller
Auseinandersetzungen im protestantischen Basler Münster beigesetzt wurde.
So viel zu den Lehrern oder
Vorbildern Sappuhns:
Alle drei vom Enkel
Sappuhns, Friedrich Immanuel Schwarz, genannten Lehrer waren bemüht um
Ausgleich und Versöhnung. Sie suchten das Gemeinsame und nicht das
Trennende. Ich wage die Hypothese - auch in Berücksichtigung des weiteren
Lebenslaufes von Sappuhn -, dass auch er diese Lebenshaltung vertrat. Sein
Enkel zeigt bei der Leichenrede auf seinen Vater - den Schwiegersohn
Sappuhns - eine ähnliche Haltung mit dem Thema:
"Christus hat viel Diener, aber wenig Nachfolger".
Sappuhns Enkel, Friedrich
Immanuel Schwarz, schreibt: "…im siebzehnten Jahre seines Alters bezog er die
Universität zu Cracau , 70 Meilen27
von seiner Vaterstadt, so wohl um die Pohlnische Geschichte und Sprache zu
erlernen, als auch andere, ihm, als einen Unterthanen der Crone Pohlens
nützliche, vaterländische Kenntnisse zu erlangen, und hatte daselbst, 2 Jahre
studieret, als die Pest die Studierenden zerstreute…".
Sappuhn hat demnach das
Theologie-Studium an der evangelischen Universität Königsberg nicht fortgesetzt,
sondern im katholischen Krakau Geschichte und Sprache studiert.
Der Pestausbruch in Krakau
veranlasste Sappuhn wie viele andere Studierende zu fliehen. Er fand in
Schekoczin, einer Stadt an der schlesischen Grenze, im adligen Hause Koryczinski
eine Anstellung als Hauslehrer. Hier muss er Kontakt zu einflussreichen
Persönlichkeiten gefunden haben. So hat ein Graf Zebrydowsky ihn dem Rate und
der Bürgerschaft der Stadt Kirchdrauf in der Grafschaft Zips zum Amte eines
evangelischen Predigers empfohlen.
Direkt südlich an Polen
grenzte bis 1685 das Osmanische Reich (rosa). Zwischen diesem osmanischen Reich
und dem Deutschen Reich (Österreich), - also zwischen Eperies und Bratislawa
(Pressburg) - waren effektiv osmanische Vasallenstaaten. Österreich nannte dies
schraffierte Gebiet allerdings "königlich habsburgisches Ungarn". Das heisst das
Gebiet um Eperies zählte damals zur Österreichischen-Ungarischen Krone, faktisch
aber regierten ungarische, aufständische Adlige mit Unterstützung der türkischen
Sultane.
Der massgebliche Führer der
Aufständischen war damals Emmerich Thököly.
Was hat unser Georg Heinrich
Sappuhn mit Thököly zu tun:
Die Homepage der
evangelischen Slovakischen Kirche nennt alle Priester und Prediger in Presov,
dem ungarischen Eperies. Und daraus ersehen wir, dass Thököly Sappuhn berufen
haben soll.
Emmerich Graf Thököly geboren
am 25. April 1657 in Kežmarok (deutsch Käsmark) und gestorben am13. September
1705 in Nikomedia. Er war im Königlichen Ungarn ein Magnat, Staatsmann, Anführer
eines Aufstands gegen die habsburgische Herrschaft und Fürst von Siebenbürgen.
Emmerich war der Sohn des
protestantischen Grafen Stephan Thököly. Nach dem Tod seiner Eltern studierte er
am evangelischen Kollegium in Eperies zu einer Zeit, in der die
habsburgfeindlichen Aufständischen und Protestanten im Königlichen Ungarn auf
dem Gebiet der heutigen Slowakei fortwährend gegen die kaiserlichen Truppen
gekämpft haben. Nachdem sein Vater, Stephan Thököly, ein Teilnehmer der
Magnatenverschwörung, am 23. November 1670 bei der Verteidigung seiner Burg Arwa
durch kaiserliche Truppen getötet worden war, floh Emmerich Thököly nach
Siebenbürgen (heute Rumänien), wo er bei Verwandten Zuflucht fand.
Hier kam er auch mit
Flüchtlingen aus dem Königlichen Ungarn (das heißt dem nicht von den Türken
besetzten Gebiet) in Kontakt, welche große Hoffnungen in den adeligen und
reichen jungen Mann setzten. Die Unzufriedenheit erreichte ihren Höhepunkt, als
am 27. Februar 1673 Kaiser Leopold I. die ungarische Verfassung aufhob, einen
Fremden als Zivil- und Militärgouverneur einsetzte, 450 protestantische
Geistliche vertrieb und weitere 67 zum Strafdienst auf den Galeeren verurteilte.
Ermutigt durch Hilfszusagen
von Ludwig XIV. von Frankreich, dem katholischen Sonnenkönig, erhoben sich
daraufhin die Habsburggegner unter dem Motto "pro libertate et justitia" und
wählten den jungen Thököly zu ihrem Anführer. Der Aufstand begann 1678 und
binnen kurzer Zeit war das ganze Gebiet der heutigen Slowakei einschließlich der
mittelslowakischen Bergbaustädte unter Thökölys Kontrolle. 1681 rang er dem
Kaiser einen Waffenstillstand ab, nachdem er sein Heer mit 10‘000 Siebenbürgern
aufgestockt hatte und ihn eine türkische Armee unter der Führung des Paschas von
Großwardein unterstützte.
Der türkische Sultan hatte
Thököly 1682 den Titel "König von Oberungarn" verliehen, er selbst hat aber nur
den Titel "Fürst von Oberungarn" benutzt. In der Folge eroberten seine Truppen
viele kaiserliche Festungen und erweiterten somit Thökölys Herrschaftsgebiet im
Westen bis an die Waag.
Bei der 2. Türkenbelagerung
Wiens im Jahre 1683 unterstützte er die Türken maßgeblich durch militärische
Aktivitäten in der heutigen Slowakei und durch Beteiligung einiger seiner
Kuruzen am riesigen türkischen Heer, dass nach Wien geschickt worden war.
Kurz darauf, nachdem er
gemerkt hatte, dass die türkische Sache verloren war, versuchte er mittels des
polnischen Königs Johann III. Sobieski eine Versöhnung mit dem österreichischen
Kaiser zu erreichen, wobei er anbot, die Waffen niederzulegen, wenn Kaiser
Leopold die religiösen Rechte der Protestanten im Königlichen Ungarn anerkennen
und Thököly als dem Fürsten von Oberungarn überlassen würde. Leopold wies diese
Bedingungen zurück und forderte die bedingungslose Kapitulation, und so begann
der Krieg von Neuem. Aber dieser Feldzug Thökölys von 1685 endete in einer Serie
von Niederlagen, und als er um die Hilfe der Türken in Großwardein ansuchte,
nahmen sie ihn gefangen und er wurde in Adrianopel eingekerkert, woraufhin die
meisten seiner Anhänger sich dem Kaiser ergaben.
Thököly durfte für die Türken
später nochmals mit einem 16‘000-Mann-Heer in Siebenbürgen einbrechen und
erlangte wieder einen Sieg über die Habsburger. Noch einmal war er für kürzere
Zeit Fürst von Siebenbürgen. Das sukzessive Vorrücken der Habsburger gegen die
Türken konnte er aber nicht mehr aufhalten.
Um 1700 setzte sich Thököly
in den Ruhestand östlich von Konstantinopel, wo er vom Sultan grosse Ländereien
erhalten hatte.
1705 starb er in Nikomedia28.
Nachdem seine Gebeine dort auch begraben wurden, überführte man sie 1906 nach
Käsmark in seine Geburtsstadt.
Wie schon dargelegt, haben
der Rat und die Bürgerschaft von Kirchdrauf 1679 Georg Heinrich Sappuhn als
evangelischern Prediger berufen. Um dieses Amt ausüben zu dürfen, wurde er in
Kaschau ordiniert.
Im Jahre 1682 wurde in
Eperies das evangelische Kollegium wieder eröffnet. Emmerich Thököly hat dazu
den offensichtlich erfolgreichen evangelischen Prediger von Kirchdrauf, Georg
Heinrich Sappuhn, nach Eperies als Lehrer der Redekunst und als Diakon berufen.
Er war einer von sechs Lehrern die den Neubeginn dieser Schule bewerkstelligten.
Diese Schule und Oberungarn
erlebten eine sehr bewegte Zeit. Nachdem die - aus Sicht der Österreicher
Aufständischen - 1644 die Stadt Eperies eingenommen hatten, wurde 1665 durch die
evangelischen Stände beschlossen, Eperies zum "Wohnsitz der Musen" werden
zu lassen. Trotz Protest von Erzbischof und Kaiser eröffnete am 18.10.1667 das
evangelische Kollegium. Man vermeldete nach oben, nur ein grösseres Schulhaus
und keine Akademie gebaut zu haben. 1670 eroberten die Habsburger Eperies
zurück. 1671 ließ sich in der Stadt der Franziskaner-Orden nieder, zwei Jahre
später auch der Jesuiten-Orden. Die Schule wurde geschlossen. Johann Samuel
Klein beschreibt in seinen "Nachrichten evangelischer Prediger in Oberungarn"
(herausgekommen 1789) deren Schicksale und berichtet unter anderem wie Jesuiten
und Evangelische gestritten haben:
Der Vorsteher der
Jesuiten, ein Matthias Sambar, geriet in Streit mit einem jungen
evangelischen Studenten. Sambar setzte eine öffentliche Disputation an und
bestimmte, dass der Verlierer dieser Disputation geköpft werden solle. Nach
drei Tagen Disputation bestimmten die Zuhörer aber, dass der junge Student
die Disputation gewonnen hätte. Der Jesuit musste sich darauf zur Strafe
durch den Wundarzt einen Backenzahn ausreissen lassen, worauf sich Sambar
als Märtyrer bezeichnete.
Georg Heinrich Sappuhn war in
Eperies in eine sehr schwierige Zeit geraten. Trotzdem sind verschiedene von ihm
verfasste Werke in Eperies bekannt. Unter anderem hat er als Professor der
Beredsamkeit anfangs 1684 die lateinische Leichenpredigt auf den Sekretär und
Gutsverwalter Emmerich Thökölys, Daniel Gutth, in Kaschau gehalten.
1685 hat Sappuhn die Witwe
Sophia Burkhardt, geborene Schmitz, geheiratet. Der Ehemann von Sophia, Daniel
Burkhardt, war schon nach zweijähriger Ehe 1684 verstorben und hinterliess die
knapp einjährige Tochter Anna Sophia, welche Sappuhn als sein Kind aufnahm.
Sophia Schmitz war die
Tochter des Kaufmanns und Stadthauptmanns von Käsmark Christoph Schmitz und
seiner Frau Sophia geborene Mösin, einer Tochter des Bürgermeisters von Käsmark.
Käsmark ist wie oben erwähnt
auch die Geburtsstadt von Emmerich Thököly. Georg Heinrich Sappuhn war demnach
sehr verbunden mit den durch die Türken unterstützten Aufständischen.
Die Aufständischen in
Oberungarn mussten sich am 18.September 1684 geschlagen geben. Die Stadt selbst
kapitulierte aber erst ein Jahr später am 11. September 1685. Kurz darnach wurde
Sappuhn geraten zu fliehen.
Sein Enkel Friedrich Immanuel
Schwarz schreibt: "bald darauf gerieth er in Leib- und Lebensgefahr; ein
vornehmer Officier gab ihm im Geheim Nachricht davon".
Mit grosser
Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei diesem vornehmen Officier um Georg
Friedrich Herzog zu Württemberg und Teck. Dieser war kaiserlicher
General-Wachtmeister und Obrister zu Fuss und wurde am 18. Oktober 1685 vor
Kaschau von einer Kanonenkugel getötet. Georg Heinrich Sappuhn hat zu seinem
Tode ein Episedium29
geschrieben, welches gedruckt wurde und heute in den Bibliotheken von Darmstadt
und Stuttgart vorliegt.
Georg Friedrich Herzog zu
Württemberg war der älteste Sohn aus zweiter Ehe des regierenden Herzogs
Eberhard III. von Württemberg, geboren in Stuttgart am 24.September 1657. Er war
demnach in etwa im gleichen Alter wie Sappuhn und Thököly. Er hatte in Tübingen
und in Italien auch wie Sappuhn Sprachen und Geschichte studiert. Weiter bildete
er sich in Mathematik und Ingenieurwesen. Wie seine Familie war er evangelischer
Konfession. Trotzdem betrat er die militärische Laufbahn im kaiserlichen Heere.
Er war auch 1683 bei der Schlacht um Wien dabei und wurde im August 1684 nach
Oberungarn zu General Schultz in Kirchdorf berufen. Er traf dort anfangs 1685
ein und übernahm das Regimentskommando der Garnison Bartfeld. Am 4. August 1685
bezog er im Bergschloss Sarosch, eine Meile von Eperies entfernt, sein Lager. Er
hat von dort Eperies rekognosziert, wie es heisst. Das heisst er hatte in
Eperies Kontakt mit den wichtigeren Leuten und dazu gehörte auch Georg Heinrich
Sappuhn als Professor des dortigen Gymnasiums.
Mitte Oktober 1685 begann
dann die militärische Belagerung der Hauptstadt von Oberungarn, von Kaschau,
welche von Georg Friedrich Herzog zu Württemberg kommandiert wurde. Kurz nach
Beginn der eigentlichen Kanonade verlor er sein Leben, wurde in Eperies
einbalsamiert und im Januar 1686 in Stuttgart beigesetzt.
Für Sachsen ist im Übrigen
von Interesse, dass Georg Friedrich Herzog zu Württemberg der Onkel der
Eberhardine, der Gemahlin Augusts des Starken, ist. Eberhardine von Brandenburg
war die Tochter der Schwester von Georg Friedrich Herzog zu Württemberg.
Wie schon dargelegt musste
Sappuhn Ende Oktober 1685 aus Eperies fliehen.
Heinrich G. Ruppel zitiert in
seinem Geschichtsbuch über Strehla eine Abschrift im Lorenzkirchner Pfarrarchiv
von Sappuhn, in welcher er 1716 dem Ober-Consistorium in Dresden über das
Lorenzkirchner Kirchspiel Bericht erstattet. In einer Klammerbemerkung schreibt
Ruppel: "Sappuhn wurde in Heilsberg geboren, zuerst Prediger in Epperies in
Ungarn, darauf in Prag. Von dort wurde er durch die Jesuiten vertrieben und war
von 1687 - 1721 Pfarrer in Lorenzkirch."
Diese Klammerbemerkung ist in
der Großenhainer-Abschrift des Sappuhnschen Berichtes nicht zu finden. Dass
Sappuhn von Jesuiten vertrieben wurde, ist aber äusserst glaubhaft: Für seinen
eigenen Grabstein hat Sappuhn geschrieben (übersetzt auf Deutsch): "Wurde von
Eperies durch Eiferer des Clerus Roms vertrieben".
Im Gegensatz zu Ruppel
berichtet der Enkel von Sappuhn , Friedrich Immanuel Schwarz, dass sein
Großvater Georg Heinrich Sappuhn von Oberungarn kommend über Breslau in Leipzig
gestrandet, und dann vom Meißener Superintendenten Dr. Matthias Zimmermann nach
Meißen eingeladen wurde.
Da weder im Ungarischen,
Slovakischen und Sächsischen Pfarrerverzeichnis noch bei Klein Sappuhn als
Prediger mit Prag in Verbindung gebracht wird, neige ich zur Ansicht, dass sein
Enkel die glaubwürdigere Quelle ist.
Es ist ganz interessant zu
wissen, dass der damalige Meißener Superintendent Dr. Matthias Zimmermann im
Jahre 1625 als Sohn des Handelsmanns, Rats und Bürgermeisters in Eperies geboren
wurde. Zimmermann besuchte das Gymnasium in Thorn (Westpreussen), anschliessend
die Universitäten in Strassburg und Leipzig. 1651 kehrte er nach Oberungarn
zurück und war zuerst Rektor des protestantischen Gymnasiums in Leutschau (heute
Levoča in der östlichen Slovakei und 50 km westlich von Eperies) und wurde ein
Jahr später Prediger in Eperies. Er war demnach ein Vorgänger von Sappuhn! 1660
wurde Dr. Matthias Zimmermann als Superintendent nach Colditz in Sachsen berufen
und von 1662 bis zu seinem Tode am 24.Oktober 1689 war er Superintendent zu
Meißen. Ein Verwandter von ihm, Siegmund Zimmermann, wurde anlässlich des
Eperieser Blutgerichts am 5. März 1687 öffentlich geköpft30.
Er war Inspektor des evangelischen Kollegiums in Eperies gewesen. 1688 musste
das evangelische Kollegium den Jesuiten übergeben werden.
Es war wahrlich eine gute
Fügung, dass Georg Heinrich Sappuhn aus Eperies geflohen ist.
In den Kirchenbüchern von
Leipzig, dem ersten Wohnort in Sachsen nach dem Bericht seines Enkels, habe ich
keine Hinweise auf Georg Heinrich Sappuhn gefunden. Als erstes offizielles
Dokument in Sachsen fand ich den Taufeintrag seines ältesten Sohnes mit gleichem
Namen "Georg Heinrich" im Kirchenbuch 1 der Frauenkirche in Meißen. Die oben
erwähnten Berichte seines Enkels Friedrich Immanuel Schwarz werden hier
bestätigt:
Erster Pate ist Dr. Matthias
Zimmermann, Superintendent zu Meissen und effektiv Förderer Sappuhns. Der
Taufeintrag vom 16. November 1686 nennt den Vater in lateinischer Sprache als
vertriebenen deutschen Diacon und Professor des Gymnasiums von Eperies, und
derzeit Exulant.
Die Verbindung der Familien
Sappuhn und Zimmermann müssen auch nach dem Tode des Superintendenten angehalten
haben: als Taufpatin des Sohnes Traugott Heinrich Sappuhn steht 1689 Frau
Leykert-Zimmermann und als Taufpatin der Tochter Johanna Sophia Sappuhn firmiert
1691 die Tochter des Superintendenten Blandina Margaretha Zimmermann.
Hans Siegmund Pflug, seiner
Churfürstlichen Durchlaucht zu Sachsen Kammerherr und Trabantenhauptmann und
1683 Teilnehmer an der Verteidigung Wiens vor dem Türkenangriff, hörte Georg
Heinrich Sappuhn in Meissen predigen und hat ihn zum Pfarrer und Seelsorger von
Lorenzkirch und Kreinitz berufen. Im März 1687 hat Sappuhn seinen Dienst in
Lorenzkirch begonnen.
Auf das sehr fruchtbare
Wirken in Lorenzkirch möchte ich hier nicht weiter eingehen. Dieses ist bestens
in den Arbeiten von Pfarrer Müller, C. Paul, Otto Eduard Schmidt und Heinrich
Gotthelf Ruppel beschrieben.
Georg Heinrich Sappuhn ist
katholisch im Ermeland aufgewachsen, von Jesuiten in Rössel erzogen und hat
lutherisch-evangelischen Geist in Königsberg angenommen.
Er war Untertan des
polnischen Königs, welcher für den habsburgischen Kaiser kämpfte und er war in
Oberungarn verbunden mit den Kaiser-Gegnern.
Er verdankte dem Türkenfreund
Tököly seinen Werdegang zum Professor und Pastor und wurde vom Türkengegner
einem vornehmen Officier (Herzog Georg Friedrich von Württemberg) zur
dringlichen Flucht aus Eperies beraten.
Vertrieben aus Türkenland
wurde er vom Kämpfer gegen die Türken vor Wien, Hans Siegmund Pflug, zum
Pfarramte in Lorenzkirch, Jakobsthal und Kreinitz bestimmt.
Georg Heinrich Sappuhn hat
nicht nur Geschichte, Sprache und Theologie studiert, sondern seine Erkenntnisse
auch in seinem Leben umgesetzt. Er war für alle Seiten ein Vertrauensmann.
Es scheint, dass sein erster
Professor in Königsberg, Christian Dreier, für sein Leben wegweisend war.
Versuchte dieser doch die Beilegung der Streitigkeiten unter den christlichen
Konfessionen herbeizuführen, man würde heute von Ökumene sprechen. Trotzdem
scheint er eine grosse Distanz zu den kompromisslosen Jesuiten, seinen Erziehern
in Rössel und heftigen Widersachern in Eperies, aufgebaut zu haben31.
Georg Heinrich Sappuhn wollte
und konnte friedlich mit Menschen verschiedenster Anschauungen zusammen leben,
diese achten und ihnen für ihr Leben Wertvolles vermitteln. Diese Menschen –
auch wenn sie sich untereinander bekämpften - schätzten gemeinsam Georg Heinrich
Sappuhn und beriefen ihn zu angesehenen Stellungen.
Traugott Heinr. Sappuhn,
Misnici. juris utriusque candidati et solatio moestissimae familiae dabant cives
Hungari in academia Wittebergensi commorantes: Triste melos supremo honori viri…
D. Friedrich Immanuel
Schwarz: Leichenpredigt auf Charlotten Sophien Schwarzin geb. Sappuhnin, Leipzig
1782; siehe Anhang 9.2
Eck, Johann Georg :Leben
Friedrich Immanuel Schwarzens; Leipzig 1787
Klein, Johann Samuel:
Nachrichten von den Lebensumständen und Schriften evangelischer Prediger in…
Ungarn; 1789; Österreichische Nationalbibliothek Wien; Sign.: 71.Z.213
Jahrbuch der Gesellschaft für
die Geschichte des Protestantismus in Österreich; 1886 (Seite 103, Nummer 132)
Beschreibende Darstellung der
älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Bd. 27, 1905, S.173
(Beschreibung des verschollenen Bildes von Georg Heinrich Sappuhn)
Teubner, B.G.- Verlag: Neue
Jahrbücher für Pädagogik, 18. Bd.; 1906; (Seite 294)
Schmidt, Otto Eduard: Neues
Archiv für sächsische Geschichte 28. Bd.; 1907 (Seiten 135 - 137)
Schmidt, Otto Eduard:
Kursächsische Streifzüge Bd. 3, Dresden 1924 S. 157 - 162
Ruß Erika: Episoden aus der
Schmorkauer Chronik, 1927; Seiten 69-77(betrifft Tochter Christiana Sophia)
Ruppel, Heinrich Gotthelf:
Aus Strehlas vergangenen Tagen Bd. 2, Strehla 1938 S. 279 - 286.
Gruss Gedicht Karancsi
Miklos, Disputatio Theologica De Mysterio, Wittenberg 1686
Episedium32
zum Tode von Georg Friedrich Herzog zu Württemberg und Teck, 1685
Leichenpredigt zum Tode von
Gottfried Kupffer , Wittenberg 1708
Leichenpredigt zum Tode von
Hans Siegmund Pflugk, 1711; SLUB Sign.: 1 B 7165, angeb.4
Commentatio philologica, qua
nobilis linguae Carchedonicae reliquia, ab Accio Plauto Sarsinate, actu V. scena
I. et II. fabulae, quae inscribitur Poenulus, adservata explicatur, et ad
dialectum Aramaeam refertur, Lipsia Martini 1713
Historische Nachricht von dem
Lorentzkircher Kirchspiel, 1716 (Orginal-Kopie im Grossenhainer Archiv der
Superintendentur und deren Abschrift im Kirchenarchiv von Lorenzkirch).
DM Georg Heinr,
Sappuhn
nat. Heilsberg in Boruss.d.XII Jul MDCLX, post exil ab Hung-
aria hujus et duarum vicinum eclesica Pastor per ann XXXIV
denat.d.III.Mai MDCCXXI, cum vixisset in minist hic et in Hung.
a.XLI, in conj A.XXXV. VIII liberorum utrisq. sexus Patri felicissimo
cujus adhoc vivi voticinium sequens,
Herr Magister Georg
Heinr, Sappuhn
Geb. in Heilsberg in Preussen d.12.Jul 1660. Nach Exil in Un-
garn (hier in Lorenzkirch und Nachbarschaft) Pastor für 34 Jahre
gest. d. 3.Mai 1721, als Pastor tätig hier und in Ungarn für
41 Jahre, verheiratet 35 Jahren. 8 Kinder beider Geschlechts glücklicher
Vater
Prussia me genuit, nutrivit Lechica tellus,
Eruduiit studiis, urbs tua, Crace sacris.
Pannonis ora virum vidit sacra verba docentem
Et fuit Epperies pendula ab ore meo.
Exilio mulctat non noxa aut judicis urna,
Sed zelus cleri, perfida Roma, tui.
Excipit extorrem cum nata et conjuge Saxo
Et sacro fungi me jubet officio.
Tunc haec ipsa meae est commissa ecclesia curae,
Quam docui veram cum pietate fidem.
Post operas longas et plurima taedia vitae,
Arida sunt isto condita membra solo.
Qui legis ista meo supperaddita carmina cippo
Ne, precor, invidias, qua cubo, lector, humanum.
Nomine pro CHRISTI mea latifundia sprevi,
Herus quae poteram jure tenere bono.
Pauperies CHRISTI potior mihi divite censu
Et grazis mundi carior una fuit.
Nunc teneo immensi spatiosa volumina coeli,
In quo nil juris mundus et orcus habet.
Text: Funebr. II. Tim. II.
Preussen gebar mich, das Gebiet der Lechen nährte mich,
ausgebildet und studiert im heiligen Krakau.
Ungarns Land sah den Mann heilige Worte verkünden,
und Epperies hing an seinem Munde.
Ins Exil trieb ihn nicht Schuld oder Richterspruch,
sondern der Eifer deines Klerus, du treuloses Rom.
Den Flüchtigen mit Tochter und Gattin nahm Sachsen auf
Und hat mir aufgetragen den heiligen Dienst zu verrichten.
Damals wurde diese Kirche meiner Fürsorge anvertraut,
dass ich den wahren Glauben mit Hingabe verkünde.
Nach langen Mühen und sehr vielen Belastungen des Lebens
Sind meine mageren Glieder ganz dahin.
Der du auf meinem Grabstein liest diese Zeilen,
beneide nicht, o Leser, die Erde in der ich ruhe.
Im Namen Christi verschmähte ich mir gehörige Landgüter,
die ich mit gutem Recht als Hausherr hätte behalten können.
Die Armut Christi war mir wertvoller als reicher Besitz,
und den Schätzen der Welt gegenüber, war mir dies lieber.
Nun strecke ich mich aus nach den weiten Räumen des unendlichen Himmels,
an welchem Welt und Hölle kein Recht haben.
Christliches Denkmal einer
frommen Mutter33
Frauen Charlotten Sophien Schwarzin
von D. Friedrich Immanuel Schwarz34 Prof. der Theologie auf der Universität Leipzig,
des Churfürstlichen Consistorii Beysitzer,
und des Stifts Zeitz Canonicus
Leipzig,
gedruckt bey Friedr. Gotth. Jacobäer und Sohn 1782
Ich hoffe für mein Herz,
welches über den Todt meiner Mutter Leide trägt, Beruhigung in der Erfüllung
meiner Pflicht zu finden, die ich ihren Verdiensten schuldig bin. Diese sind
groß, und ich fühle die Verbindlichkeit, ihr meinen Dank öffentlich dafür
abzustatten, um so mehr, je größer meine Überzeugung ist, daß ich ihrer
Erziehung, ihrem Beispiele, ihrem Gebeth und ihren Thränen den größten Theil
meiner Wohlfahrth zu danken habe, und je gegründeter die Hoffnung ist, daß die
Bekanntmachung ihrer rühmlichen Eigenschaften und christlichen Gesinnungen und
Tugenden, Nutzen und Erbauung schaffen werde, so wie sie mir selbige jederzeit
verschafft haben. Die Zurückerinnerung an die Tage meiner Kindheit und Jugend,
in welcher ich Zeuge ihrer Ehrerbiethigkeit, Erkänntlichkeit und Liebe gegen
ihre Mutter in ihrem hohen Alter war, hat mir die edlen Gesinnungen ihrer Seele
von jener Zeit an, deren Erinnerung uns in späteren Zeiten sonst gemeinlich
dunkler zu sein pflegt, frühzeitig einleuchtend und schätzbar gemacht. Sie
kannte den grossen Werth der Glückseligkeit, Eltern zu haben, deren ächte
Gottseligkeit eine Quelle des Segens ihrer Kinder und Nachkommen ist. Solche
Eltern verehrte sie.
Niemals nennte sie den Namen
George Heinrich Sappuhn ohne die deutlichsten Zeichen einer innigsten
Verehrung, und das einstimmige Zeugniß, welches alle, die ihn gekannt und als
Lehrer verehret hatten, von seiner Frömmigkeit, von seinem eindringlichen
Vortrage der Lehren der Religion, von seiner ihnen in unvergesslichen Andenken
gebliebenen Sanftmüthigkeit und großen Leutseeligkeit, wodurch er alle Herzen
gewonnen hatte, und welche sie noch lange nach seinem Todte zu seinem Lobe sehr
beredt machte, von seinem frommen Wandel und von dem Nutzen, den er gestiftet
hatte, ablegten, sind ein unverdächtiger Beweis, wie sehr er diese Verehrung
verdient habe. Einen solchen Vater verehrte sie, und sie verehrte ihn nach
Verdienst. Ich will von diesem guten merkwürdigen Manne, der bereits vor 61
Jahren zur Freude seines Herrn eingegangen ist, hier etwas sagen. Beides seine
Eigenschaften und seine Schicksale in Preußen, Pohlen, Ungarn und Sachsen machen
ihn merkwürdig. Heilsberg im Stifte Ermeland im Pohlnischen Preußen35
war seine Vaterstadt, wo er den 12. Julius 1660 geboren ward. Auf dem Gymnasio
zu Rösel legte er den Grund in den Wissenschaften; im fünfzehnten Jahre gieng er
auf die Universität zu Königsberg36,
hörte allda die berühmten Lehrer der Gottesgelahrtheit, Dreyer37,
Lattermann38,
und Erasmus39,
und im siebzehnten Jahre seines Alters bezog er die Universität zu Cracau40,
70 Meilen41
von seiner Vaterstadt, so wohl um die Pohlnische Geschichte und Sprache zu
erlernen, als auch andere, ihm, als einen Unterthanen der Crone Pohlens
nützliche, vaterländische Kenntnisse zu erlangen, und hatte daselbst, 2 Jahre
studieret, als die Pest die Studierenden zerstreute, und ihn, weil er um eben
dieses allgemein gewordenen Unglücks willen, das auch sein Vaterland betroffen
hatte, in demselben seine Zuflucht nicht suchen konnte, Gott ihn in einem
anderen Lande einem günstigeren Geschikke entgegen führte. Er fand in Schekoczin42,
einer Stadt an der schlesischen Gränze, in dem adeligen Hause Koryczinski, in
welchem er zum Lehrer der Familie angenommen ward, seinen Unterhalt, aber auch
bald seinen Beförderer in der Person des Grafen Zebrydowky, durch welchen er dem
Rathe und der Bürgerschaft zu Kirchdorf43
in der Grafschaft Zips, nachdem der Graf Emericus Töckely44
die freye Uebung der evangelischen Religion für Oberungarn erlangt hatte, zu dem
Amte eines evangelischen Predigers empfohlen ward, und den Ruf dazu im
neunzehnten Jahre seines Alters erhielt, welches er, nach erlangter Ordination
in Caschau45,
antrat, nach drey Jahren aber mit dem Amte eines Professors am Gymnasio und
Diaconi an der deutschen Hauptkirche zu Eperies46
verwechselte. Hier gerieth er bey den damaligen bürgerlichen Unruhen in Ungarn,
welche für die evangelischen Gemeinden in diesem Königreiche von traurigen
Folgen waren, in Gefahr, in welcher ihn aber die Vorsehung Gottes wunderbar
erhielt und mächtig schützte. Eperies ward nach einer harten Belagerung erobert,
die Verfolgung der Evangelischen nahm darauf zu, ihre Kirche ward von den
Römischcatholischen weggenommen, und ihre freye Religionsübung erreichte
abermals ihr Ende. Sappuhn, welcher beide Aemter drey Jahre verwaltet hatte,
hielt allda am Reformationsfeste 1685 seine letzte Predigt, bald darauf gerieth
er in Leib- und Lebensgefahr; ein vornehmer Officier gab ihm im Geheim Nachricht
davon; er verlies darauf alles das Seinige und rettete sich mit der Flucht, auf
welcher er seinen Weg über Breßlau nach Leipzig nahm. Er erfuhr bald: D. Johann
Zimmermann47,
aus Ungarn, welcher Superintendent zu Meißen war, verlangte ihn zu sich. Hier
ward es, wo ihn Hannß Siegmund Pflug48,
auf Kreynitz, im Dom predigen hörte, und sogleich zum Pfarramte in
Lorenzkirchen, Jakobsthal und Kreynitz bestimmte, welches er 34 Jahre bis 1721
da er am Sonntage Jubilate starb, verwaltete, und einen seltenen Nachruhm wahrer
Frömmigkeit, großer Geschicklichkeit, unermüdlicher Amtstreue und einer
ungemeinen Leutseligkeit hinterlies. Der Liebe zu den Wissenschaften blieb er
stets getreu, wovon unter anderem sein Briefwechsel mit Schurzfleisch49,
und einige lateinische Gedichte zeugen, die er in der Handschrift hinterlassen,
aus welchen ich die von ihm verfertigte Aufschrift des Denkmahls bey seiner
Gruft wähle, sie hieher zu setzen.
1667 wurde in Prešov ein
"evangelisches Kollegium", das ein wichtiges Bildungszentrum für Oberungarn (so
hieß damals die Ostslowakei) darstellte, eröffnet. Die hier tätigen Gelehrten
waren stark von den Lehren Johann Amos Comenius beeinflusst, welcher im Frühling
1650 in Prešov weilte. Zu der sich schnell vergrößernden wirtschaftlichen Macht
der Stadt kam auch die politische Stärke hinzu. So wurde 1647 das
Verwaltungszentrum des Šariš/Scharosch-Komitats, das oft seinen Sitz wechselte,
in die Stadt verlegt. Im 17. Jahrhundert hatten die Adligen aus der Familie
Rákóczi die Funktion des Komitatsvorsitzenden (Gespans) inne.
1671 ließ sich in der Stadt
der Franziskaner-Orden nieder, 2 Jahre später auch der Jesuiten-Orden. Das Jahr
1687 wurde für Prešov zu einem Albtraum. Die Unterstützung seitens der Stadt für
den anti-habsburgischen Aufstand unter Emmerich Thököly (1678-1687) hatte
schwerwiegende Konsequenzen. Aufgrund einer Entscheidung von Kaiser Leopold I.
wurde in der Stadt das sogenannte Eperieser Blutgericht unter der Führung von
Antonio Caraffa abgehalten, in dessen Verlauf (vom 5. März bis zum 12. September
1687) 24 prominente protestantische Bürger und Adlige zum Tode verurteilt und
ihr Vermögen eingezogen wurde. Weitere Schäden verursachten die Pestepidemie von
1696, durch die die Hälfte der Stadtbevölkerung ums Leben kam, und der Aufstand
von Franz Rákóczi II. (1703-1711)."
Prussia me genuit, nutrivit
Lechia tellus,
erudiit studiis urbs tua, Grace sacris.
Pannonis ora virum vidit sacra verba docentem,
et fuit Epperies pendula ab ore meo.
………..
Einen solchen Vater verehrte
sie, und sie verehrte ihn so sehr, daß sie seiner nie ohne Bezeugung großer
Hochachtung und Dankbarkeit gedachte.
Gleiche Verehrung bezeigte
sie ihrer Mutter, einer Frau von großem Verstande und ausgezeichneter
Frömmigkeit, deren Segnungen und Lehren mir unvergesslich bleiben werden. Sophia
Sappuhnin, geboren den 1 sten May 1665 war die Tochter Christoph Schmitz,
Kaufmanns und Stadthauptmanns zu Kaysermark50,
und Frauen Sophien geb. Mösin, der Tochter des dasigen Bürgermeisters, Siegmund
Mösens, welcher starb, als ihre Tochter sechs Monate alt war. Das Geschlecht
ihres Großvaters, Michael Schmitz, blühete in Danzig, wo dieser ein angesehener
Seeschiffshandelsmann, und mit Rebekken Henkelin aus Danzig verehelicht war. Sie
verheiratete sich 1682 an Daniel Burkhardt, einem Kaufmann in Eperies, welcher
zwei Jahre hernach starb, und ihr eine Tochter, Anna Sophia, hinterlies, die sie
als ein Kind unter zwei Jahren mit nach Sachsen nahm, und nachher an Johann
Siegmund Beuchen, Amtmann in Pegau, verheirathete. Sappuhn verehelichte sich mit
ihr 1685 aber schon in der sechzehnten Woche nach der Verehelichung mußte sie
ihm im zwanzigsten Jahre ihres Alters ins Elend folgen, denn so früh geschahe
seine Flucht. Ich schätze mich glücklich, diese würdige Person gekannt zu haben,
und noch mehr, von ihr gebildet, gebessert, erbaut und gesegnet worden zu sein.
Ihre Frömmigkeit, ihre Geduld, ihre Klugheit hat einen tiefen Eindruck in mein
Herz, sie selbst aber in mir unvergeßlich gemacht. Ihre fürtrefflichen Lehren
sind mir noch so sehr erinnerlich und schätzbar, als sie mir jederzeit nützlich
gewesen. Ich verehre ihre Asche; sie war es vornehmlich, welche darauf bestand,
mich dem Studieren zu widmen, da man mich für eine andere Lebensart bestimmen
wollte, und sie that solches aus Gründen, welche ihrem Herzen Ehre machen, und
mir noch zum Trost gereichen. Ihr Ende erfolgte den 4. Dezember 1744 nachdem sie
beynahe die Hälfte ihres achzigsten Jahres zurückgelegt, und ihren Ehegatten
fast 24 Jahr in ganz eigentlichem Verstande betrauert hatte. Die Predigt bey
ihrem Leichenbegängniß hielt, ihrem Wunsche und Verlangen gemäß, mein Vater über
Psalm XXXVII, 25 "Ich bin ganz jung gewesen und alt worden, und habe noch nie
gesehen den Gerechten verlassen, oder seinen Samen nach Brod gehen." und tief
waren die Worte in meine Seele gedrückt, mit welche er den Anfang dieser
Gedächtnißpredigt machte, die er ihr als einer Exulantin hielt. Es waren die
Worte Davids auf der Flucht, als er sich zur Rettung seines Lebens ins Elend
begeben, und ihm seine Eltern in dasselbe folgen mußten aus Samuel XXII, 3 : "Laß
meinen Vater und Mutter bey euch aus und eingehen, bis ich erfahre, was Gott mit
mir thun wird".
Von so würdigen und guten
Eltern, deren Gedächtniß im Segen ruhet, ward meine Mutter Charlotte Sophie, den
16. Julius 1702 geboren. Charlotte Sophie von Pflug51,
aus Kreynitz, Barbara Cellarius, die Gattin M. Joh. Cellarius52,
des Diaconus zu Strehla, und M. Caspar Aster53,
Pfarrer in Gohlis, vereinigten ihr Gebet für sie bey ihrer Taufe. Mein Vater M.
Johann Immanuel Schwarz, dessen Leben ich nach seiner am 2. April 1762 erfolgten
seligen Auflösung beschrieben habe, verheiratete sich mit ihr im Jahr 1721 am
25. November. Er hatte an ihr die beste Gattin, und ihre acht Kinder die
sorgfältigste Mutter, welche die Verdienste derselben und ihre Erziehung mit
kindlichem Danke und gerechter Verehrung rühmen. In der Übung der Gottseligkeit
war sie uns, so wie im Fleiße und der Arbeitsamkeit, wie nicht weniger im
liebreichen Umgange mit jedermann und in der Wohltätigkeit gegen die Armen, das
nachahmungswürdigste Muster. Es gefiel Gott, sie in vielen Leiden zu prüfen, und
sie bewies in denselben allen, den Heldenmuth und die Standfestigkeit der
Christen. Den Anfang ihrer Leiden machte Gott durch den Tod ihres ältesten
Sohnes, Johann Immanuel, im Jahre 1749. Dieser war zu großer Freude seiner
Eltern 1747 zum Pfarramte in Stahritz54
berufen, als er aber solches ein Jahr und 23 Wochen verwaltet hatte, erfolgte
sein früher Tod in der Blüthe seiner Jahre, als er kaum die Hälfte seines sieben
und zwanzigsten Jahres zurück gelegt hatte. Ihr Jammer war groß. Dieser war der
einzige, welcher von acht Kindern damals versorgt war. Und ihre erste Freude
ward sobald in Traurigkeit verwandelt! Hier war es rührend, zu bemerken, wie sie
sich bestrebte, den bekümmerten Vater zu trösten, da sie doch selbst über diesen
Verlust untröstlich war, und des Trostes selbst bedurfte, den sie ihm ertheilen
wollte. Der Verlust war für beide gleich groß, der Schmerz gleich empfindlich.
Aber wie weislich wußte sie denselben dem bekümmerten Vater durch Verbergung des
Ihrigen zu lindern, und ihn durch gefällige Annehmung seiner Trostgründe zu
beruhigen? Doch dies war nicht der einzige Fall, in welchem sie Standhaftigkeit
im Leben bewies. Der verborgene Rath Gottes hatte ihr ein großes Maas derselben
zugetheilt; sie hatte viel Prüfungen zu überstehen, auf daß ihr Glaube
rechtschaffen und viel köstlicher erfunden würde, denn das vergängliche Gold,
das durchs Feuer bewähret wird. Die Trübsale nahmen je länger je mehr überhand.
Ein unglücklicher Zufall, den die Unvorsichtigkeit eines Menschen veranlaßte,
raubte meinem Vater den Gebrauch des Lichtes seiner Augen. Welcher Jammer für
sie beide und für uns ! Er brachte in diesem Elende die letzten neun Jahre
seines Lebens zu. Langwierige und äusserst schmerzhafte Krankheiten vermehrten
es, und der Tod zweier Töchter, deren der eine von noch mehr Unglück begleitet
ward, brachten es bey nahe auf den höchsten Grad. Eine versorgte Tochter, welche
an M. Dietrich55,
Pfarrern in Cavertitz glücklich verheiratet war, starb am 30. August 1760 und
hinterlies zwei zarte Waisen. Neun Monate später betraf sie das härteste unter
allen ihren Schicksalen. Am 6. Junius 1761 zündete in den Morgenstunden ein
Wetterstrahl die Wirtschaftgebäude des Pfarrhofes an, und legte sie in Asche.
Mein von einem Schlagflusse vor einiger Zeit gelähmter kraftloser Vater auf
seinem Krankenbette, meine Mutter und zwo Schwestern waren zum Gebeth in der
Stube versammelt. Ein schrecklicher Donnerschlag hatte sie ausser sich gesetzt,
und keines von ihnen besann sich. Sie waren von den aus dem Orte
herbeizueilenden zuerst von dem Unglücke benachrichtiget, daß der Pfarrhof im
Feuer stehe. Mein entkräfteter Vater mußte aufs Feld getragen werden, und
daselbst den Stürmen des Ungewitters ausgesetzt werden, indem die Flammen einen
Theil der Gebäude verzehrte, und man alle Kräfte anwendete, das Wohnhaus zu
retten, welches auch würklich erhalten ward. - Aber welcher schreckliche,
traurige Anblick ! Eine Tochter, die ältere von beiden, war dahin. Umsonst
bemühete man sich, sie wieder zum Leben zu bringen. Sie war allbereit ein Raub
des Todes. Und meine Mutter – von diesem vielfachen Unglück umgeben - was soll
ich von ihr? was von der Empfindung ihres Herzens ? was von ihrer Fassung sagen?
Ich will sie selbst reden lassen. Die schriftliche Nachricht, die sie mir von
ihrem Unglücke ertheilte, enthält Worte, welche von den Empfindungen einer
betrübten Mutter, und zugleich von den Gesinnungen einer standhaften und im
Unglück getroffenen Christin zeugen.
Hier sind sie: "Ach trauriges
Schicksal für uns alte Eltern! Ach unsre Tochter, die bereit und willig war,
unsern Willen und Befehl mit ihrem willigen Gehorsam, in allem zu erfüllen, die
ihr liebes Geschwister herzlich liebte, und sich ihnen gefällig zu machen, wenn
es auch mit ihrer größten Beschwerung hätte geschehen sollen, für die größte
Freude hielt! Verborgener Gott, zürne nicht, daß ich mich unterwinde zu reden.
Der große Schmerz nimmt mir die Worte aus dem Munde. Ich werfe mich dir zu
Füßen. Erbarme dich unser wieder, laß Gnade für Recht gehen. Ich glaube doch
noch, das, was du thust, ist alles gut, obs noch so traurig schiene. Nun Herr,
wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich, und hoffe, meine liebe selige
Tochter bey Gott zu finden, da sie sich mit herzlichem Gebethe und ringenden
Händen in die Hände ihres Gottes ergeben."
Was soll ich nöthig
hinzufügen, um die Größe ihrer Leiden, und zugleich den Ruhm ihrer
Gottgelassenheit zu schildern? Mit diesen Tugenden der geheiligten Christin
verband sie die thätige und standhafte Ausübung der Liebe gegen alle, die auf
ihre hülfreiche Unterstützung Anspruch machen konnten, und besonders gegen ihr
Haus. Das große Elend meines, des Gebrauchs seines Gesichtes beraubten und vom
Schlage entkräfteten Vaters würde noch weit trauriger gewesen sein, wenn ihn
nicht ihre unermüdliche Sorgfalt und hülfreiche Treue so liebreich und mit
Geringachtung aller Beschwerlichkeit und Mühe unablässig unterstützt, und ihn
die Größe seiner Leiden weniger fühlbar gemacht hatte. Der Herr vergelte ihr
diese Treue in Ewigkeit! Ihre Liebe zum Worte Gottes, ihr unablässiger Fleiß,
dasselbe sowohl, als lehrreiche Schriften zu ihrer Erbauung zu lesen, und mit
Andacht zu betrachten, den sie bey ihrem hohen Alter bis den letzten Tag vor
ihrem Ende fortsetze, an welchem sie sich noch mit Lesung einer gottseligen
Betrachtung unterhielt; ihre Inbrunst, ihre Andacht und ihr Eifer in Gebethen,
ihr heiliges Verlangen, ihre Seele durch oftmaligen Genuß des Sacraments des
Leibes und Blutes Christi zu erquicken, und des Herrn Tod zu verkündigen, bis er
kommen werde, sie aufzulösen, (und er kam vier Tage darauf, als sie diese große,
und von ihr zum höchsten geschätzte Heilswohlthat zum letzten male genossen
hatte) zeigte von der Stärke ihres Glaubens und von ihrer ächten Gottseligkeit.
Das schöne Zeugnis, welches ihr würdiger und verdienter Seelsorger, der Herr
Archidiaconus M. Kießling56, hiervon bey ihrem Sarge ablegte, hat die gerechte
Hochachtung für die Gottseligkeit meiner frommen Mutter noch mehr erhöhet, und
mir ihr rühmliches Beispiel zum Muster der Nachfolge von der empfehlenswertesten
Seite gezeigt. Der Herr vergelte und segne seine Treue die er in der Sorge für
ihre Seele bewiesen, mit allerley Segen und Gütern seiner Gnade, und lasse den
Lohn dieses verdienstvollen Lehrers groß seyn im Himmel! Ihre letzten
Lebensjahre brachte sie in dem Hause ihres hochgeschätzten Schwiegersohnes, des
hochverdienten Herrn Superintendentens, M. Lingkens57, in Torgau zu, deßen große
Verdienste um sie in ihrem Alter ich nicht genügsam rühmen kann. Ihre gute
Tochter, die liebreiche Gattin desselben, vereinigte ihre Kräfte mit den
seinigen, ihr ihre letzten Lebenstage angenehm, und die Beschwerlichkeiten des
Alters erträglich zu machen, für welche kindliche Treue und Wohltätigkeit sie
nun den Segen des Herrn auf sie heraberbittet, welcher von ihrem Hause nicht
lassen wird ewiglich! Ja, Herr, mit deinem Segen müsse dieses deines Knechtes
Haus gesegnet werden ewiglich! Ihre wichtigste und liebste Beschäftigung bis an
ihr Ende war die Unterhaltung mit Gott im Gebeth, und die Vorbereitung auf die
Ewigkeit. Schon seit vielen Jahren erwartete sie täglich ihre Auflösung. Sie
konnte mit Recht sagen: Ich sterbe täglich! Rührend war mir es, (und rührend
wird es mir auf meine ganze Lebenszeit bleiben) nach ihrem Tode aus dem Munde
eines geschätzten Geistlichen die letzten Worte zu vernehmen, die sie den
Freitag vor ihrem Tode zu ihm geredet. Er fragte sie: wenn sie sich noch etwas
auf der Welt wünschen sollte, was es wohl seyn würde? Ihre Antwort war: Nichts
als die Güte meines Gottes! O Gott, wie groß, wie theuer, wie schätzbar ist
deine Güte, die du verborgen hast, denen, die dich fürchten! Glücklich! wer
sagen kann: Herr, deine Güte ist besser, denn Leben. Meine Lippen preisen dich!
So beschloß sie die Tage, im sehnlichen Verlangen nach dem lebendigen Gott, um
dahin zu kommen, daß sie Gottes Angesicht schaue, und im lebendigen Glauben an
ihren Erlöser Jesum, bey welchem zu seyn so lange schon ihr inbrünstigster
Wunsch gewesen war, am 12. August im Jahre 1782 nachdem sie 28 Tage in ihrem ein
und achzigsten Lebensjahre zurückgelegt hatte. Ihr Leben war christlich, ihr
Ende lehrreich. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an! Ja
der Geist spricht, daß sie ruhen sollen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen
ihnen nach. –
Meine Brüder, meine
Schwestern, lasset uns dem Herrn danken, daß er uns eine Mutter verehren ließ,
die uns christlich erzogen, die uns zur Gottseligkeit durch Lehre und Beispiel
gewiesen, die so fleißig für uns gebethet, die so häufige Thränen im Gebeth für
unsere Wohlfahrt vergossen, und die uns durch ihr Leben, wie durch ihr Ende, im
Glauben an Gott, in der Liebe zu Gott, und im standhaften Vertrauen auf Gott und
seine Güte, die besser ist, denn Leben, befestigt hat; deren Nachruhm Glaube und
Gottseligkeit, und deren ewiges Loos Seeligkeit ist!
Im
Frieden von Oliva (Schwedisch-Polnischer
Krieg), 1660, erreichte Friedrich Wilhelm von Brandenburg (der grosse
Kurfürst), dass das Herzogtum Preussen von Polen unabhängig wurde.
Heilsberg, heute das polnische Lidzbark-Warminski, gehörte zur
Geburtszeit Sappuhns zum katholischen, fürstbischöflichen Ermland.
Das Jahr 1687 - also nach der Flucht von Sappuhn
- wurde für Eperies zu einem Albtraum. Die Unterstützung seitens der
Stadt für den anti-habsburgischen Aufstand (1678-1687) unter
Emmerich Thököly hatte schwerwiegende Konsequenzen. Aufgrund einer Entscheidung
von Kaiser Leopold I. wurde in der Stadt das sogenannte
Eperieser
Blutgericht unter der Führung des kaiserlichen Generals
Antonio Caraffa
abgehalten, in dessen Verlauf (vom 5. März bis zum 12. September 1687)
24 prominente protestantische Bürger und Adlige zum Tode verurteilt und
ihr Vermögen eingezogen wurde.
Königsberg war zu jener Zeit Residenzstadt (seit
1525) des Herzogtums Preussen (später Königreich Preussen und
Ostpreussen), welches noch bis gegen 1660 polnisches Lehen war. Die
Universität wurde 1544 gegründet.
Christian Dreier (* 22. Dezember 1610 in
Stettin/Pommern; † 3. August 1688 in Königsberg/Preußen) war ein
lutherischer Theologe, Professor an der Albertina-Universität in
Königsberg und Teilnehmer am Synkretismus-Streit in Preußen. Sein
gleichnamiger Sohn (geb. 1659) wurde ebenfalls Professor der Theologie
in Königsberg.
Johannes Latermann, geb. 02.07.1620 in Gellershausen, +1662 in Oesterreich, lutherischer Theologe; 1647 a.o.
Professor der Theologie an der Königsberger Universität. Er war Schüler
und Vertreter der Calixtischen Gedanken und verstritt sich mit der
lutherischen Orthodoxie (Allgemeine Deutsche Biographie, Bd.18).
Da der Humanist und Theologe
Erasmus von
Rotterdam (um1466-1536) lange vor Sappuhn verstorben ist, muss es sich
hier um das Studium der Schriften dieses Gelehrten handeln.
Möglicherweise handelt es sich hier um
Szczekociny, einer Stadt in der polnischen Woiwodschaft Schlesien im
Powiat Zawierciaoski an der Pilica mit heute etwa 4.000 Einwohnern.
Hier ist das slowakische
Spisské Podhardie
gemeint, welches deutsch Kirchdrauf und ungarisch Szepes-Váralja hiess.
Spisské Podhardie liegt etwa 30 km westlich von Prešov(Eperies).
Košice (deutsch Kaschau, ungarisch Kassa, romani
Kasha, neulateinisch Cassovia, französisch Cassovie) ist eine Stadt in
der Ostslowakei, nahe der Grenze zu Ungarn
Heute
Prešov in der Slowakei. Aus Wikipedia: "Im
17. Jahrhundert waren die meisten Einwohner von Prešov Protestanten. Die
anhaltenden anti-habsburgischen Aufstände sowie die Präsenz der
türkischen Besatzer an den Grenzen des Habsburgerreiches veranlassten
die Habsburger, vorübergehend toleranter mit neuen Religionen im
habsburgischen Königlichen Ungarn (d. h. in der Slowakei, in Burgenland
und in Nordkroatien) umzugehen.
1667 wurde in Prešov ein „evangelisches
Kollegium“, das ein wichtiges Bildungszentrum für Oberungarn (so hieß
damals die Ostslowakei) darstellte, eröffnet. Die hier tätigen Gelehrten
waren stark von den Lehren Johann Amos Comenius´ beeinflusst, welcher im
Frühling 1650 in Prešov weilte. Zu der sich schnell vergrößernden
wirtschaftlichen Macht der Stadt kam auch die politische Stärke hinzu.
So wurde 1647 das Verwaltungszentrum des Šariš/Scharosch-Komitats, das
oft seinen Sitz wechselte, in die Stadt verlegt. Im 17. Jahrhundert
hatten die Adligen aus der Familie Rákóczi die Funktion des
Komitatsvorsitzenden (Gespans) inne.
1671 ließ sich in der Stadt der
Franziskaner-Orden nieder, 2 Jahre später auch der Jesuiten-Orden. Das
Jahr 1687 wurde für Prešov zu einem Albtraum. Die Unterstützung seitens
der Stadt für den anti-habsburgischen Aufstand unter Emmerich Thököly
(1678-1687) hatte schwerwiegende Konsequenzen. Aufgrund einer
Entscheidung von Kaiser Leopold I. wurde in der Stadt das sogenannte
Eperieser Blutgericht unter der Führung von Antonio Caraffa abgehalten,
in dessen Verlauf (vom 5. März bis zum 12. September 1687) 24 prominente
protestantische Bürger und Adlige zum Tode verurteilt und ihr Vermögen
eingezogen wurde. Weitere Schäden verursachten die Pestepidemie von
1696, durch die die Hälfte der Stadtbevölkerung ums Leben kam, und derAufstand von Franz Rákóczi II. (1703-1711).“
Gemeint sein muss Matthias Zimmermann, geboren
21.09.1625 in Eperies im damaligen Oberungarn, studierte in Strassburg
und Leipzig(1648), wurde 1651 Gymnasiums-Rektor in Eperies und dort
1652 Pfarrer, 1660 war er Substitut in Colditz und ab 1662
Superintendent in Meissen, wo er am 24.10.1689 starb.
Konrad Samuel Schurzfleisch - geboren 1641,
gestorben 1708 - war Professor und 1682, sowie 1698 Rektor der
Universität Wittenberg. Er war ein deutscher Historiker, Polyhistor und
Bibliothekar.
Kežmarok gehört zur Region Zips in der Slowakei.
Im Jahr 1269, nach der Einführung eines Käsemarkts, wurde die Siedlung
zur Stadt erhoben und erhielt den Namen Käsmarkt (später Käsmark/Kesmark
und fälschlicherweise auch Kaisersmarkt). Der slowakische und der
ungarische Name(Késmárk) sind vom deutschen abgeleitet.
Tochter von Hans Siegmund Pflug und dessen
zweiter Ehefrau Sophia Hedwig von Miltitz; getauft 7.11.1690 in Dresden,
gestorben 1756 in Dresden; erste Ehe 1704 mit Haubold von Schleinitz,
zweite Ehe 1720 mit Friedr. Gottlob von Maxen
August Gotthelf Dietrich, geboren 1722 in
Cavertitz, war ab 1749 Substitut seines Vaters Johann Gottlob Dietrich
und nach dessen Tod ab 1755 selbst Pfarrer in Cavertitz, gestorben 1765.
Johann Christian Kießling; geboren 1730,
gestorben 25.09.1795 beides in Torgau; Archidiacon der Stadtkirche
1782-1795; Sohn des Stadtrichters Johann Polycarp Kießling und dessen
Gattin Christiane Dorothea, geb. Boettger.
Geboren am 22.11.1720 in Torgau als Sohn von
Johann Moritz Lingke und dessen Gattin Catharina Dorothea, geb. Stisser;
gestorben am 10.04.1801 in Torgau.