Mai 102019
 
Die Gefahren sind gigantisch!

Kurzinfo von Uli Weiner

Inhalt

  1. Was versteht man unter Mobilfunk und wo verstecken sich dessen allverwandte Technologien?
  2. Welche gesundheitlichen Schäden können durch Mobilfunk entstehen?
  3. Welche Auswirkungen hat der Mobilfunk auf Kinder?
  4. Schützen uns die Mobilfunkgrenzwerte vor Gesundheitsschäden?
  5. Warum Elektrosensibilität nicht psychisch bedingt ist?
  6. Was ist gefährlicher, der digitale Mobilfunk oder die Radioaktivität?
  7. Ist der Staat und seine Behörden neutral?
  8. Was sagt die internationale Justiz zur Gefährdung durch Mobilfunk?
  9. Was versteht man unter 5G?
  10. Welche Gefahren bringt das Internet der Dinge (IoT) in der Praxis?
  11. Warum wir gegen 5G aufstehen müssen!
  12. Was kann man aktiv gegen die 5G-Entwicklung tun?

Internetbelege

Kurzinfo ohne Internetbelege auf Deutsch ud Englisch als PDF

Quelle: www.kla.tv/14243


1. Was versteht man unter Mobilfunk und wo verstecken sich dessen allverwandte Technologien?

Wenn man an Mobilfunk denkt, stellt man sich große Funktürme vor und eventuell noch ein Smartphone. Es gibt aber eine Vielzahl versteckter Anlagen z.B. an Straßenlampen, in Kirchtürmen, in Bäumen usw. Viel problematischer und am wenigsten im Bewusstsein sind aber die versteckten Geräte in den Haushalts und Büros, welche 24 Stunden am Tag senden und auf die kurze Entfernung eine sehr hohe Strahlungsbelastung darstellen. Entscheidend ist immer, was beim Menschen ankommt, und nicht, was ein Sender für eine Leistung hat. So stellen das WLAN, die DECT- Schnurlostelefone die höchste Strahlenbelastung in den meisten Haushalten dar. ACHTUNG! Diese Geräte sind Dauerstrahler! Dicht gefolgt vom Smartphone mit ständiger Datenverbindung. Weiter dabei sind Geräte mit Bluetooth und eingebautem WLAN z.B. in Fernsehern, Soundsystemen, an Waschmaschinen, Kühlschränken, Kaffeemaschinen, Druckern, Babyphones usw. Aber auch moderne Autos haben diese eingebauten Sender, welche unbedingt abgeschaltet werden müssen. Wer die Welt verbessern will, der fange bei sich im eigenen Haus an und schmeiße diese „Funktürme“ raus!

2. Welche gesundheitlichen Schäden können durch Mobilfunk entstehen?

Der Organismus des Menschen basiert auf vielen elektrischen und elektromagnetischen Regel- und Steuerprozessen. Dadurch ist er sehr anfällig für dauernde Funkbelastung von außen. So sagen führende Forscher: „Den Elektromagnetismus verstehen heißt das Leben verstehen.“ Erste Frühwarnungen des Körpers, die gerne als Befindlichkeitsstörung verharmlost werden, sind: Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Gelenkschmerzen, Schwindel, hoher Blutdruck, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit, Blutdruckentgleisungen, Muskel-, Rücken- und Nervenschmerzen, Heißhunger. Wenn diesem Frühwarnsystem des Körpers nicht nachgegangen wird, kommt es zu nachhaltigen Folgen: Übersäuerung, Bildung freier Radikale, Schwächung der Mitochondrien, Rote Blutkörperchen verkleben, Kalziumausstoß aus den Zellen, Öffnung der Bluthirnschranke, Störung des zentralen Nervensystems, Energieverlust, Allergien, Unverträglichkeiten von Nahrungsmittel, Diabetes, Beschleunigter Herzschlag, Herzrhythmusstörungen, verminderte Sehleistung, Tinnitus, Depressionen, Burnout, Allergien, Elektrosensibilität. Massive Schäden: Zerstörung der Zellen, DNA-Brüche, Thrombosegefahr, Herzinfarkt, Schlaganfälle, Alzheimer, Demenz, Gehirntumor, Krebs. Es gibt keine andere Umweltbelastung, welche 24 Stunden am Tag fast flächendeckend auf Menschen einwirkt und den größten Schaden an der Volksgesundheit verursacht. Dem zum Trotz behauptet die Politik und die Mobilfunkindustrie, es wäre ungefährlich.

3. Welche Auswirkungen hat der Mobilfunk auf Kinder?

Kinder werden von Beginn an im Mutterleib bestrahlt. Bei vielen Schwangeren rebelliert das Kind, wenn mit dem Smartphone telefoniert oder wenn mit eingeschaltetem mobilen Internet nahe am Bauch gearbeitet wird. Eine dänische Studie mit 13.000 Kindern besagt: „dass bei regelmäßigen Handytelefonaten von Schwangeren das Risiko um 50 % steigt, dass sich ihre Kinder zu Hyperaktivität entwickeln. Benutzen die Kinder selbst das Handy vor dem siebten Lebensjahr, steigt das Risiko gar auf 80 %.“ Als Erstsymptome sind bei Kindern besonders häufig zu beobachten: Schreibabys, Lernschwäche, Konzentrations-, Rechtschreib- und Leseschwäche, Wortfindungsstörungen, Aggression, Depression, ADHS, ADS, Diabetes, Dauermüdigkeit, Antriebslosigkeit, Nasenbluten, Burnout. Ernsthafte Folgen: Entwicklungsstörungen, Wachstumsstillstand, Gefahr einer Internet-, Spiel- und Smartphone-Sucht, Schlaganfälle, Tumore, Leukämie, Krebs. Das Heimtückische ist: Die Beschwerden treten schleichend auf und sind später nicht umkehrbar! Eine schwedische Studie zeigt ein 500% erhöhtes Risiko, an einem Gehirntumor zu erkranken, wenn vor dem 20. Lebensjahr eine Handy benutzt wird. Selbst die deutsche Telekom warnt in aktuellen Bedienungsanleitungen, keine ihrer WLAN Router sind in Kinder- und Schlafzimmer zu betreiben. Frankreich hat jetzt ein Handy-Verbot in allen Schulen eingeführt.

4. Schützen uns die Mobilfunkgrenzwerte vor Gesundheitsschäden?

Die Strahlenkommission veröffentlichte Ende 1991 das Ergebnis einer durch die Deutsche Telekom finanzierten Studie. Es wurde der Kalziumausstoß einzelner Zellkulturen nachgewiesen, was eine Vorstufe von Krebs ist. Die ersten digitalen Funknetze 2G standen schon im Aufbau, und mit diesem Ergebnis hätte man sofort den Netzausbau stoppen müssen. Die Mobilfunkindustrie hatte ein großes Problem und überlegte sich eine List, eine so genannte „Softwareänderung“. Dazu gründet sie den Verein mit dem Namen „Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung“ im eingetragenen Vereinsregister München. Dieser wurde mit industriefreundlichen Physikern und Technikern besetzt und bestimmt selbst, wer dort Mitglied werden kann. Obwohl dieser den gleichen Rechtsstatus wie ein Sport-, Kleingärtner- oder Trachtenverein hat, wurde er in die Gebäude des Bundesamtes für Strahlenschutz installiert. Dieses Gremium beschließt eine Grenzwertempfehlung, welche rein auf eine Hitzentwicklung basiert und schließt jegliche biologische Schäden, die schon seit 1932 bekannt sind, aus. Der Grenzwert basiert auf einen Zeitraum von 30 Minuten und es wurde nur getestet, ob ein Leichengewebe sich erwärmt. Wir sind aber lebendige Wesen und werden 24 Studen und das 365 Tage im Jahr bestrahlt.

Jetzt musste noch ein Weg gefunden werden, diese Empfehlungen in ein Gesetz zu bringen. Dazu wurde eine bis dahin recht unbekannte Physikerin (A. Merkel) in das neue Ministerium für „Umwelt und Reaktorsicherheit“ eingesetzt. Durch sie wurde ein Gesetz verabschiedet, welches die Bevölkerung ausschließlich vor Hitze durch den Mobilfunk schützt. Alle biologischen Auswirkungen, bis hin zu Krebs, wurden nicht berücksichtigt. Das entspricht demselben Muster, als wenn jemand mit einem Thermometer neben einem Atomkraftwerk steht und sagt: „Die Temperatur hier ist nur 1° C wärmer, also ist die radioaktive Strahlung ungefährlich.“ Da Handys und Smartphones sogar diesen extrem hohen Wert überschreiten, wurden portable Anlagen von dieser Regelung generell ausgenommen. So gelten für Schnurlostelefone, WLAN-Router keine Grenzwerte. Das ist der grösste Betrug aller Zeiten zum Schaden der ganzen Bevölkerung und ein Fall für die Staatsanwaltschaften.

Diese „Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung“, die hat sich überall in die Regierungen reingedrückt – auch in die Schweiz, auch nach Österreich, auch nach Italien. Also überall wird dieser Grenzwert verwendet, mit Abweichungen im einzelnen Land. Die Industrie hat es geschafft, das nicht nur lokal in Deutschland zu machen sondern wirklich weltweit diese Empfehlung, die rein auf Hitze basiert, auszuweiten.

5. Warum Elektrosensibilität nicht psychisch bedingt ist?

Die Bundesregierung und ihre unterstellten Behörden streiten bis heute einen Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Elektrosensibilität ab, aktuell in der deutschen Bundestagsdrucksache vom 30.11.2018. Dies entspricht nicht dem Stand der Wissenschaft und nicht der Erfahrungspraxis der Ärzte. Ärzte übergaben bereits 2002 750 Erfahrungsberichte von Elektrosensiblen an das Bundesamt für Strahlenschutz. Ein paar Jahre später weitere 1500 gut dokumentierte Fälle. Keiner dieser Fälle wurde überprüft. Ein Doppelblindversuch mit Decktelefonen zeigt, wie sich die Herztätigkeit bei Elektrosensiblen während einer Bestrahlung verändert und bei anderen Menschen nicht. Das Gleiche bestätigen Messungen der Hirnströme. Ein Versuch wurde mit elektrosensiblen Personen durchgeführt, welche durch eine Bestrahlung Bluthochdruck bekommen. Man hat sie mit verbundenen Augen in einem Auto mitfahren lassen und die Funkbelastung und den Blutdruck zeitgleich gemessen. Das Ergebnis war so beeindruckend und übereinstimmend, das der begleitende Amtsarzt eines Gesundheitsamtes diesen Versuch nach kurzer Zeit mit den Worten: “Das Ergebnis ist eindeutig, wir belasten die betroffenen Personen nicht weiter“ abgebrochen hat. So gibt es noch weitere viele Beispiele. Besonders beeindruckend finde ich den Versuch mit den Lamas. Auch bei diesen verändert sich die Herztätigkeit in Abhängigkeit mit der Funkstrahlung und die können sich wirklich nichts einbilden. All diese Symptome gehen wieder weg, wenn die Menschen die Strahlung verlassen. In funkfreien Gebieten sind Elektrosensible gesund und wieder voll arbeitsfähig. Somit ist die Elektrosensibilität ein Frühwarnsystem des Körpers und nicht der Psyche. Nehmen wir besser diese Personen ernst, denn sie sind das Frühwarnsystem unseres Mikrowellenzeitalters.

6. Was ist gefährlicher, der digitale Mobilfunk oder die Radioaktivität?

Durch viele Studien ist heute bewiesen, dass Radioaktivität Leukämie und Krebs verursacht. Es wurde auch in mehreren Studien untersucht, ob Mobilfunkstrahlung in der Lage ist, die Zellkerne zu spalten, wie es eben die radioaktive Strahlung verursacht. In einer großangelegten EU-Studie wurde dies durch Prof. Adlkofer innerhalb des Reflexprojektes nachgewiesen. Handystrahlung ist in der Lage, den Zellkern aufzubrechen und Erbgutschäden zu verursachen. Bei Bauerhöfen in der Nähe von Sendeanlagen zeigt sich bereits die Fehlentwicklung von Tieren in Form von Missbildungen, Frühgeburten, Unfruchtbarkeiten usw. Bei einem Urteil des italienischen Gerichts in Brescia wurde der klare Zusammenhang zwischen einem Gehirntumor und einer Handy- und Schnurlostelefonnutzung festgestellt. Die Begründung ist äußerst interessant und lesenswert. So stellt der Gerichtsgutachter fest, dass die Gefahr, einen Gehirntumor durch eine Mobiltelefonnutzung zu bekommen, höher ist als das Risiko durch die Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki. Prof. Karl Hecht von der Charité Berlin kommt nach der Auswertung hunderter Studien und eigener Forschungsarbeiten zu dem Schluss: „Mobilfunk ist langfristig ebenso gefährlich wie die radioaktive Strahlung“. Viele tragen ihr Atomkraftwerk am Mann oder an der Frau, und wenn sie nach Hause kommen, haben sie WLAN-Router, Schnurlostelefone, all das sind im Prinzip Atomkraftwerke. Mit einem feinen Unterschied. Wenn ich diese Geräte ausschalte, sind sie aus. Den Atommüll kann man bis heute nicht entsorgen. Das ist der einzige entscheidende Vorteil.

7. Ist der Staat und seine Behörden neutral?

Auf den ersten Blick denkt man immer, die Behörden des Staates sind neutral und gegenseitig unabhängig. Zudem haben sie immer das Wohl der Bürger im Sinn. Beim Blick auf den Mobilfunk wird aber schnell deutlich, dass der Staat in Form der BRD direkt bei der Telekom beteiligt und damit selber Mobilfunknetze wie GSM, UMTS und LTE betreibt. Dazu noch unzählige WLAN-Hotspots und ein flächendeckendes Mobilfunknetz im Tetra-Standard für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Und ebenso bei der Deutschen Bahn ein eben ein GMSR-Netz für die Züge und Anlagen für das schnelle mobile Internet. Ebenso unterstehen ihm die Gesundheitsämter, welche die Mobilfunkschäden nicht untersuchen dürfen, das Baurecht, welches grosszügige Ausnahmegenehmigungen zum Bau von Sendeanlagen gibt, die Bundesnetzagentur, welches die Lizenzen versteigern, und das Bundesamt für Strahlenschutz. Die deutsche Sprache ist hier sehr klar: Es heisst „Bundesamt für Strahlenschutz“ und nicht „Bundesamt für Menschenschutz“. Es schützt die Strahlen und nicht die Menschen. All diese Behörden sind für den Ausbau der Mobilfunksysteme ausgelegt und kritische Beamte wurden versetzt oder in den Vorruhestand geschickt. Jetzt hat sich die Monopolkommission zu Wort gemeldet und bestätigt, dass der Staat selber Mobilfunkbetreiber ist und keiner seiner Behörden neutral ist. Hier ist die Verantwortung der Bürger gefragt, sich ihr Recht auf Schutz der eigenen Gesundheit wieder selbst zurückzuholen. Und wenn es jetzt auch sehr auf Deutschland bezogen war – es ist in allen Ländern gleich! Die Behörden heissen ein bisschen anders. Aber es ist im Prinzip genau das gleiche Muster. Die meisten Staaten sind selber Mobilfunkbetreiber. Das muss man erst mal verstehen. Und wenn man weiss, dass der Staat Mobilfunkbetreiber ist, versteht man, warum auf einmal im Naturschutzgebiet Riesen-Sendeanlagen zum Beispiel entstehen dürfen und so weiter. Und warum Gesundheitsämter nicht untersuchen dürfen und so weiter. Es ist in jedem Land ähnlich bis gleich.

8. Was sagt die internationale Justiz zur Gefährdung durch Mobilfunk?

Während in Deutschland die Mehrheit der Gerichte pro Mobilfunk entscheidet, zeigt sich in anderen Ländern ein immer deutlicheres Rechtssprechen im Schutz der Betroffenen und der Bevölkerung. Begonnen hat es in den USA in den 2000er Jahren. Dort wurden immer mehr Gehirntumorpatienten mit Millionenbeiträgen entschädigt, welche genau auf dieser Seite den Tumor hatten, wo sie auch meistens telefoniert haben. Also Rechtshändler rechts und eben die Linkshändler links. Das gleiche bei den Gehirntumor-Urteilen in Italien, dort konnte ein eindeutiger Zusammenhang nachgewiesen werden, und industrienahe Gutachter wurden aus dem Verfahren als befangen ausgeschlossen. In Spanien und Frankreich wurden mehreren Elektrosensiblen eine Entschädigung, eine Rente zugesprochen. Zudem wurde der Abbau vieler Senderanlagen angeordnet und durchgesetzt. Aktuell macht Italien wieder Schlagzeilen, da dort alle Behörden verurteilt wurden, die Bevölkerung umfassend über die Gefahren des Mobilfunks aufzuklären. Kurz darauf kam ein weiteres wegweisendes Urteil: Einem elektrosensiblen Mädchen wurde das Recht zugesprochen, in eine Schule ohne WLAN zu gehen. Das Finale bildet ein aktueller Prozess in den USA. Dort wurde der Verband der internationalen Mobilfunkindustrie wegen Verschwörung gegen den Staat und seine Bürger angeklagt und in erster Instanz verurteilt. Der Industrieverband hat Berufung eingelegt. Es bleibt also weiter spannend. Ergebnis der Urteile: Keine Versicherungsgesellschaft der Welt versichert einen Mobilfunkbetreiber. Wann fängt die Justiz hier im deutschsprachigen Raum an zu ermitteln, die Betroffenen zu entschädigen und die wirklichen Verbrecher einzusperren?

9. Was versteht man unter 5G?

5G steht für die 5.Generation des Mobilfunks. Dabei handelt es sich um verschiedene Funk-Technologien, welche das Ziel haben, alle Gegenstände, ob beweglich oder unbeweglich, mit dem Internet zu verbinden. Es soll ein Internet der Dinge entstehen. Im letzten Ausbauziel sollen auch Menschen und Tiere mit kleinen Funkchips ausgestattet und überall erreichbar sein. Um dies zu erreichen, müssen sehr viele, neue Sender aufgestellt werden. Die Branchenverbände sprechen von bis zu 800.000 Anlagen, welche hier allein für Deutschland benötigt werden. In den Städten geht man davon aus, dass alle 100 Meter eine Anlage stehen muss. Dafür sollen auch Verkehrsschilder, Straßenlampen und Ampeln genutzt werden. Auch der geplante autonome Verkehr benötigt eine entsprechend hohe Senderdichte entlang der Autobahnen. Als Übertragungsfrequenz sollen die Spektren bis 100 GHz freigegeben werden. Um dies weltweit lückenlos hin zu bekommen, sind dazu noch mehrere Tausende Satelliten geplant, welche in den letzten Winkel ihre gefährliche Mikrowellenstrahlung aussenden wollen. Ohne Funklöcher wird es nicht mehr, nicht nur für mich und andere Elektrosensible, unmöglich, auf dieser Erde zu überleben. Sondern 5G ist eine existenzielle Frage für alle Menschen und Lebewesen und besonders für unsere Kinder. Wenn wir da nicht aufstehen, dann klebt so ein Mast wahrscheinlich vor jedem Haus.

10. Welche Gefahren bringt das Internet der Dinge (IoT) in der Praxis?

Die Vernetzung aller kleinen und großen Geräte mit dem Internet, zum Beispiel der Kühlschrank oder die Kaffeemaschine mit dem Internetshop. Besonders praktisch ist der vernetzte Pulli. Über ein App lässt sich dann genau sehen, ob er gerade in der Waschmaschine, im Schrank oder noch im Auto liegt. Die Ausstattung aller Häuser mit Sprach-Systemen, wie zum Beispiel mit Alexa, Hello Google, Siri – was ein ständiges Mikrofon im Haus erfordert und entsprechend alles mitgehört wird, was gesprochen wird. Verchippung der Menschen mit kleinen Funkchips, um jederzeit deren Standorte und Bewegungsprofile zu erkennen. Große Versuche wurden schon durchgeführt, der Bekannteste mit 1000 Teilnehmern war der bei der schwedischen Eisenbahn. Einführung von elektronischen Gas – und Wasseruhren, sowie elektronischen Stromzählern. Abschaffung des Bargelds und Bezahlen nur noch durch ein Smartphone oder den Chip unter der Haut. Viele Banken starten bereits mit Angeboten für ihre Kunden. Autonomes, computergestütztes Autofahren, mit dem Ziel, die Führerscheine abzuschaffen und die Freiheit des individuellen Fahrens wegzunehmen. Das Ziel des „Internets der Dinge“ ist die totale Überwachung und die Bargeldabschaffung. So wird es sehr leicht sein, in dein Haus zu schauen, mitzuhören, jeden Schritt und Tritt nachzuvollziehen, deine Vorlieben, deine Schwächen und deine Krankheiten, deine Leistungsfähigkeit – alles wird genau erfasst und ausgewertet. Ja, man kann sich´s manchmal gar nicht so vorstellen, was es bedeutet. Aber es läuft halt immer diese Scheibchentaktik. Ein Gerät mehr im Haus – jetzt ist gerade die „Alexa“ so im Trend – immer ein Gerät mehr und irgendwann macht die Falle zu! Und dann hat man alle Informationen.

11. Warum wir gegen 5G aufstehen müssen!

5G soll ohne vorherige Studien, welche die Gesundheitsgefahren untersucht haben, eingeführt werden. Schäden des Mobilfunks sind bereits seit 1932 bekannt und 5G basiert ebenfalls auf der gefährlichen Mikrowellentechnik. Durch die enge Senderdichte wird jeder betroffen sein und die Grenzwerte, welche nur schon den Schutz vor Hitze geben, sollen sogar zum Wohle der Industrie noch erhöht werden. Das Vernetzen aller Dinge inklusive Menschen und Tiere führt zu einer totalen Überwachung und Kontrollmöglichkeit. Das Abschaffen des Bargeldes und die weitere Digitalisierung von Steuererklärungen, elektronischer Post, elektronischer Krankenkarte usw. verstärkt dieses noch. Mit Einführung des autonomen Verkehrs soll das selbständige Fahren von Autos laut Bundeskanzlerin Merkel verboten werden. Schäden an der Natur sind bereits durch das Baumsterben, neben dem Bestehen der Funkanlagen und der extreme Rückgang der Insekten, sichtbar. Eine weitere Steigung wird unsere Natur nicht verkraften. Alle Weltreligionen und alle Überlieferungen der Indianer warnen genau vor dieser Zeit. Das Smartphone wird zum Beispiel als sprechendes Bild bezeichnet, welches die Menschen gesundheitlich schädigt und dazu bringt, ihr Bargeld wegzugeben. Niemand kann mehr kaufen oder verkaufen, ohne sich dieser totalen Kontrolle zu unterwerfen. Wenn man in die Geschichte schaut, haben totalitäre Systeme immer die neueste Technik genutzt, um ihre Macht zu sichern und diese auszubauen. Was das mit 5G sein kann, hilft uns ein Blick nach China. Unsere körperliche Unversehrtheit, unsere Freiheit ist massiv bedroht.

12. Was kann man aktiv gegen die 5G-Entwicklung tun?

Wie sagt ein altes Sprichwort: „Wer die Welt verbessern will, der fange bei sich selber an.“ Internet und Telefon per Kabel ins Haus holen, klarer Verzicht auf die digitale Funktechnik. Alle Geräte im eigenen Haus verkabeln und Funkverbindungen abschalten, Smartphones ans Kabel legen, PCs und Tablets mit dem Internet verkabeln. Schnurtelefone verwenden, WLAN abschalten. Macht mit bei dem Verbraucherboykott und meldet eure Smartphones und Handys ab. Ruft keine mobilen Geräte mehr an, so verdient die Mobilfunkindustrie keinen Cent Geld mehr. Bezahlt mit Bargeld und meidet elektronische Zahlungsarten. Nachbarn, Freunde, Verwandte, Arbeitskollegen informieren, denn sie wissen auch nicht Bescheid. Vernetzt euch und leitet die wichtigsten Infos aus dem Internet weiter. Für Leute ohne Internet: Druckt es aus oder gebt DVDs, USB-Sticks mit wertvollen Videobeiträgen für deren modernen Fernseher. Organisiert Infoveranstaltungen/Infoabende; schreibt zuverlässige Abgeordnete an, denn sie wissen auch nicht Bescheid. Ebenso informiert eure Gemeinde/Stadträte und Bürgermeister! Schaut, wo ihr euch bei Klagen und Strafanzeigen einreihen könnt. Beteiligt euch bei Aktionen, Infoständen, Mahnwachen – am besten regelmäßig. Wir Elektrosensiblen planen ein landesweites Aufstehen und beginnen mit dem 05.05.2019 und dann immer am fünften eines Monats, also 5 wie „5G“. Weil die öffentlichen Stellen schweigen, müssen wir aktiv werden.


Internetbelege

zu 1:

1.1 Startbild: Großer Funkturm: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Funktürme-auf-einem-Berg.jpg
1.2 Bild: Versteckte + getarnte, z.B. Sendeanlage an Straßenlampe: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/5G-Antenne-an-Straßenlampe.pdf
1.3 Sammelbild Geräte im Haushalt mit Funk: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Funkende-Geräte-im-Haus.pdf
1.4 Bild: Bluetooth im Auto: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Bluetooth-im-Auto-1.png
Link Messgeräte: https://ul-we.de/category/faq/messgerate/
Link Strahlenschutz: http://ul-we.de/category/faq/abschirmungstrahlenschutz/

zu 2:

2.1 Startbild: Der Mensch ein elektromagnetisches Wesen: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Der-Mobilfunk-taktet-den-Menschen-total.pdf
2.2 Bild: Funkmichl: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2017/06/Die-häufigsten-Symptome.pdf
2.3 Bild: Graphik Burnout: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2016/10/Burnout-e1476032539813.png
2.4 Bild: Anstieg in den Arztpraxen: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2017/06/Veränderungen-der-Diagnosezahl-in-Arztpraxen.bmp
78,9% der Deutschen können nicht mehr erholsam schlafen: https://ul-we.de/789-der-deutschen-leiden-unter-schlafstoerungen/
Studien Burnout: https://ul-we.de/burn-out-entwicklung/
Studien Depression: https://ul-we.de/who-depressionen-bald-die-zweithaeufigste-todesursache/
Häufigste Fragen zur Elektrosensibilität: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2017/06/Die-häufigsten-Fragen-zur-Elektrosensensibilität.pdf
und https://ul-we.de/elektrohypersensibilitaet-risiko-fuer-individuum-und-gesellschaft/
Die Krebsrate steigt: https://ul-we.de/zahl-der-krebstoten-in-deutschland-steigt-weiter/
Ebenso erhöhen sich die Krankheitstage: https://ul-we.de/dak-analyse-hoechster-krankenstand-seit-20-jahren
Die Zahl der Burnout Fälle nimmt zu: https://ul-we.de/burn-out-entwicklung/
Depressionen und psychische Erkrankungen, sind laut WHO bald die 2. häufigste Todesursache: https://ul-we.de/who-depressionen-bald-die-zweithaeufigste-todesursache/
Studien: https://ul-we.de/category/faq/mobilfunkstudien/
Berichte von Betroffenen: https://ul-we.de/category/faq/berichte-von-betroffenen/
und www.ehs-forum.de

zu 3:

3.1 Startbild: Schwangere Frau: https://pixabay.com/de/photos/frau-baby-mutter-schwanger-dame-1284353/
3.2 Bild: Kind/Teenie müde/erschöpft: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Erschöpfter-Teenie-bei-Hausaufgaben.png
3.3 Bild: Burnout bei Kindern: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/01/181024-Burnout-bei-Kinder-und-Jungendlichen.pdf
3.4 Bild: Kind/Teenie mit Smartphone: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/mobile-phone-3625924_960_720.jpg
3.5 BILD: Schulkinder mit Handyverbotsschild: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Kinder-Handy-1.png
Wasser verstärkt Funk: https://ul-we.de/e-smog-spion-wasser-verstaerkt-funk/
Dänische Studie: www.inakarb.de/wp-content/uploads/2015/11/Vortrag-INAKARB-MedShow-2015-Moscow_DEUT-1.2.pdf
Studien Burnout bei Kindern: https://ul-we.de/zunahme-von-burnout-bei-jugendlichen/
ARD Report Mainz: https://ul-we.de/report-mainz-bei-anruf-hirntumor/
Schwedische Studie: www.pcwelt.de/news/Schwedische-Wissenschaftler-Handystrahlung-verursacht-Gehirntumore-74291.html
Smartphone-Sucht: https://ul-we.de/category/faq/smartphonesucht/
Ritalin: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2017/12/Ritalin.pdf
Bedienungsanleitung der Telekom: https://ul-we.de/w-lan-telekom-warnt-vor-gesundheitsschaeden/
Handyverbot in Frankreich: https://ul-we.de/handyverbot-an-franzoesischen-schulen-tritt-jetzt-in-kraft/
W-LAN Verbot an italienischer Schule: https://ul-we.de/italienisches-gericht-schuetzt-eine-an-ehs-erkrankte-schuelerin-und-verbietet-das-w-lan-an-ihrer-schule/
Infos zu Kinder und Jugendlichen: https://ul-we.de/category/faq/schulen/

zu 4:

4.1 Startbild: Strahlenschutzkommission 1991:https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Warnung-SSK-1991.pdf
4.2 Bild: Folie ICNIRP: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/ICNIRP-Übersicht.pdf
4.3 Bild: Graphik Leiche mit Thermometer: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Karikatur-ICNIRP-Grenzwerte.pdf
4.4 Bild: Merkel und die Grenzwerte: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Merkel-und-Ihre-Grenzwerte.pdf
4.5 Bild: Thermometer vor Atomkraftwerk: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/AKW-Therm-1.png
4.6 Gerichtsbild: eigene Grafik. Tabelle der Grenzwerte: http://ul-we.de/wp-content/uploads/2017/05/170504-Zusammenfassung-der-Grenzwerte.pdf
Studie von 1932: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2017/04/1932-Deutsche-Medizinische-Wochenschrift.pdf
Untersuchung athermischer Wirkungen elektromagnetischer Felder im Mobilfunkbereich (ATHEM): https://ul-we.de/untersuchung-athermischer-wirkungen-elektromagnetischer-felder-im-mobilfunkbereich-athem/
Entstehung der Grenzwerte: https://ul-we.de/die-entstehung-der-26-bimschv-und-deren-entwicklung-bis-in-die-gegenwart/
Weitere Informationen zu den Grenzwerten: https://ul-we.de/category/faq/grenzwerte/

zu 5:

5.1 Startbild: pdf der Bundestagsdrucksache, die 1. Seite:https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/181130-Bundestagsdrucksache-1906270.pdf
5.2 Bild: Mensch mit Smartphone: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Mann-mit-Smartphone.jpg
5.3 Bild: Elektrosensibles Lama: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/01/22A7747.jpg
Aktuelle Bundesdrucksache: Klat.tv Beitrag www.kla.tv/13975
pdf im Original: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/181130-Bundestagsdrucksache-1906270.pdf
Havas Studie: https://magdahavas.com/diabetes-and-electrosensitivity/
Lama-Versuch: https://ul-we.de/galileo-elektrosensibilitaet-was-steckt-hinter-dieser-krankheit/
und https://ul-we.de/lamas-reagieren-auf-handys-und-smartphones/
Häufigste Fragen zur Elektrosensibilität: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2017/06/Die-häufigsten-Fragen-zur-Elektrosensensibilität.pdf
und https://ul-we.de/elektrohypersensibilitaet-risiko-fuer-individuum-und-gesellschaft/
Berichte Betroffener: https://ul-we.de/category/faq/berichte-von-betroffenen/,
www.ehs-forum.de
und www.unverstrahltes-land.de
Baumschäden: https://ul-we.de/category/faq/baumschaden/
Studien: https://ul-we.de/category/faq/mobilfunkstudien/

zu 6:

6.1 Startbild: Funk + Radioaktives Symbol: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/2-Strahlensymbole.jpg
6.2 Bild: Missgebildete Kühe + Ferkel: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Mißbildungen-1.png
6.3 Bild: Gehirntumorstudie: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/02/Bild-Gliom-Grad-IV.jpg
6.4 Bild: Atombombenabwurf: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Atompilz_Nagasaki.jpg
Leukämiestudie neben Atomkraftwerken: http://doris.bfs.de/jspui/bitstream/urn:nbn:de:0221-20100317939/4/BfS_2007_KiKK-Studie.pdf
Reflexstudie: https://ul-we.de/artikel-das-deutsche-aerzteblatt-dae-im-dienste-der-mobilfunkindustrie/
Rinderstudie: https://ul-we.de/bayrisches-fernsehen-zur-rinderstudie-archivmaterial/
und https://ul-we.de/category/faq/tiere/
Urteilsbegründung im Gerichtsurteil 471/08 in 2. Instanz vom 10.12.2009 – Deutsche Übersetzung: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Zitat-aus-Urteil-Brescia.pdf
Gerichtsurteile: https://ul-we.de/category/faq/gerichtsurteile/
Studien: https://ul-we.de/category/faq/mobilfunkstudien/

zu 7:

7.1 Startbild: Bild der Telekom, mit Bahn und TETRA Polizeiauto: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/BRD-ist-Mobilfunkbetreiber-hochkant.png
7.2 Bild: Graphik Beteiligungen des Staates: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/02/BRD-ist-Mobilfunkbetreiber.jpg
Monopolkommission: https://ul-we.de/monopolkommision-bestaetigt-interessenskonflikt-staat-ist-mobilfunkbetreiber-und-inhaber-der-bundesnetzagentur/
TETRA: https://ul-we.de/category/faq/tetra/
Korruption: https://ul-we.de/category/faq/korruption/

zu 8:

8.1 Startbild: Bilder Gerichtsprozesse: https://pixabay.com/de/photos/iustitia-rechtsprechung-rechts-677945/
8.2 Bild: Versicherungen ziehen sich zurück: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Die-Versicherungsgesellschaften-versichern-deshalb-nicht.pdf
Gerichtsurteile: https://ul-we.de/category/faq/gerichtsurteile/
Beitragsversicherungen ziehen sich zurück: https://ul-we.de/swr-bw-wertverlust-von-immobilien-durch-mobilfunkmasten/

zu 9:

9.1 Startbild: Internet der Dinge: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Wenn-der-Kühlschrank-mit-dem-Internet.pdf
9.2 Bild: Senderstruktur https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Senderstruktur-für-5G.pdf
9.3 Bild: „Automatisierter Verkehr“: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Vernetzter-Verkehr.pdf
9.4 Bild: Symbol 5G: eigene Grafik. Was ist alles bei 5G geplant?: https://ul-we.de/5g-was-ist-alles-geplant/
Chip bei schwedischer Eisenbahn: https://ul-we.de/rfid-verchippung-ein-neuer-trend-in-schweden/
800.000 Sendeanlagen: https://ul-we.de/5g-benoetigt-800-000-sendeanlagen/
Weiteres zu 5G: https://ul-we.de/category/faq/5g-nachfolger-von-lte-faq/
und www.stopp5g.de

zu 10:

10.1 Startbild: Smartphome: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Smartehome.pdf
10.2 Bild: Alexa: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Siri-Alexa.pdf
10.3 Bild: Bargeldabschaffung: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Abschaffung-des-Bargeldes.pdf
Kwitt: https://ul-we.de/bargeldabschaffung-in-der-praxis-das-beispiel-kwitt/
Bargeldabschaffung: https://ul-we.de/category/faq/bargeldabschaffung/
Chip bei schwedischer Eisenbahn: https://ul-we.de/rfid-verchippung-ein-neuer-trend-in-schweden/
China: https://ul-we.de/5g-in-china-wenn-der-staat-alles-sieht/
Was ist alles bei 5G geplant?: https://ul-we.de/5g-was-ist-alles-geplant/
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und www.stopp5g.de

zu 11:

11.1 Bild für alles: Stoppt 5G: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2019/03/Stop-5G-Bild.png
Studie 1932: https://ul-we.de/wp-content/uploads/2017/04/1932-Deutsche-Medizinische-Wochenschrift.pdf
Enge Senderdichte: www.kla.tv/12947
Bargeldabschaffung: https://ul-we.de/category/faq/bargeldabschaffung/
Zitat Merkel: https://www.merkur.de/politik/mit-diesem-satz-schockiert-merkel-deutsche-autofahrer-zr-8390429.html
Baumsterben: https://ul-we.de/category/faq/baumschaden/
Bienen- und Insektensterben: https://ul-we.de/zahl-der-insekten-ist-seit-den-1990er-jahren-um-bis-zu-80-gesunken/
Vortrag Offenbarung: https://ul-we.de/vom-autotelefon-ueber-das-smartphone-bis-zur-offenbarung-des-johannes/
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Apr 122019
 
Ein Leben für die Mission

Von Friedhelm Beyreiß

Teil 1

Inhalt

Fortsetzung Teil 2


Vorwort

Schon als Kind wurde ich mit dem Leben und Wirken meines Urgroßvaters, des Missionars Johannes Kabis bekannt gemacht. Da gab es im mütterlichen Nähzimmer eine Vitrine, in der sich Muscheln, Elefanten aus Ebenholz, geschnitzte Figuren und steinerne Hindugottheiten befanden, aber auch so exotische Dinge wie das Skelett einer Schlange, eine irdene Rassel oder unbekannte Früchte und Samenkapseln. Außerdem gab es unendlich viele Geschichten, Berichte und Anekdoten meiner Mutter über ihren Großvater und die Jugend ihrer Mutter, die diese in Indien verbracht hatte, die ich immer wieder gerne hörte. Vor einigen Jahren bekam ich aus einer Erbschaft zahlreiche Dokumente, Briefe, Fotos und sonstige Schriftstücke meines Urgroßvaters, die in den beiden Generationen vor mir sorgfältig bewahrt worden waren, so dass mein Interesse erneut geweckt wurde, mehr über diesen Vorfahren zu wissen. Ich fand einige gedruckte Broschüren, teils von meinem Urgroßvater selbst verfasst, teils von anderen Autoren über ihn geschrieben, und schließlich erhielt ich durch einen Onkel die von ihm gesammelten und zusammengestellten Briefe, welche Johannes Kabis während seines Aufenthaltes in Indien an seine Missionsstation in Deutschland geschickt hatte. Somit stand reichlich Quellenmaterial zur Verfügung, um ein Lebensbild einer Missionarsfamilie in Südindien zu verfassen.

Ich möchte es nicht versäumen, an dieser Stelle allen denen ganz herzlich zu danken, die mir bei meinen Nachforschungen behilflich waren, ganz besonders meiner Frau, die diese Arbeit aufmunternd und kritisch begleitet hat.


Kindheit und Ausbildung

Johannes Kabis wurde am 1. August 1853 als Sohn des Archidiakonus Heinrich Kabis in Rudolstadt / Thüringen geboren. Der Vater war ein in Rudolstadt bekannter und beliebter Prediger, der insbesondere am fürstlichen Hof besonderes Ansehen genoss. Die Familie des Fürsten Adolf wählte ihn zu ihrem Beichtvater und beauftragte ihn mit der Konfirmation ihrer Kinder, der späteren Großherzogin Marie von Mecklenburg und des letzten regierenden Fürsten. Johannes Kabis wurde als Kind häufig zur Gesellschaft des gleichaltrigen Prinzen Günther auf das Schloss geladen und blieb auch in späteren Jahren der fürstlichen Familie freundschaftlich verbunden. Während der Schulzeit am Landesgymnasium in Rudolstadt festigte sich in dem damals fünfzehn Jährigen der Wunsch, Missionar zu werden. Nach einigen Bedenken stimmte der Vater zu, und Kabis konnte im Oktober 1868 in das Missionshaus in Leipzig eintreten. Im Frühjahr 1872 bestand er das Abitur am dortigen Nikolai-Gymnasium, begann das Studium der Theologie und legte im Frühjahr 1876 mit gutem Erfolg sein erstes theologisches Examen an der Leipziger Universität ab. Zur Ableistung seiner Militärpflicht trat er als Einjährig-Freiwilliger in das ebenfalls in Leipzig stationierte 107. Infanterie Regiment ein und bestand am Ende seiner Dienstzeit die Reserveoffizierprüfung.


Unterwegs nach Indien

Nach erfolgter Ordination wurde Kabis bereits zu Pfingsten 1877, zusammen mit zwei anderen Missionskandidaten, in der Nikolaikirche zu Leipzig zum Missionsdienst nach Indien abgeordnet. Über Amsterdam, Rotterdam und Harwich ging die Reise nach London. Dort war ein einmonatiger Zwischenaufenthalt eingeplant, um die Kenntnisse der englischen Sprache zu verbessern. Am 2. September schließlich trat Johannes Kabis auf dem englischen Passagierdampfer Navarino die fünfwöchige Reise nach Indien an und erreichte am 8. Oktober wohlbehalten die südindische Hafenstadt Madras.

Die Fahrt durch´s Rote Meer ist heiß und unangenehm; ihr atmet die von zwei Wüsten, rechts und links, erhitzte Luft. Darum wohl euch, wenn erst die enge Straße von Bab el-Mandeb hinter euch liegt. Das von den Engländern befestigte Felsennest Aden in Südarabien bietet auch noch einen interessanten Anblick, aber noch mehr werdet ihr euch belustigen über die kleinen schwarzen Somalijungen, die dort auf kleinen Booten an die Dampfer herangerudert kommen und mit dem Geschrei: „Have a dive! Shall we dive!“ sich ins Meer stürzen und mit den Fischen um die Wette schwimmen. Reiche Reisende werfen dann wohl vom Schiff aus Silberstückchen ins Meer, die diese gelenkigen Wasserratten sehr geschickt durch Tauchen aus dem Meereswasser heraufholen. Dem Taucherspiel dieser Negerjungen könntet ihr lange zusehen, aber ihr habt Eile und der Weg ist noch weit. Also immer weiter nach Südosten! Einsam und melancholisch im blendenden Sonnenglanze seht ihr als letztes Felsenriff Afrikas das Cap Guardafui, d.h. Hüte dich! Gar manches Schiff ist dort zu Schaden gekommen. Immer weiter geht’s nun hinein in den schönen großen indischen Ozean. Hier ist´s nicht wie im Roten Meer, wo ihr fast immer, sei es im Westen oder Osten, die felsige Küste oder Felseninseln seht. Hier erblickt ihr dagegen mehrere Tage lang, soweit das Auge reicht, nichts als den großen herrlichen Ozean und darüber ausgespannt den schönen blauen Himmel. Da endlich taucht die große paradiesische Insel Ceylon auf mit ihren hohen Bergen im Innern, ihren üppigen Palmenwäldern, ihren duftenden Zimmetgärten an der Küste. Das deutsche Schiff geht im Hafen von Colombo auf der Westküste von Ceylon vor Anker, um dann nach China oder Australien weiterzufahren. Ihr müsst ihm also untreu werden und einen dort vor Anker liegenden englischen Dampfer besteigen. In rascher Fahrt geht´s um die alte Wunderinsel herum. Das Grün der Palmenwälder, hoch emporsteigende Gebirgsketten locken euch zu einem Streifzug durch dies wunderbar schöne Fleckchen der Erde. Aber schon geht die Reise nordwärts hinein in den Meerbusen von Bengalen nach dem Festlande von Ostindien, die Koromandel-Küste entlang. Am dritten Morgen wirft die aus dem Meer auftauchende rote Morgensonne auch schon verklärend ihre goldenen Strahlen auf die Zinnen der großen, weitausgedehnten Handelsstadt Madras. Immer klarer und deutlicher heben sich das alte Fort St. George, der hohe Leuchtturm und andere monumentale Gebäude und Paläste dieser Hauptstadt von ganz Südindien mit ihren 452.000 Einwohnern am hellen Horizont ab. Die Anker rasseln ins Meer. Ihr habt den Hafen von Madras erreicht. Nun schnell an´s Land. Wie Adler eine fette Beute, so umschwirren sogleich zahlreiche dunkelfarbige, halbnackte Bootsleute mit ihren nur mit Stricken zusammengenähten großen Booten das Dampfschiff. Doch nehmt euch in acht! Diese braunen Bootsleute reißen euch fast in Stücke. Jeder möchte euch in sein Boot haben. Nehmt das nächste mit 10 Ruderern bemannte große Boot! Mit Singsang tauchen sie die Ruder in´s Wasser. Bald seid ihr in der schäumenden Brandung. Haltet das Segeltuch über euch, damit das aufspritzende Meereswasser euch nicht benässt! Jetzt stößt das Boot auf den Strand. Nun lasst euch von den Bootsleuten an den trockenen Strand hintragen. Gott sei Dank, nun habt ihr wieder festen Boden unter den Füßen. Ihr seid in Ostindien, und wie schnell, liebe Kinder, ging die Reise! Ohne die Flügel der Gedanken hättet ihr 4 Wochen gebraucht.

( Ein Tag in Majaweram S.6 ff )


Tranquebar 1877 – 1879

Den Heiden zu predigen bin ich ausgesandt, und das werde ich, solange ich lebe, für meine eigentliche Arbeit halten. Das ist mir das höchste und erste.

( Briefe an die Direktoren, 4.2.1880 )

Die Hoffnung, möglichst bald nach seiner Ankunft mit der eigentlichen Missionstätigkeit beginnen zu können, sollte sich für Kabis nicht erfüllen. Zunächst musste er sich der schwierigen Aufgabe stellen, die Tamilensprache zu erlernen, sich in die neue, für ihn völlig ungewohnte Umgebung einzuleben und sich an das tropische Klima zu gewöhnen. Begierig nahm er die neuen Eindrücke in sich auf und berichtete in seinen Briefen an die Heimat anschaulich von ihnen.

Es ist schon spät am Abend, und ich dachte erst, mit den kurzen Notizen in mein Tagebuch die heutige Tagesarbeit beschließen zu können und lehnte mich schon feiernd in den Stuhl zurück, ließ die Arbeit des verfloßenen Tages noch einmal prüfend an der Seele vorübergehen und lauschte dem schönen indischen Abendconcert, dessen Melodien und Harmonien Ihnen sicherlich noch im Gedächtniß sind. Zu dem gellenden Geheul der Schakale stimmt so schön das monotone taktmäßige Quaken der Frösche und das lustige Zirpen der faulen Grillen. In der Ferne Hundegebell und indische Hochzeitsmusik, ab u. zu das grauenhafte Gekreisch der Nachteulen, an der Wand das Schnalzen der niedlichen Eidechsen, in den dunklen Stubenecken das Geknapper von Ratten und die schrillen Töne der Moschusmäuse, über mir das unheimliche Flattern der Fledermäuse. So fehlt´s also auch in später Abendstunde nicht an Gesellschaft und allerlei Kurzweil.

( Briefe an die Direktoren, 4.2.1880 )

Die Aufgabe, möglichst schnell und dennoch gründlich die Sprache zu erlernen, wurde dadurch erschwert, dass er zunächst in der Verwaltung in Tranquebar eingesetzt wurde, einer kleinen Stadt etwa 300 km südlich von Madras, und somit keinen ständigen Kontakt mit der indischen Bevölkerung hatte. So versuchte er, wann immer die Verwaltungsarbeit ihm Zeit ließ, andere Missionsstationen aufzusuchen, um dort einen Einblick in die eigentliche Missionsarbeit zu erhalten. Diese Reisen waren oft recht mühsam und schwierig, erfüllten Kabis jedoch mit großer Freude, da er nun in unmittelbaren Kontakt zu der Bevölkerung kam. Ihn erschütterte aber auch die tiefe Not und das große Elend, das er in den Dörfern, und dort besonders unter den Paria, den Kastenlosen und damit weitgehend rechtlosen und unterdrückten Einwohnern, sah.

Ankunft in Majaveram

Der 11. November war ein rechter Monsuntag. Grauschwarz sah der Himmel aus, und der Regen ergoss sich in Strömen. Es war also nicht gerade einladendes Reisewetter, und doch wollte ich an diesem Tag nach Majaweram reisen zum großen alljährlichen Badefest am Kaweri, das schon am 15. Oktober begonnen hatte, und nun vom 13. bis 15. November mit drei Hauptfesttagen endigen sollte. Ich konnte also die Reise nicht aufschieben, und schon hielt auch der gemütliche indische Ochsenwagen vor dem Missionshaus. Eine Matratze und mein Köfferchen als Kopfkissen gaben der Karrenlaube im Innern schnell das behaglichste Aussehen, und so stieg ich trotz Wind und Wetter wohlgemut hinein. Lustig trabten die Buckelochsen durch die stille Europäerstraße zu Trankebars Königstor hinaus. Aber o weh! Der Regen ließ nicht nach. Immer heftiger schlug er auf das gewölbte Karrendach. Schon drang er durch das Flechtwerk, so daß es mir auf der nassen Matratze bald gar ungemütlich wurde. Breite Lachen fluteten über die Straße, und auch das muntere Traben der Ochsen war in dem tiefen Schmutz nur zu schnell in ein schleppfüßiges Tempo übergegangen. Ja, als ich nach Olugumangalam kam, also meinem 18 englische Meilen entfernten Ziele erst um eine Meile näher gekommen war, kehrten die Ochsen einfach um, trotzdem der Fuhrmann die durch die Nase gehenden Zügel recht grausam anzog und den Ochsen die Schwänze drehte. Bald darauf steuerten sie auf eine Hecke zu, deren stachelige Kakteen sie aber zur Umkehr zwangen. Aber halbwegs zerteilte sich der graue Himmel, und die Sonne machte untergehend noch ein recht freundliches Gesicht und spiegelte sich wohlgefällig in den weithin überschwemmten Reisfeldern. Ich war glücklich, mein nasses Lager verlassen zu können, und wanderte recht frohen Mutes neben oder vor dem Wagen her. Jetzt in der kühlen Zeit, wo alles so herrlich grünt und sproßt, wie daheim zu Pfingsten, ist es eine wahre Lust, hier zu wandern, und ich konnte es nicht lassen, meinem fröhlichen Herzen mit einigen Liedern Luft zu machen, trotz der lauten Ochsenkommandos und der großen Augen, die der Fuhrmann dazu machte. Im Schatten mächtiger Banianen mit ihrem schönen grünen Laub und den herabhängenden Luftwurzeln, und der Pu-Arsubäume mit ihren großen gelben Blüten führte eine breite rotgelbe Straße durch die fruchtbarsten Reisfelder, die alle eingedämmt und unter Wasser gesetzt waren. Die herrlichsten Baumgruppen mit darunter weidenden großen Rinderherden, Kokos- und Palmyrahaine unterbrechen die flachen Reisfelder und geben der Gegend ein wirklich malerisches, aber doch recht fremdartiges Aussehen. Kein Baum, kein Strauch, kein Vogel, die Scharen von Krähen ausgenommen, keine Wiesenblume erinnert an die Heimat. Und nun erst die Pariadörfer durch die ich kam! Ach, elende Hütten, vier niedrige Lehmwände mit einem Dach von Bambusrohr und geflochtenen Palmblättern. Da sieht man kein Fenster, und ein niedriges Türloch ist der Eingang. Auch sieht man nicht, wie daheim, die Kamine lustig rauchen, durch Dach und Türloch sucht sich der Rauch vom Herdfeuer seinen Weg, und in den Dörfern ist eine widerliche, drückende Luft.

Und wie entsetzlich sehen die Bewohner dieser Hütten aus, die armen Paria! Ich meine, es kann keine armseligeren Leute geben. Da bringen eben, wie ich vorbeikomme, vier beinahe ganz nackte Männer auf den Schultern einen mit den Füßen an einem Stamm aufgehängten gefallenen Ochsen geschleppt, um ihn dann zu teilen und zu essen. Einige nackte und verwildert aussehende Kinder und drei, vier Frauen kommen dazu. Ein zerlumptes und schmutziges ungenähtes Stück Zeug bekleidet sie notdürftig. Auf ihre Köpfe war trotz der grauen Haare sicher noch kein Kamm gekommen. Es tat mir das Herz weh, als ich diese armen, so tief gesunkenen Paria sah. Es war ein eigener Kontrast, von ihren Hütten aufwärts blickend in die über ihnen in majestätischem Bogen sich wölbenden Kronen der Kokospalmen und dahinter in den schönen blauen Himmel zu schauen. Ich kam auch durch mehrere Sudradörfer, die viel sauberer und reinlicher aussehen, und durch eine kleine Stadt, die sich nur durch ihren größeren Götzentempel von den Dörfern unterschied. Überhaupt ist der heimische Unterschied von Stadt und Dorf hier nicht zu sehen. Nur die Kaste gibt den Leuten und ihren Häusern ein verschiedenes Gepräge. Ich hatte nicht gedacht, dass der Unterschied zwischen Sudra und Paria so in die Augen fallend sei, wie ich es bei dieser Reise zu sehen bekam. Auffallend war mir ferner das bunte Leben auf der Landstraße. Viele Wagen zogen denselben Weg, und noch mehr Kulis mit schweren Lasten auf dem Kopfe kamen eilenden Schrittes an mir vorüber. Aber auch sonst sah ich viele Männer und Frauen, letztere meistens mit einem auf der Hüfte reitenden Kinde, und da es ein Regentag war, gingen fast alle mit einem aus Palmblättern geflochtenen Regendach auf dem Kopfe. In den Städten benutzten die Vornehmeren für kürzere Wege ein flaches rundes geflochtenes Schirmdach mit ganz kurzem Stiele. Aber hier auf der Landstraße hatten die meisten ein großes haubenartiges Dach auf dem Kopfe, das nach hinten bis auf die Schenkel herabreicht. Es machte anfangs auf mich einen komischen Eindruck, diese auf braunen nackten Beinen wandelnden Dächer zu sehen. Wer kein solches Schirmdach hatte, hüllte sich während des Regens in das Zeug des aufgewickelten Turbans und ließ es nach dem Regen im Winde flattern und trocknen. Auffallend ist es aber bei solcher Wanderung, dass man so viele Faulenzer sieht. Da sitzt einer an der Straße und scheint zu träumen, ein anderer hat sich ausgestreckt, um sich zu sonnen, ja zwei fand ich, die mitten auf der Landstraße saßen und sich etwas erzählten. Sie ließen sich auch nicht durch unseren Wagen stören, der ihnen ausweichen musste.

Dorfszene bei Tranquebar

Und welch ein Unterschied in den Straßen eines Dorfes oder Stadt hier und daheim! Fast vor jedem Haus sieht man ein oder zwei solcher Faulenzer mit untergeschlagenen Beinen sitzen. Träumerisch schauen sie ins Blaue und kauen ihren Betel, oder sie haben sich lang ausgestreckt und schlafen. Aber das Volk lebt hier vielfach aus der Hand in den Mund und arbeitet nur, wenn der Hunger sich meldet.

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria, S. 10 ff )

Im November 1879, gut zwei Jahre nach seiner Ankunft in Indien, konnte Kabis endlich seine Verlobte im Hafen von Madras begrüßen, und bereits zwei Tage später wurde die festliche Hochzeit begangen. Nun konnte das junge Paar endlich nach Majaveram übersiedeln, einer kleinen Stadt in der Nähe von Tranquebar, und die dortige Missionsstation übernehmen. Die eigentliche Missionsarbeit, die Kabis so lange herbeigesehnt hatte, begann und sollte an diesem Ort sieben Jahre dauern.


Majaveram 1879 – 1887

Ich gehe mit großer Freudigkeit und fröhlichem Mute auf mein neues Arbeitsfeld und meine l. Frau freut sich auch herzlich, dort die Mädchenschule übernehmen zu dürfen.

( Briefe an die Direktoren, 4.12.1879 )

Nachdem das junge Paar sich häuslich eingerichtet hatte, wurde Kabis von seinem Vorgänger, Missionar Wannske, in die verschiedenen Aufgaben und Arbeiten auf der Station eingeführt. Da ihm das Predigen ganz besonders wichtig war, begleitete er Wannske täglich auf dessen Ausritten, um möglichst viel zu lernen und von den Erfahrungen des Älteren zu profitieren.

Stillschweigend waren wir eine Strecke nebeneinander durch die Stadt geritten, als Bruder Wannske in einer belebteren Straße plötzlich haltmachte und zu mir sagte: „So, hier predige mal.“ Die am vorhergehenden Tage gut einstudierte und im Sattel noch eben wohl überdachte kurze Predigt schien mir in diesem Augenblick wie mit einem Schwamm aus dem Gedächtnis gewischt, und ich hatte keinen größeren Wunsch, als dass mein Begleiter für mich das Wort ergreifen möchte. Aber mein Sprung vom Pferd war ein Sprung ins Wasser. Ich musste wohl oder übel schwimmen, und schon hatte sich ein Schwarm Neugieriger um uns gesammelt. So fing ich denn an, indem ich einen aus der Menge, der mir am vertrauenerweckendsten aussah, mit der Frage anredete: „Wenn du einmal krank bist, wen wirst du da rufen?“ „Den Arzt.“ „Jawohl, aber nicht alle Kranken rufen den Arzt. Ein Kranker, der den Arzt ruft, muss dreierlei wissen: 1. dass er krank ist, 2. dass er sich selbst nicht helfen kann und 3. dass er selbst den Wunsch haben muss, wieder gesund zu werden.“ Nachdem diese Sätze mit Beispielen erläutert, verstanden und zugegeben waren, wurden sie auf die uns innewohnende Krankheit der Sünde angewandt, und vom Arzt der Sünder erzählt, mit der schliesslichen Aufforderung, sich an diesen Arzt zu wenden. Ermutigt durch den Verlauf dieser ersten Predigt, ritten wir noch nach verschiedenen Punkten der Stadt und ihrer Umgebung, wo ich zu meiner Übung überall dasselbe predigte. In einem Hain von Mango- und Ölbäumen außerhalb der Stadt sahen wir eine einsame und elende Hütte seitwärts am Wege liegen. Halt, dachte ich, die Bewohner dieser Hütte haben vielleicht das Evangelium noch nie gehört, denen musst du heute auch noch predigen. Gedacht, getan. Ich ritt schnell auf die Hütte zu, während Bruder Wannske im Schatten der Bäume abstieg. So klein jenes Hüttchen war, es barg doch viele Bewohner. Abgesehen von einigen pechschwarzen Schweinchen, die in munterem Spiel grunzend um die Hütte jagten, war es bewohnt von einem Ehepaar, zwei alten Frauen, die wohl Mutter und Großmutter sein konnten, und einer ganzen Schar Kinder, die sich bei meinem Erscheinen nicht etwa verblüfft zurückzogen, sondern auf Kommando ihrer Eltern mit den tollsten Purzelbäumen und gymnastischen Kunststückchen mir entgegenturnten, während die Alten fleißig weiter Körbe flochten. Ich hatte eine Kurawerfamilie vor mir, ein Volk, das wohl mit unseren Zigeunern verwandt ist. Einige Winke mit der Reitgerte brachten das kleine Künstlervolk zur Erkenntnis, daß sie sich in dem Glauben getäuscht hatten, ich würde ihre Künste mit Geld belohnen. Als sie mich nun mit gespannter Erwartung umstanden, was ich eigentlich von ihnen wolle, fragte ich den Vater: „Höre, wenn du krank bist, wen rufst du denn da?“ „Niemanden“, war die unerwartete Antwort. „Wieso, brauchst du denn in Krankheitsnot keinen Arzt?“ „Nein, wir suchen und machen uns selbst Arznei. Wir helfen uns selbst.“ Da paßte nun freilich meine Predigt nicht, und in meiner Verlegenheit rief ich Bruder Wannske zu: „Du, die Leute brauchen keinen Arzt und helfen sich selbst. Komm her und hilf mir.“ Auf dem Heimritt mußte ich mich natürlich tüchtig auslachen lassen. Aber ich lachte mit, und eine gute Lehre habe ich mir daraus gezogen.

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria, S. 15 f )

Diese öffentlichen Predigten verliefen nicht immer friedlich. Oft wurde Kabis von aufgebrachten Brahmanen oder auch Moslems in eine hitzige Diskussion verwickelt, die hin und wieder in Tätlichkeiten auszuschreiten drohte. Insbesondere die Brahmanen als Hüter der Religion einerseits und Arbeitgeber bzw. Ausbeuter der Parias andererseits, sahen es nicht gerne, wenn Missionare von der Gleichheit aller Menschen vor Gott predigten. Traten die Parias nun tatsächlich zum christlichen Glauben über, mussten sie zahlreiche Repressalien erdulden, verloren häufig ihre Arbeit, wurden körperlich bedroht oder mussten mit ansehen, wie ihre Hütten durch Brandstiftung aufgebrachter Grundbesitzer zerstört wurden. Immer wieder hereinbrechende Epidemien, z.B. Cholera und Typhus, oder Missernten durch ausbleibenden Regen verschärften die Situation. Kabis versuchte diese Not zu lindern, indem er wiederholt Teile seines ohnehin bescheidenen Gehaltes für den Kauf von Nahrungsmitteln verwendete, möglichst viele Arbeiter auf der Missionsstation beschäftigte, oder Waisenhäuser für elternlose Kinder einrichtete. Die Bitte um zusätzliche Mittel durchzieht alle Briefe, die er in diesen Jahren an das Missionshaus nach Leipzig schickte.

Und nun noch eine Bitte, die ich schon einige Male getan und die mir zu wiederholen nicht leicht ist, da es eine Bitte um Geld ist. Dies gibt mir den Mut vor meinen verehrten Vorgesetzten die Bitte auszusprechen, die mehr verausgabten 112 Rp. mir gütigst nachzubewilligen.

( Briefe an die Direktoren, 22.3.1882 )

Als Kabis in Majaveram eintraf, fand er in der Stadt und den zahlreichen umliegenden Dörfern, die von der Station aus betreut wurden, bereits eine Gemeinde von etwa 900 Christen vor, fast ausnahmslos Parias. Zwar versuchte er in den Folgejahren, Kontakte zu angesehenen Hindus zu pflegen, nicht zuletzt auch in der Absicht, das Los der Parias zu verbessern, die Taufe eines Sudra oder Brahmanen blieb jedoch die Ausnahme. Gerade die Kastenmitglieder wurden durch ihre Angehörigen einem enormen Druck ausgesetzt, wenn sie sich taufen lassen wollten.

Einmal traf ich bei solcher Gelegenheit mit einer ganzen Anzahl Brahmanen zusammen, die mich eine Weile ruhig anhörten, dann aber aufs lebhafteste angriffen und ihre Religion verteidigten. Der Streit drehte sich um die Frage, ob wir durch gute Werke selig werden könnten. Ein Brahmane behauptete, Gott habe eine Wage in der Hand, mit der er jedes Menschen Verdienst abwäge. In der einen Wagschale seien unsere Sünden. In die andere müssten wir unsere guten Werke legen, und unser Streben müßte dahin gehen, unsere Sünden durch entsprechende gute Werke auszugleichen. Ein anderer fragte: „Was ist Sünde? Was ist Tugend? Beides ist gleich, denn beides wird von Gott gewirkt. Wie kann er das eine bestrafen und das andere belohnen?“ So brachte jeder seine Weisheit vor. Sie waren unter sich im Widerspruch, aber alle darin einig, mich zum Schweigen bringen zu wollen. Um ihnen zu zeigen, daß Gott unsere Werke nicht als sündentilgend anerkennen könne,  fiel mir schließlich folgendes Gleichnis ein. Ich fragte sie, ob sie als Brahmanen mit einem Paria essen und ihn in ihr Haus aufnehmen würde. „Auf keinen Fall“, war die Antwort und in den feisten Gesichtern sah man ordentlich den Ekel und das Entsetzen darüber, nur an so etwas zu denken. „Warum würdet ihr aber nicht mit einem Paria essen?“ „Weil sie ein unreines Geschlecht sind.“ „Wenn nun aber ein Pariakind von klein auf wie ein Brahmanenkind erzogen, täglich im Fluß gebadet, wie ihr gekleidet und reinlich gehalten, mit gleicher Nahrung gespeist, kurz, ganz wie ihr großgezogen würde, würdet ihr mit einem solchen Kinde essen und Gemeinschaft haben?“ „Nein, ein Paria bleibt immer ein Paria, er mag tun, was er will.“ „Seht,“ sagte ich nun, gerade so ist´s mit einem Sünder. Er mag tun, was er will, er bleibt doch ein Sünder. Er mag sich täglich im Kaweri (benachbarter Fluss) baden, täglich im Tempel opfern, er mag Almosen geben und als Einsiedler leben. Er bleibt ein Sünder und Gott kann ihn nicht in sein Haus aufnehmen und mit ihm Gemeinschaft haben.“

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria, S. 22 )

Als christlicher Missionar war es für Kabis immer wieder schmerzlich, den starken Einfluss und die ungeheure Macht mit ansehen zu müssen, welche die Hindureligion auf die Massen ausübte. Traurig über diesen Einfluss, aber doch auch fasziniert von den vielen Eindrücken, schildert er ein Badefest, an dem er im Jahr 1885 teilnahm.

Der heilige Badeteich in Kumbakonam

Am 28. Febr. war ich in Combaconam um das große Vedafest anzusehen, das nur alle 12 Jahre gefeiert wird, weil nur alle 12 Jahre die Ganga in jenem großen Teiche zu Comb. sich badet u. das Wasser sündenreinigend macht. Wäre der Besuch jenes Badefestes ein Gradmesser für den dermaligen Stand des Heidentums, so müßte man mutlos die Hände sinken lassen denn das Fest war so stark besucht, wie kaum je zuvor. Die innerhalb der letzten 12 Jahre erbauten Eisenbahnen dienten dazu, den Zusammenlauf der Menschen größer zu machen, als er je war. Hunderttausende strömten auf der Bahn zusammen. Die Bahn konnte die Menschen nicht befördern, trotzdem alle Güterwagen zum Personenverkehr benutzt wurden und der Güterverkehr für 14 Tage eingestellt wurde. Nur mit größter Mühe gelang es mir, an dem Haupttage nach Comb. befördert zu werden, und das Gedränge auf dem Bahnhofe war so groß, daß ich nur dank meiner festen Arme und Schuhe durch den Knäuel der Barfüßler kam. Mehrere Frauen u. Kinder sind, wie mir Polizisten erzählten, an jenem Tage einfach erdrückt worden. Die Straßen Comb.`s wogten von Menschen. Kein Wagen oder sonstiges Gefährt durfte in der ganzen Stadt fahren, um Unglück zu vermeiden. Br. Wannske u. ich bahnten uns den Weg zu dem berühmten Teich, wo sich ein wunderbares, mir unvergeßliches Schauspiel unsern Augen bot. Sie erinnern sich wohl des großen viereckigen Teiches mit seinen ringsumlaufenden Steinstufen u. den 16 Tempelchen ringsum am Ufer desselben. Eins dieser Tempelchen bestiegen wir, um das ganze Schauspiel übersehen zu können. Von allen 4 Seiten strömten die Mengen zum Teiche, der selbst von Menschen wimmelte. Das ganze glich einem großen Ameisenhaufen u. darüber kreisten hunderte von Adlern, die auf die aufgescheuchten u. in die Höhe schnellenden Fische Jagd machten. Das Ganze eingerahmt von Tempeln u. Palmenhainen – in der That ein echt indisches Bild. Die Municipalität hatte, um Unglück zu vermeiden, den Teich mit großen Pumpmaschinen halb auspumpen lassen u. so war im Teiche etwa 4 Fuß tiefer schwarzer Schlamm nur übriggeblieben u. in diesem Tintenschlamme wateten und badeten die Leute u. zwar mußten alle untertauchen u. auch etwas davon in den Mund nehmen für die innere Reinigung. Es war ein wunderbarer Anblick, wie die Volkshaufen in weißen u. bunten schönen Kleidern die Teichstufen hinabstiegen, um schwarz, über u. über mit Schlamm bedeckt, einer Büffelherde gleichend, wieder herauszukommen. Ich konnte es beobachten, wie vielen, bes. jungen reichen Frauen es große Überwindung kostete, in die schwarze Schlammfluth zu tauchen. Minutenlang standen sie im Schlamm u. konnten sich nicht entschließen, bis endlich die weniger scrupulösen Schwiegermütter sie mit Gewalt untertauchten. Die männliche Jugend hatte den Ekel vor dem Schlamme schneller überwunden u. jagten wie eine Herde Schweine drin herum, nach den Plantanen u. Cokus außen haschend, die der Ganga durch Hineinwerfen ins Wasser reichlich geopfert wurden. Nach dem Schlammbade gingen dann die Leute, über u. über mit Schlamm bedeckt, durch die Stadt nach dem Covery, um dort sich zum 2. Male zu baden u. vom Schlamme zu reinigen, ein Nachbad das übrigens dazugehört, um ganz von Sünden sich rein zu waschen. Ach, wann wird die Zeit wohl kommen, daß die sich so zum heiligen Taufwasser drängen werden?

( Briefe an die Direktoren, 28.3.1885 )

Bei seiner täglichen Arbeit wurde Kabis tatkräftig durch seine Frau unterstützt, die sich nicht nur um Haus und Familie sorgte, sondern daneben auch noch intensiv die Nähschule für verwaiste Mädchen betreute. Oft wurde die Arbeit durch unvorhersehbare und kaum beeinflussbare Vorkommnisse erschwert: Der lang erwartete Monsun blieb aus oder setzte verfrüht ein, so dass Wege und Straßen nicht mehr passierbar waren, wichtige Mitarbeiter erkrankten, so dass Kabis deren Aufgaben mit übernehmen musste oder das Dach des Hauses brach zusammen. Letzteres Missgeschick wurde durch die überall gegenwärtigen Termiten verursacht, die ständig und allgegenwärtig Hab und Gut bedrohten.

Ja, lieben Freunde, wenn ich an all den Schaden denke, den die weißen Ameisen mir allein während der letzten 13 Jahre zugefügt haben, so könnte ich mit Fug und Recht diese rücksichtslosen, unbarmherzigen Feinde für unsere allergefährlichsten Hausgäste halten. Wem soll ich sie vergleichen? Einem Heer von Vandalen, nur mit dem Unterschiede, daß die weißen Ameisen nicht bloß in Legionen und Tausenden, sondern in ungezählten Myriaden ihr schonungsloses Zerstörungswerk treiben. Die Naturforscher nennen sie mit Recht Termitina, Termiten, d.h. die Unglück-Bringenden, und auch die zur Unterscheidung der verschiedenen Arten gewählten Beinamen sind bezeichnend genug. Da heißt die eine Art die „kriegerische“, eine andere hat den Nebentitel „fatalis“, d.h. die verhängnisvolle, wieder eine andere heißt „die lichtscheue“, und noch eine andere Sorte geht unter der Firma „die schreckliche“, eine Bezeichnung, die ich der ganzen Gesellschaft geben würde, wenn ich eine Naturgeschichte zu schreiben hätte. Die Tamulen nenne sie allesamt Kareijan. Ganz Indien scheint von diesen Tieren wie unterminiert zu sein; denn soweit ich auch in Indien herumgekommen bin, überall traf ich diese guten Freunde wieder an, überall dieselbe Klage und Plage. Ihre mächtigen Bauten und Labyrinthe findet man draußen im Garten unter einem Baum, um einen Busch herum, auf wüsten Flächen oder am Chausseerande, auf Bergen und in Thälern, kurz überall. Ich habe oft ihre Bauplätze beobachtet. In einem Umkreise von 5 – 6 Fuß Durchmesser und mehr führen sie aus der Erde pyramidale Türme in die Höhe, die täglich höher werden, ohne dass man von den fleißigen Bauleuten etwas hört und sieht. Nach jeder Nacht ist der Bau bedeutend fortgeschritten, bis alle die einzelnen Türme und Haufen sich zu einem großen Haufen und Hügel vereinigen, aus dem einzelne Türme und Spitzen noch besonders hervorragen. Ja, wenn die Termiten draußen im Garten, im Wald und auf der Heide blieben, wohin sie gehören, da könnte man ihr Freund bleiben und ihre Bauten bewundern, so aber dringen sie als die geschworenen Feinde aller menschlichen Arbeit in unsre Häuser ein, und wir befinden uns in einem beständigen Verteidigungskrieg gegen sie und ziehen leider nur zu oft den kürzeren.

Dorfschule in Kumbakonam

Auch dieses Haus ist, wie alle indischen Häuser, von ihnen unterminiert. Unterirdisch haben sie ihre Minen durch die Grundmauern des Hauses geführt, und ist erst mal ein kleiner Tunnel eröffnet, dann ziehen sie in ungezählten Scharen ein. Obwohl der Fußboden unter uns mit großen Ziegelsteinen gepflastert und mit einer Lage fest verstrichenen Kalkes bedeckt ist, so kommen sie doch in der Nacht überall aus kleinen Löchern, die sie gebohrt, durch, überziehen die Fußbodenmatten mit Erde und würden nicht nur solche Löcher hineinfressen, wie ihr sie hie und da seht, sondern, wenn sie nicht jeden Morgen in ihrer Arbeit gestört würden, die Matten einfach auffressen. Seht euch einmal in unserm Zimmer um.

Da könnt ihr sehen, wie wir in beständigem Kampfe mit den Termiten leben. Meinem Harmonium habe ich durch aufeinander gelegte Ziegelsteine vier Füße gemacht, und diese selbst stehen wieder auf Blechtafeln, um es gegen das Eindringen dieser Tiere zu schützen. Dort der Schrank steht auch ebenso auf besonderen Steinen und ist von der Wand handbreit abgerückt, damit die Ameisen nicht von der Wand aus nach dem Schranke eine Brücke schlagen und in demselben ihr Zerstörungswerk beginnen können. Und schau hier meine Bibliothek! Manche Werke haben sie ganz verschlungen, andere haben sie nur halb aufgefressen, bei einigen sich sogar mit dem schönen Einbande begnügt. Besonders in den zwei ersten Jahren meines indischen Aufenthalts, als noch keine sorgsame Hausfrau diesen Gästen auf die Finger sah, da waren sie immer schneller mit einem Buche fertig als ich und studierten besonders fleißig, wenn ich auf Reisen war und sie niemand störte.

Den schlimmsten Schaden aber tun sie, wenn sie sich durch die Wände bis in den Dachstuhl des Hauses emporgearbeitet haben, und nun von der Hausmauer aus die Balken des Daches anfressen, ja sie oft ganz aushöhlen, ohne daß man von außen etwas gewahr wird. Wie manches Dach haben sie schon zu Fall gebracht! Die vielen Hausreparaturen in Indien kommen hauptsächlich auf ihre Rechnung.

( Ein Tag in Majaweram, S. 33 ff )

Neben dem Predigen und Taufen, für Kabis stets die wichtigste Aufgabe, die ihm auch die größte Befriedigung gewährte, gab es aber noch zahlreiche andere Pflichten, welche die Führung einer großen Missionsstation mit zahlreichen Gemeinden in den umliegenden Bezirken mit sich brachte. Zwar war es für ihn eine große Freude, in einem Nachbarort eine Kirche bauen zu lassen, zugleich aber auch eine schwere Pflicht, oblag ihm doch als Nichtfachmann nicht nur ein Großteil der Planung, sondern auch die Materialbeschaffung, Bauüberwachung, Auseinandersetzung mit Behörden und schließlich die leidige finanzielle Abwicklung. So sollte in Shiali zur Erinnerung an den ersten Missionar Bartholomäus Ziegenbalg, der von 1706 bis 1719 in Südindien wirkte. eine neue Kirche errichtet werden. Diese Kirche sollte, im Gegensatz zu den sonst gebräuchlichen Kapellen und Gebetshäusern, ein massiver Steinbau werden, der sich durchaus mit einem Kirchenbau in Deutschland messen konnte.

Bericht und Eingabe an das Hochwürdige Missionskollegium zu Leipzig betreffend die Jubiläumskirche zu Shiali. Hochwürdige Herren. Da der Kirchbau in Shiali ohne Zweifel mehr kostet resp. schon gekostet hat, als vorher berechnet war, so ist auf Anordnung des hochw. MissionsKirchenRaths der Bau zur Zeit bis auf Weiteres sistirt worden, und ich komme der Aufforderung des hochw. K.Raths hiermit nach, wenn ich im Folgenden an Sie kurz über den Bau berichte und motivire, warum das Estimate überschritten worden, und für den übrigen Bau ein revidirtes Estimate einreiche mit der dringenden Bitte, die Nachbewilligung nicht zu versagen, da es sonst schlechterdings unmöglich ist, den Bau solid und einigermaßen einer Jubiläumskirche entsprechend zu vollenden. Sobald der Befehl von Ihnen kam, mit dem Bau der Kirche voranzugehen, machten Br. Zietzschmann und ich uns daran, einen Plan und Estimate auszuarbeiten innerhalb der uns gesteckten Grenzen von 5000 R. Es war nicht leicht, bei der Größe, die für die Shialikirche nötig ist, einen möglichst kirchlich geschmackvollen Plan für jene Summe herzustellen. Endlich aber wurde ein Plan und Estimate fertig u. dies wurde nach Begutachtung u. Revision eines befreundeten Ingenieurs vom hochw. Miss.K.Rath resp. von Ihnen genehmigt. Als ich nun im März dieses Jahres ernstlich an den Bau ging und nun dazu den in der Hauptsache von Br. Zietzschm. skizzirten Plan studierte, missfiel mir vor Allem, daß Chor u. Schiff in gleicher Breite waren, u. nach reiflicher Überlegung u. Beratung, glaubte ich den Plan so ändern zu müssen, daß der Altarplatz schmäler wurde und vom Schiff durch Einziehung der Mauern und einen großen gothischen Bogen getrennt würde. Durch diese Änderung bekommt der ganze Bau ein viel schöneres und kirchlicheres Aussehen

( Briefe an die Direktoren, 11.12.1885 )

Es folgen nun zehn engbeschriebene Seiten, in denen Kabis nicht nur die Überschreitung der bewilligten Summe begründet, sondern darüber hinaus um weitere Mittel bittet, um die Bauarbeiten zu einem endgültigen Abschluss bringen zu können. Der Bau zog sich letztlich über fast vier Jahre hin, erst 1888 konnte die Kirche eingeweiht werden. Zuvor folgten aber noch viele Eingaben nach Leipzig, um die benötigten Mittel zu erhalten. Soweit die Witterung es zuließ, verließ Kabis schon frühmorgens die Station, um die umliegenden Gemeinden zu besuchen, oft mit dem Pferd, bei längeren Besuchen mit dem Ochsenkarren. Nachdem in den ersten Jahren Predigt und Taufe im Vordergrund seiner Tätigkeit gestanden hatten, kamen nun zunehmend Verwaltungsaufgaben hinzu: Besprechungen mit eingeborenen Pastoren, Schulvisitationen, Planung oder Renovierung eines Bethauses oder Besichtigung und Erwerb von geeigneten Grundstücken für einen Kirchen- oder Schulneubau, um nur einige der zahlreichen Aufgaben zu nennen.

Außerdem galt es häufig, die neugetauften Christen zu unterstützen, sei es mit materieller Hilfe bei drohender Hungersnot oder auch mit der Vertretung ihrer Ansprüche vor Gericht. Kam Kabis schließlich am späten Vormittag wieder auf die Station zurück, warteten dort in der Regel schon etliche Bittsteller auf ihn, um ihm ihre großen und kleinen Nöte vorzutragen oder um Unterstützung oder Schlichtung eines Streites zu bitten. Die Nachmittage waren dann mit der Anfertigung von Berichten ausgefüllt, mit der Erledigung der umfangreichen dienstlichen und privaten Korrespondenz oder mit den zeitaufwendigen Monatsabschlüssen, den Abrechnungen der vielen Einnahmen und Ausgaben der Station. Erst gegen Abend fand er die Ruhe und Muße, ein Buch zu lesen oder die letzten Nachrichten des Reichsboten, eine Zeitung die er regelmäßig bezog, um den Kontakt zur Heimat nicht ganz abreißen zu lassen, Allerdings lag deren Erscheinungsdatum immer fünf bis sechs Wochen zurück. Aktuelle politische Informationen standen ihm nur in der heimischen, englischsprachigen Presse zur Verfügung.

Auf Predigtreise im Ochsenkarren

Ich habe auch in diesem Jahre so viel als möglich unter den Heiden gearbeitet, aber die hiesige Station erfordert nebenbei ein gut Stück Zeit für Verwaltungsarbeiten, daß man nicht seine ganze Hauptkraft der Hauptsache so widmen kann, als man möchte. Es ist gut, daß ich ein munteres Pferd habe, das mich täglich in der Frühe hinaustreibt. Den Tag über ist meine Stube dann wie ein Taubenschlag, u. die meisten Tage bin ich kaum einmal 5 Minuten allein.

( Briefe an die Direktoren, 19.12.1885 )

Kein Wunder, dass bei dieser Arbeitsbelastung, lediglich unterbrochen durch den jährlichen Urlaub in den Bergen, nur wenig Zeit für die Familie blieb. 1880 wurde die erste Tochter Maria geboren. Die Freude war sehr groß, und bei der Taufe erhielt sie als Zunamen den indischen Namen „Kirubei“, das bedeutet auf deutsch Gnade. Auch das zweite Kind, Elisabeth, die im Jahr 1882 folgte, erhielt, wie alle folgenden Kinder, einen indischen Zunamen: „Samathanam“, das bedeutet Friede. Trotz der häufigen Abwesenheit des Vaters verlebten die beiden Mädchen eine fröhliche und unbeschwerte Kindheit in Majaveram.

Sonnige Kinderjahre durften wir dort erleben. Wie schön war’s, wenn wir mit den lieben Eltern auf die Berge durften. In Sänften wurden wir hinaufgetragen. Einmal sahen wir dort einen Wald voll Affen, die lustig von Baum zu Baum sprangen. Das machte uns viel Spaß. Wir holten uns die Apfelsinen von den Bäumen und schaukelten uns auf den schwankenden Zweigen der Ölbäume. In den Kaffeeplantagen spielten wir Verstecken. Viel Freude machte es uns, als wir einmal den lieben Vater auf einer Reise im Ochsenwagen begleiten durften.

Allerhand Erlebnisse mit Schlangen und Skorpionen haben wir auch gehabt und wurden oft von unserem Schutzengel behütet. Vater brachte mir einmal eine Lachtaube mit. Ich hatte sie gefüttert und legte mich auf der Schwelle zwischen Halle und Veranda zum Mittagsschläfchen nieder. Da höre ich ein Piepsen und denke, es ist meine Lachtaube. Da sehe ich über mir zwei Schlangenschwänze herabhängen. Auf meinen Ruf „Bambu! Bambu!“ kommt Vater mit einem Stock bewaffnet, und nun beginnt eine Schlangenjagd. Die eine Schlange wurde erlegt, die andere entkam. Einmal fanden wir einen Skorpion im Puppenbettchen. Und wie manchmal haben uns die Raben unser Butterbrot aus der Hand fortgeholt! Vater bekam einmal einen Affen geschenkt. Auf dem großen Flambobaum hatte er sein Quartier und hat uns viel Spaß gemacht. Die verschiedensten Papageien hatten wir, die allerlei sprechen konnten. Viel Freude machte mir ein zahmer Star, Maina. Bei Tisch saß er stets auf der Lehne meines Kinderstühlchens hinter mir. Wir fütterten ihn mit Heuschrecken. Ein lieber Spielkamerad war ein Truthahn. Jeden Tag seiften wir ihn ab. Wir wollten ihn mit nach Deutschland nehmen und dachten, in Deutschland muss alles weiß aussehen. Der Truthahn war aber schwarz. Das rührende Tier ließ sich auch die Procedur ganz geduldig gefallen. Zum Lohn bekam er dann ein Halsband umgebunden, aber weiß waschen konnten wir ihn doch nicht. Da musste er auch in Indien bleiben.

Einmal starb ein Kälbchen, und da die Kühe in Indien keine Milch geben, wenn das Kälbchen nicht daneben steht, wurde es ausgestopft und an einem Baum befestigt, damit es die weißen Ameisen nicht auffressen sollten. Wenn dann die Kuh gemolken wurde, ließ man das Kälbchen herunter. Zu Weihnachten war die Kirche mit bunten Papierguirlanden geschmückt. Nach der Christvesper bekamen erst die Waisenkinder und Diener und alle Leute auf der Station beschert. Dann kam das Christkind auch für uns. Die Puppe und das Bettchen und das Neue Testament, das ich zum letzten Weihnachtsfest in Indien 1886 bekam, habe ich noch.

Manchmal gingen wir mit den Eltern durch ein kleines Palmwäldchen, das nah am Missionshaus lag, bis zum Kaweri spazieren. In der Regenzeit, wenn viel Wasser im Kaweri war, warfen wir Blumen hinein und freuten uns, wenn sie so schnell fortschwammen. In der trockenen Zeit konnten wir hindurch gehen. Da sahen wir die braunen, flinken Tamulen die glatten Kokosstämme hinaufklettern, so hoch, daß man sie kaum noch sehen konnte und Kokosnüsse herunterholen. Wie gern aßen wir die Kokosnüsse und tranken die Kokosmilch! Überhaupt, wie köstlich waren die indischen Früchte! Bananen und Mangos, Apfelsinen und Ananas. Wir liebten es sehr, wenn wir abends beim Mondenschein hinaus durften. Der Mond war so hell, daß man bei seinem Schein lesen konnte. Es machte uns Kindern Spaß, uns gegenseitig auf den Kopf zu treten, auf den Kopf, den der Schatten warf. Es kam uns so wunderbar vor, daß der Mond immer mit uns ging, wenn wir weiter gingen. Wie treulich haben unsere lieben Eltern für uns gesorgt und uns eine glückliche und sonnige Jugendzeit beschert! Abends betete Mutterle mit uns und sang uns noch ein Lied. Noch fühle ich ihre liebe Hand sanft über mein Köpfchen streicheln. Vom Bett aus konnte ich gerade auf einen großen Mangobaum sehen, der von vielen tausend Glühwürmchen hell erleuchtet war. Ein wundervoller Anblick, den ich nie vergessen werde. Als ich größer wurde, machte ich unter Mutterles Leitung die ersten Schreib- und Strickversuche und lernte lesen und schreiben. Dann kam die Zeit heran, daß wir nach Deutschland mußten.

( Aus meiner Jugendzeit, S. 1 f )

Im Herbst 1886 war Maria, die älteste Tochter, sechs Jahre alt geworden, und dieser Geburtstag brachte einen tiefen Einschnitt in das Familienleben mit sich, die Ausreise nach Deutschland. Da Maria ganz besonders an ihrer, nur ein Jahr jüngeren Schwester Elisabeth hing, und diese ohnehin im folgenden Jahr Indien hätte verlassen müssen, wurde schweren Herzens beschlossen, sich von beiden Kindern zu trennen. Ein Heimaturlaub kam für die Eltern noch nicht in Frage, so dass die beiden einem befreundeten Missionarsehepaar mitgegeben werden sollten, die ihren Heimaturlaub antraten. Die Abreise sollte noch vor dem geplanten Umzug nach Madras erfolgen, so dass die Kinder sich nicht noch für einige Monate in eine neue Umgebung eingewöhnen mussten, bevor sie Indien endgültig verließen.

Diener und Kinderfrau mit der ältesten Tochter Maria

In einigen Wochen feiert unser ältestes Kind Marie ihren 6. Geburtstag, und es beschleicht uns eine rechte Wehmut bei dem Gedanken, dass wir ihr zum letzten Male in Indien ihren Geburtstagstisch aufbauen. Da unser Mariechen von Natur ein etwas zartes Kind ist, so sehen wir an ihr doch recht die Notwendigkeit ein, sie zum Besten ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung nach Deutschland zu schicken. Da sie aber in so inniger Liebe an ihrer jüngeren Schwester, der viel robusteren Elisabeth hängt, so möchten wir dies Schwesternpaar nicht gern trennen, sondern Elisabeth auch gleich mitschicken, da sie ein Jahr später doch auf alle Fälle auch gehen müsste. Ich habe deshalb nach reiflicher Überlegung gestern ein Gesuch an das hochw. Missions-Kollegium via Tranquebar eingereicht mit der Bitte, die Reisekosten meiner zwei ältesten Kinder für Frühjahr 1887 zu bewilligen und möchte mit diesem Privatbrief jene Bitte noch einmal herzlich aussprechen. Meine Frau und ich können ja die Kinder nicht selbst heimbringen, da wir Gott sei Dank so frisch und gesund sind, daß wir noch nicht an die Heimreise denken.

( Briefe an die Direktoren, 6.9.1886 )

Dann kam die Zeit heran, dass wir nach Deutschland mussten. Wie mag der armen Mutter das Herz geblutet haben, wenn sie an die Trennung dachte. Uns erzählte sie viel Schönes von Onkel und Tante, von Vettern und Bäschen, von der Schaukel und dem Schnee, dass wir voller Erwartung waren und uns freuten. Am 14. April 1887, am Reisetag, wachte ich früh auf und weckte meine Schwesterlein mit den Worten: „Liesbethchen, steh schnell auf, heute reisen wir nach Deutschland.“ Ich dachte wohl, dass wir noch heute in Deutschland ankommen würden. Mutterle hatte mir meine Puppe so schön zurecht gemacht. Der liebe Vater betete mit uns und segnete uns, und dann nahmen wir Abschied von der lieben Mutter, und fuhren mit Vater nach Madras. Ein kleines Schiff brachte uns zum Grossen. Wir stiegen eine Strickleiter hinauf. Vater zeigte uns unsere kleine Kabine, in der wir schliefen. Dann gingen wir mit ihm auf Deck und nahmen Abschied von ihm. Da wurde uns erst recht klar, was Abschied nehmen heisst, als Vater im kleinen Schiff wieder fortfuhr und wir allein, ohne Vater und Mutter, auf dem grossen Schiff zurück blieben. Wir haben viel unter Heimweh gelitten. Aus dem kleinen, runden Kabinenfensterchen schauten wir in die Wellen, bis wir endlich einschliefen. Elisabeth mochte nichts essen, sie weinte fort und fort, ich musste sie trösten. In Ceylon bestiegen wir das grosse Schiff „Hohenstaufen“, das uns nach Deutschland brachte.

( Aus meiner Jugendzeit, S. 2 )

Wie tröstlich für die Eltern, bei allem Schmerz, den ihnen die Trennung bereitete, dass ihnen noch die Töchter Martha und Gertrud blieben, und das fünfte Kind unterwegs war. Nach sieben Jahren intensiver Arbeit endete für die Missionarsfamilie die Zeit in Majaveram, eine Zeit, an die Kabis sich später immer wieder gerne mit wehmütiger Rührung erinnerte, und die er als seine schönste Zeit in Indien bezeichnete. Der Weisung des Missionsdirektoriums gehorchend, musste er schweren Herzens von seiner geliebten Station, seinen Mitarbeitern und zahllosen einheimischen Freunden Abschied nehmen, um in Madras eine neue Aufgabe zu übernehmen. Etwa eintausend Christen, die er in diesen Jahren getauft hatte, bereiteten ihm einen rührenden Abschied.


Madras 1887 – 1890

Die Arbeit, die Kabis auf der neuen Station vorfand, unterschied sich grundlegend von seinen bisherigen Aufgaben. Zwar gab es auch im dortigen Distrikt einige kleinere Pariagemeinden, die seelsorgerlich zu betreuen waren, der Schwerpunkt der Tätigkeit lag jedoch eindeutig in der Führung einer Stadtgemeinde, die hauptsächlich aus gebildeten Sudras bestand und bereits eine feste Ordnung und ein gut organisiertes Gemeindeleben besaß. Weitere Aufgaben ergaben sich durch die Betreuung der höheren Schulen vor Ort, insbesondere der Fabriciusschule.

Kabis brauchte erst eine gewisse Zeit, um sich in die neuen Verhältnisse einzuleben, so dass aus den ersten Monaten kaum Berichte vorliegen. Groß war die Freude in der Familie, als die beiden Schwestern im September 1887, also ziemlich bald nach der Ankunft in Madras, einen Bruder bekamen, dem zwei Jahre später ein weiterer Bruder folgte. So waren die Eltern doch ein wenig getröstet in ihrem Schmerz über die Trennung von den beiden ältesten Mädchen. Diese waren inzwischen bei Verwandten in Deutschland untergebracht, besuchten dort die Schule zusammen mit ihrer Cousine, und fühlten sich in der neuen Heimat recht wohl.

Die Fabriciusschule vor dem Umbau

In Volksberg verlebten wir eine ungetrübte, glückliche Kindheit, an die wir nur dankbaren Herzens zurückdenken können. Wir wurden sehr einfach erzogen, sehr einfach in der Kleidung und sehr einfach im Essen. Zum Vesper gab es trocken Brot und Nüsse, oder einen Apfel oder Zuckerbirnen von unserem Birnbaum. Zum Abendbrot bekamen wir Suppe oder Bratkartoffeln, oder Milch und Brot eingebrockt, nur sonntags Tee und ein Stückchen Zucker darin und Butterbrot und ein Scheibchen Wurst darauf. Wie glücklich und zufrieden waren wir dabei.

Eine grosse Freude wars, wenn die Briefe aus Indien kamen. Wie treu schrieb uns unser Mutterle! Jeden Sonntag war pünktlich der Brief da. Durch diese Briefe schlang sich ein festes Band um uns, sodass wir unsern Eltern nicht entfremdet wurden, wie das leider bei so vielen Missionarskindern der Fall ist.

( Aus meiner Jugendzeit S. 4 )

Im November 1888, wurde die Einrichtung einer eigenständigen Gemeinde mit einem einheimischen Pastor im Stadtteil Pursebakam beschlossen. Dieser Pastor erwies sich als ausgesprochen tüchtig und wurde von seiner Gemeinde sehr schnell angenommen und anerkannt, so dass Kabis durch ihn eine wesentliche Entlastung erfuhr. Mussten doch nun die Gemeindemitglieder nicht mehr wegen jeder noch so unbedeutenden Angelegenheit den Missionar aufsuchen, sondern konnten sich direkt an ihren einheimischen Pastor wenden. Besonders erfreut war Kabis darüber, endlich einen Brahmanen taufen zu können, wenngleich die Begleitumstände für ihn schwierig und konfliktträchtig waren. Dieser Mann, dessen Bekanntschaft Kabis durch einen Oberlehrer der Fabriciusschule gemacht hatte, war als Hindupriester in den vornehmen und wohlhabenden Familien tätig, um dort bei Trauerfeierlichkeiten die entsprechenden Zeremonien mit den alten Sanskritformeln zu vollziehen, bei Geburten das Horoskop zu stellen, oder für eine Hochzeit den günstigsten Tag zu berechnen. Nach ersten Kontakten mit einigen Missionaren, die ihm auf verschiedenen Reisen begegneten, entschloss er sich, das Priesteramt aufzugeben und in einer Druckerei durch Korrektur lesen seinen Lebensunterhalt zu verdienen, da er neben der Tamilensprache auch Telugu und Sanskrit beherrschte.

Durch seinen Kontakt mit dem Oberlehrer, in dessen Haus er nun häufiger zu Gast war, brach er darüber hinaus auch mit seiner Kaste. Seine Frau stand dem Wunsch ihres Mannes, Christ zu werden, ablehnend gegenüber, und als sie kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes starb, wurden das kleine Mädchen und ein dreijähriger Sohn von Verwandten aufgenommen. Der Brahmane hielt trotzdem an seinem Vorsatz fest, obwohl die Kinder ihm auf der Straße nachriefen „Ein Papan (Brahmane) ist Paria geworden!“ und er von seiner Verwandtschaft bedrängt und beschimpft wurde: „Du treuloser Heuchler, schämst du dich nicht? Wehe uns, dass du unser Priester gewesen bist. Ist denn alles Lüge, was du uns als Wahrheit gelehrt hast? Scheust du nicht zurück vor der schrecklichen Zeremonie, die höchstens Paria an sich vollziehen lassen?“ Trotz dieser Widerstände ließ er sich unter großer Anteilnahme der Gemeinde taufen, aber nun begannen erst die eigentlichen Schwierigkeiten.

Er verlangte von seinen Verwandten die Herausgabe seiner Kinder, wurde jedoch an der Tür abgewiesen. Einen Paria, einen nunmehr Kastenlosen und Unreinen wollte man nicht im Haus haben. Auch Kabis Vermittlungsversuche brachten keinen Erfolg, und ein in letzter Verzweiflung gestarteter Entführungsversuch des kleinen Sohnes gelang nicht. So blieb dem Vater nur der Weg vor ein Zivilgericht und eine Klage mit ungewissem Ausgang. Neben diesen Schwierigkeiten gab es aber auch viel Positives zu berichten. Eine besondere Freude war es für Kabis, bei seinen zahlreichen Hausbesuchen einen lebendigen christlichen Glauben vorzufinden.

Als ich am Anfang meiner Tätigkeit sämtliche Christenhäuser der Reihe nach besuchte, wurde ich in keinem fortgelassen, ohne dass man mich aufforderte, mit der Familie zu beten. In den meisten Familien wird regelmäßig Hausandacht gehalten, und um die Gemeinde an die Hauptgebetszeiten am Morgen und Abend zu erinnern, habe ich seit Anfang dieses Jahres das Läuten der Gebetsglocke eingeführt, wie seinerzeit in Majaweram. Unvergesslich ist`s mir, der ich an meine armen Pariachristen gewöhnt war, wie ich, als ich hier in Njanamuttu Pülleis Haus das erste Mal eine Abendandacht hielt, auf meine Frage, ob sie ein Lied mitsingen könnten, die Antwort erhielt: „O gewiss, soll ich den Gesang mit dem Harmonium begleiten?“ Der Hausvater besitzt nämlich ein kleines Harmonium, das er selbst zur Pflege des Hausgesangs spielt.

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria S. 32 )

Viel Zeit und Kraft brauchte Kabis auch für die Verwaltung und den Ausbau der verschiedenen Schulen, die ihm unterstanden. So war zum Beispiel für die bereits oben erwähnte Fabriciusschule, einer Mittelschule für Jungen, auf Grund der ständig steigenden Schülerzahlen ein Neubau dringend notwendig, und der Mangel an geeigneten Lehrkräften für die Mädchenmittelschule, die zu jener Zeit noch weiblich zu sein hatten, machte ihm große Sorgen. Darum beklagte er in seinen Eingaben an das Missionshaus in Leipzig das völlige Fehlen europäischer Missionslehrerinnen oder Gemeindediakonissinnen.

Die englischen Missionsgesellschaften sind mit vollen Segeln dem Zuge der Zeit gefolgt und haben eine ausgebreitete Arbeit unter heidnischen und christlichen Mädchen und Frauen. Wenn in einem Punkte, so sind wir hierin hinter fast allen Missionen zurück, wenn ich auch die treue, aufopfernde Arbeit vieler unserer Missionsfrauen voll anerkenne. Aber so wenig daheim auch die tüchtigste Pfarrfrau bei ihren häuslichen Pflichten in einer größeren Gemeinde die Arbeit einer Gemeinde- und Schuldiakonissin ersetzen kann, so wenig kann eine Missionarsfrau eine europäische Lehrerin ersetzen. Zudem handelt es sich ja nicht nur um die Pflege und Leitung unserer Mädchenschulen. Die Missionsdiakonissinnen, an die ich denke, haben die Aufgabe, sich auch in die heidnischen Senanas Eingang zu verschaffen, in die der indischen Verhältnisse halber unser Wort nicht dringen kann. Schuldiakonissinnen sind es, die wir zunächst in unserer Mission dringend brauchen.

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria, S. 34 f )

Diese Eingabe wurde offensichtlich so ernst genommen, dass bereits 1890 die erste Missionslehrerin in Indien eintraf, der in den Jahre 1891, 1895 und 1899 weitere folgten, so dass im Jahr 1910, als Kabis Indien verlassen musste, siebzehn Missionsschwestern bzw. Missionslehrerinnen im Einsatz waren.

Im Frühjahr des Jahres 1889, Kabis war nun fast zwölf Jahre ohne Unterbrechung in Indien tätig, bat er nach reiflicher Überlegung um den sicherlich verdienten Heimaturlaub für das Frühjahr des kommenden Jahres.

Da uns natürlich viel daran liegen muss, schon bei Zeiten zu wissen, ob die Heimreise erlaubt wird, oder nicht, ist es auch für mich wohl höchste Zeit, die Gründe anzuführen, die mich bewogen, um Urlaub zu bitten. Als erster und gewöhnlichster Grund wäre ja mein körperliches Befinden anzuführen. Durch Gottes Gnade ist ja meine Gesundheit noch nicht so gebrochen oder untergraben, daß ich ohne Gefahr absolut nicht noch länger bleiben könnte. Aber ich spüre meine indischen zum Teil recht schweren und arbeitsreichen Dienstjahre von Jahr zu Jahr mehr und habe das bestimmte Gefühl, dass eine Heimreise im nächsten Jahre gerade noch zur rechten Zeit die Erholung brächte, die für Leib u. Seele nötig, um durch Gottes Gnade noch eine Reihe von Jahren hier arbeiten zu können, was mein größter Herzenswunsch ist. Denn dass mir meine Arbeit hier sehr lieb und im Laufe der Jahre immer mehr ans Herz gewachsen, brauche ich Ihnen nicht zu versichern. Ist aber eine Erholung nötig, so ist sie zur rechten Zeit eine doppelte Erholung. Gleiches gilt natürlich auch von meiner l. Gehilfin, deren Umstände menschlich gerechnet eine Heimreise im Frühjahr 1890 gestatten, während später wieder hindernde Umstände leicht eintreten könnten. (bestehende Schwangerschaft)

Der andere Grund, der uns zur Bitte um Urlaub nötigt, sind unsere Kinder, von denen die Älteste, dann 6 ½ Jahre alt, wegen ihrer zarten Constitution nach Hause sollte, während die 4. hier in Madras nie recht gesund wird und uns beständig Sorge macht, so dass verschiedene Doktoren geraten haben, sie sobald wie möglich nach Hause zu bringen. Dies kränkliche Kind können wir aber unmöglich Jemandem mitgeben. Zudem haben sich durch den Tod meiner teuren Eltern die Verhältnisse daheim so geändert, dass wir diese Kinder selbst mal wo unterbringen müssen.

( Briefe an die Direktoren, 6.5.1889 )

Dem Gesuch wurde nach einigem Hin und Her stattgegeben. Zuvor musste aber für eine Vertretung gesorgt werden, zumal ein anderer Missionar zur gleichen Zeit Heimaturlaub machen wollte, Schließlich konnte die Familie im April 1890 Indien verlassen. Eine recht beschwerliche Überfahrt, das jüngste Kind war erst knapp ein halbes Jahr alt, stand bevor.


Erster Heimaturlaub 1890/91

Wie wundervoll war dann nach drei Jahren das Wiedersehn mit den geliebten Eltern, mit den beiden Schwesterlein und den zwei kleinen unbekannten Brüdern! Schon lange waren unsere kleinen Herzen voll Vorfreude, und als dann am Sonntag, den 18. Mai 1890 die Freudenbotschaft kam: „Noch heute kommen wir in Volksberg an!“, kannte unser Glück keine Grenzen. Girlanden wurden gewunden und Sträusschen aus Vergissmeinnicht und Immergrün, der Eltern Lieblingsblumen, gemacht. Die wollten wir den Eltern bei der Ankunft überreichen. Da Martha sehr neugierig war, Maikäfer kennen zu lernen, suchten wir welche und drückten sie ihr dann gleich beim Empfang in die Hand. Endlich, endlich kam der Wagen an, der die lieben Eltern von der entfernten Station abholte. Das ganze Dorf hatte sich in der Nähe des Pfarrhauses versammelt. Alle wollten sich an dem frohen Ereignis mitfreuen und Zeuge unseres Glückes sein. Wer kann das Glück in Worte fassen, das unsere Herzen erfüllte, als Vater und Mutter uns nach drei Jahren langer Trennung in ihre Arme schlossen und uns wieder an ihr Herz drückten! Glückselige Tage des ungetrübten Beisammenseins folgten. Ich konnte abends oft vor Glück nicht einschlafen. Es war doch kaum zu glauben, dass nur durch eine Wand getrennt, die lieben Eltern nebenan schliefen.

( Aus meiner Jugendzeit, S. 4 )

War auch die Freude über das Wiedersehen bei allen Beteiligten sehr groß, so war sie doch bei den Eltern nicht gänzlich ungetrübt. Das Elternhaus, in dem Kabis so viele schöne Jahre verlebt hatte, gab es nicht mehr, da Vater und Mutter in der Zwischenzeit gestorben waren und sich die Geschwister in alle Himmelsrichtungen zerstreut hatten. So kam die Familie bei einem jüngeren Bruder unter, der ein großes Pfarrhaus bewohnte und ein ganzes Stockwerk freimachen konnte. Es war nicht einfach, die notwendigen Möbel und Gerätschaften für eine achtköpfige Familie zu organisieren, und als endlich das Nötigste vorhanden war, in dem Bewusstsein zu leben, dass die Abreise von Deutschland schon wieder näher rückte.

Da Kabis während seines Deutschlandurlaubs nur 2/3 seines indischen Gehaltes erhielt, das Leben in der Heimat aber doch erheblich teurer als in Indien war, stellten sich zudem schnell finanzielle Sorgen ein. So sah er sich nach sechsmonatigem Aufenthalt in Deutschland gezwungen, eine entsprechende Bitte an das Missionskollegium zu stellen.

Hochwürdige Herren. In der Meinung, dass der Erziehungsbeitrag der Mission sich während des Urlaubs eines Missionars auf alle Kinder beziehe, um auf diese Weise den für einen kinderreichen Vater empfindlichen Gehaltswegfall von 1/3 seines indischen Gehaltes wieder gut zu machen, bat ich Herrn Direktor um einen Erziehungsbeitrag für alle meine 6 Kinder. Herr Direktor schrieb mir aber, dass ich nach Wortlaut und Sinn der betreffenden Regeln nur einen Beitrag für die Kinder zu beanspruchen hätte, die ich bei meiner Rückkehr nach Indien in der Heimat zurücklassen würde. In Folge davon ist also meine Jahreseinnahme während des Urlaubs von 3.500 auf 3.033,33 Mk zurückgegangen. Ich würde selbstverständlich mit dieser Verminderung der Jahreseinnahmen vollständig zufrieden sein und nie daran gedacht haben, wegen dieser Verminderung an und für sich beim hochw. Collegium vorstellig zu werden, wenn ich mich nicht in Folge der Wirthschaftsresultate der letzten 6 Monate und um meiner eingetretenen finanziellen Nöte willen leider gezwungen sähe, mich mit einer diesbezüglichen Bitte an das hochw. Collegium vertrauensvoll zu wenden.

Ich bin während meiner 13 jährigen Dienstzeit nie mit einer derartigen Bitte an das hochw. Collegium gekommen und tue es diesmal nur mit Widerstreben und nach langem Zögern und reiflicher Überlegung. Aber da ich trotz aller Sparsamkeit in Erfahrung gebracht, dass von Monat zu Monat die Ausgabe die Einnahme immer mehr übersteigt, habe ich mich zu obiger Bitte gezwungen gesehen. Was das Leben jetzt in Deutschland kostet, noch dazu für einen in der Heimat fremd gewordenen, der sich auf ein Jahr um seiner Familie willen eine eigne Häuslichkeit gründen muss, brauche ich nicht näher zu beschreiben und auszuführen. Abgesehen davon, dass man in Indien seinen Hausrat mit Verlust verkaufen muss, um nach 1 ½ Jahren sich Alles wieder teuer neu anzuschaffen, hat man hier in Deutschland trotz der größten Einschränkung eine Menge Haus- und Küchengerät anzuschaffen, den man nicht mit nach Indien nehmen kann. So hat man z.B. auch für einen Winter die ganze Familie mit teurer Wintergarderobe zu versorgen, die einem, wenn man hier bliebe, im nächsten Jahre wieder zu Gute käme, uns aber bei der Rückkehr nach Indien nutzlos ist. So könnte man noch Vieles anführen zum Beweis dafür, dass ein Urlaubsjahr finanziell sich gar schwierig gestaltet. Nur eines möchte ich noch erwähnen, dass man nach so langer Abwesenheit doch auch gern mal seine Verwandten wiedersehen möchte und also Reisen zu machen hat, die man sich, wenn man immer hier wäre, auf Jahre verteilen würde.

Meine dringende Bitte Ihrer väterlichen Fürsorge vertrauensvoll ans Herz legend, verbleibe ich, hochw. Herren, Ihr gehorsamstergebener Joh. Kabis

( Briefe an die Direktoren, 19.12.1890 )

Dieser dringenden Bitte wurde drei Monate später entsprochen, eine Entscheidung, die nicht nur Kabis mit großer Freude erfüllte, sondern auch von den anderen Missionaren mit Genugtuung aufgenommen wurde, kam sie doch auch ihnen zugute.

Die gemeinsamen Monate vergingen wie im Fluge. Zwar blieb Kabis viel Zeit für die Familie, er war aber auch immer wieder auf Reisen, sei es, um Verwandte zu besuchen, oder aber, was ziemlich häufig vorkam, auf Missionsfesten aus seiner Arbeit zu berichten und unermüdlich um Spenden für seine Missionsaufgabe zu bitten. Das Weihnachtsfest wurde gemeinsam gefeiert und sollte allen Beteiligten noch lange in froher, aber auch wehmütiger Erinnerung bleiben. Viel zu bald schon musste an die bevorstehende Rückkehr nach Indien gedacht werden, und die Frage nach der Unterbringung der Kinder rückte immer mehr in den Vordergrund der Überlegungen. Der Wunsch der Eltern, die Kinder möglichst gemeinsam im Verwandtenkreis unterzubringen, ließ sich nicht verwirklichen. Wer kann schon, zusätzlich zu den eigenen Kindern, fünf weitere aufnehmen. Lediglich der jüngste Sohn Siegfried sollte die Eltern wieder nach Indien begleiten. Schließlich ergab sich die Möglichkeit, die vier Mädchen gemeinsam in einem Hildesheimer Pensionat zu lassen, während der kleine Walter bei einer Pfarrfamilie in der Nähe von Hannover untergebracht wurde. Dort war kurz zuvor der eigene Sohn, ebenfalls mit Namen Walter, gestorben, und die traurigen Schwestern wünschten sich sehnlichst wieder einen Bruder. So waren die Kinder räumlich nicht allzu weit getrennt, so dass gegenseitige Besuche noch möglich waren. Keine rundherum befriedigende, aber unter den gegebenen Umständen doch bestmögliche Lösung. Zwar wurden die Mädchen im  gut versorgt, die eigentliche Liebe und Geborgenheit sollten sie jedoch in den folgenden Jahren im Haus der Pflegeeltern ihres Bruders finden.

Am 28. Juli 1891 brachten uns die Eltern nach Hildesheim in unsre neue Heimat. Vorher nahmen wir Abschied von unserm Brüderlein Siegfried, der solange in Rötha blieb und dann mit den Eltern als kleines Trostkind wieder mit nach Indien ging. Am 1. August feierten wir noch in Hildesheim den Geburtstag des lieben Vaters und dann kam der Abschied. Diesmal wurde er uns viel schwerer, wussten wir doch viel besser, was es bedeutete. Ich sehe noch die Eltern in die Kutsche steigen und zur Bahn fahren, nachdem sie mit uns gebetet und herzzerreißenden Abschied genommen hatten. Es ist doch bitterschwer, wenn Eltern und Kinder so auseinander gerissen werden. Mit Tränen füllen sich die Augen, wenn man nach so vielen Jahren daran zurück denkt.

( Aus meiner Jugendzeit S 5 f )

Ich leugne nicht, dass mir der Abschied von der Heimat diesmal sehr schwer und sauer geworden ist. Das Losreißen von den 5 Kindern war doch gar zu bitter und noch ist die Sehnsucht nach denselben nicht ganz überwunden.

( Briefe an die Direktoren, 5.9.1891 )

Die Rückreise ging über Holland und England, und nach einer insgesamt ziemlich ruhigen Überfahrt betrat die nunmehr recht kleine Familie im September 1891 wieder indischen Boden.


Tranquebar 1891 – 1893

Wieder zurück in Indien, erwartete Kabis ein völlig neues Aufgabengebiet. In Vertretung eines Amtsbruders, der sich zum Heimaturlaub in Deutschland aufhielt, sollte er den Vorsitz im heimischen Kirchenrat übernehmen. Diese Aufgabe erforderte nicht nur den vollen Einsatz, sondern auch ein erhebliches Maß an Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen, galt es doch, die Anordnungen der vorgesetzten Dienststelle in Deutschland durchzusetzen. Außerdem musste Kabis immer wieder zwischen verschiedenen Missionsstationen vermitteln, Kompetenzstreitigkeiten schlichten oder die Verteilung der ohnehin knappen finanziellen Mittel regeln.

Die Neu-Jerusalemkirche in Tranquebar

Daneben mussten die Kirchenratssitzungen vorbereitet und eine umfangreiche Korrespondenz erledigt werden, sei es mit einheimischen Verwaltungsbehörden, mit Gerichten, mit den anderen Missionsstationen oder dem Missionshaus in Leipzig, ganz zu schweigen von der Etataufstellung, -abrechnung und -verwaltung, Arbeiten, die einen erheblichen Zeitaufwand notwendig machten. Schließlich mussten die zugehörigen Gemeinden, die inzwischen schon häufig von eingeborenen Pastoren geleitet wurden, regelmäßig besucht und die Schulen visitiert werden. Die weiten Entfernungen zwischen den einzelnen Stationen, die meistens mit dem Ochsenkarren und nur selten mit dem Pferdefuhrwerk zurückgelegt werden mussten, machten diese Reisen oft recht schwierig.

Es ist eine anstrengende Arbeit, so von Dorf zu Dorf zu ziehen bei dieser Hitze u. alle Tage zu predigen, examiniren u. bes. Stunden lang mit den Leuten zu reden etc. Dazu die schlechten Wege; heute musste unser Wagen immer von 3 Leuten gehalten werden, damit wir nicht umgeworfen wurden. Durch einen Fluss mussten wir erst uns tragen lassen auf den Schultern der Leute, dann ging unser Gepäck auf den Köpfen der Leute durchs Wasser u. dann erst die Ochsenwagen. Das Wasser war so tief, dass die Ochsen schwimmen mussten u. das Wasser hoch über der hohen Radachse durch den Wagen rauschte.

( Briefe an die Direktoren, 2.7.1892 )

Eine große Freude war es für Kabis, als er bei einer Visitation der Station Majaveram, auf der er ja gut sieben Jahre gelebt hatte, viel noch von ihm getaufte Christen wiedersehen konnte, die ihn stürmisch begrüßten.

Schließlich soll noch eine Visitationsreise erwähnt werden, die Kabis für drei Wochen per Segelschiff nach Rangun führte, der heutigen Hauptstadt Birmas, damals noch als Teil des britischen Kolonialreiches zu Indien gehörend. Dorthin waren zahlreiche christliche Tamilen ausgewandert, die seit 1878 eine eigenständige Gemeinde bildeten. Diese Gemeinde besaß ein Gelände, auf dem nicht nur eine Schule und eine Kapelle errichtet worden war, sondern im Lauf der Zeit auch billige Mietwohnungen für eingewanderte Tamilen.

Die Synodalen der Kirchenratssynode

Die Häuser, nach Landessitte aus Holz errichtete Pfahlbauten ohne sanitäre Einrichtungen, waren der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge, stellten sie doch einen Fremdkörper innerhalb der schnell aufblühenden Stadt dar. Durch viele schikanöse Auflagen und mit fadenscheinigen Gründen wurde der Kirchengemeinde der Besitz an diesem Gelände abgesprochen, die Wohnungen sollten abgebrochen und das Land innerhalb eines Monats geräumt werden. Durch energischen Einspruch bei der Stadtverwaltung und langwierige Verhandlungen gelang es Kabis schließlich, den Räumungsbefehl rückgängig zu machen. Trotzdem waren mit dieser Entscheidung noch längst nicht alle Probleme gelöst, und Kabis sollte sich in den Folgejahren noch mehrmals in Rangun aufhalten.

Im April 1892 konnte hocherfreut die Geburt einer Tochter bekannt gegeben werden, so dass die Familie nun wieder aus vier Personen bestand. Der Kontakt zu den vier anderen Kindern in der Heimat wurde ausschließlich von der Mutter aufrecht erhalten, da es die tägliche Arbeit dem Vater nur erlaubte, einen kurzen Gruß anzufügen. In ausführlichen Briefen, im regelmäßigen Abstand von drei Wochen geschrieben, berichtete sie anschaulich von den täglichen Ereignissen auf der Station und beantwortete gewissenhaft die in der Zwischenzeit eingegangenen, und immer sehnsüchtig erwarteten Briefe und Kartengrüße der Kinder.

Meine inniggeliebten Herzenskinder!

Wirklich, ich hab es recht entbehrt, dass ich so lange Euch allzusammen nicht geschrieben habe und die drei Wochen wollten mir gar nicht vergehen, obwohl jede einzelne so schnell dahingeeilt ist. Mein Trost ist, dass Ihr dazwischen doch Einzelbriefe erhalten habt, und solche Euch zu schreiben ist mir ja auch ein Herzensbedürfnis und manchmal unerlässlich. Nun werden wir heute Abend Eure Briefe von Ostern erhalten und wenn diese Zeilen in Eure Hände gelangen, ist das Pfingstfest schon nah vor der Tür. Eure lieben Briefe sind allwöchentlich unser größtes Glück und Freude.

( Briefe an die Kinder, 2.5. 1892 )

Ebenso gehörte es zur Aufgabe der Mutter, die umfangreiche private Korrespondenz zu erledigen, die vielen Briefe an die große Verwandtschaft, aber auch an die Freunde in der Heimat, die oft mit großen und kleinen Spenden die Missionsstation unterstützten und natürlich auch ein Dankeschön erwarteten. Bei ihrer täglichen Arbeit wurde sie von zwei Dienern unterstützt, die sowohl für die Zubereitung der Hauptmahlzeit als auch für die Reinigung und Instandhaltung des Hauses zuständig waren. Daneben gab es noch eine einheimische Kinderfrau für die Betreuung der beiden Kinder. Weitere Angestellte waren draußen im Garten zu beaufsichtigen. Dieses Personal war letztendlich nicht unbedingt notwendig, die Anstellung ermöglichte es den einheimischen Christen aber doch, ihren täglichen bescheidenen Lohn etwas aufzubessern. In Zeiten großer Dürre und damit verbundener Hungersnot wurden zeitweise über 200 Menschen beschäftigt, aber darüber wird noch an anderer Stelle zu berichten sein. Zweimal wöchentlich versammelte die Mutter außerdem die Mädchen der umliegenden Dörfer zur sogenannten Mädchennähschule, um ihnen so Fertigkeiten zu vermitteln, die Grundlage für eine spätere Arbeitstätigkeit sein konnten. Im Februar des Jahres 1893 kehrte der beurlaubte Missionar wieder nach Tranquebar zurück, so dass Kabis den Vorsitz im Kirchenrat in seine bewährten Hände zurückgeben konnte und voller Freude auf seine Station in Madras zurückkehrte, die er vor fast genau drei Jahren verlassen hatte.


Madras 1893 – 1901

Wieder zurückgekehrt auf seine alte Station, erwartete Kabis viel Arbeit. Einerseits waren in der Zwischenzeit viele Aufgaben unerledigt geblieben, da sein Vorgänger mit der Stationsführung überfordert gewesen war, andererseits stand die Visitationsreise des Leipziger Missionsdirektors unmittelbar bevor. Der Empfang sollte natürlich so festlich wie möglich sein, und Kabis nahm sofort die entsprechenden Vorbereitungen in Angriff.

Als die Reisegesellschaft am 23. Oktober in Madras eintraf, wurde sie von einer großen Menschenmenge der beiden Stadtgemeinden begeistert empfangen und nach Landessitte zur Begrüßung mit Girlanden bekränzt. Die eigentliche Visitation begann dann einige Wochen später und verlief zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten. Der Bitte der Gemeindemitglieder, das Schulwesen in der weiteren Planung stärker zu gewichten, sowie der konkreten Forderung nach einem Ausbau der Fabriciusschule, wurde entsprochen, so dass bereits am 21. November die feierliche Grundsteinlegung erfolgte. Eine Urkunde, welche die Geschichte der Schule belegte, zu der Zeit besuchten 96 christliche und 177 andersgläubige Schüler die Schule, wurde in dem Grundstein eingemauert, und der Missionsdirektor persönlich vollzog die Grundsteinlegung, nachdem er die besondere Bedeutung dieser Missionsschule gewürdigt hatte. Der Grundstein trug die Inschrift: Dieser Grundstein der Evang.-luth. Fabriciusschule wurde von Missionsdirektor von Schwartz am 21. November 1893 gelegt. Eph. 2,20.

Bereits ein dreiviertel Jahr später, am 12. Juli 1894 konnte die Schule eingeweiht werden. Kabis war es gelungen, einen der Mission freundlich gesinnten Bauingenieur für die Anfertigung des Bauplanes und für die Bauaufsicht zu gewinnen, der sich sogar bereit fand, ohne Bezahlung zu arbeiten. Das große, architektonisch recht ansprechende Gebäude, hob sich deutlich von den umliegenden Häusern des Stadtteils Pursebakam ab. Zur Einweihung erschienen nicht nur einheimische Regierungsvertreter, Repräsentanten der Kolonie deutscher Kauf leute, sondern auch der deutsche Konsul. Selbst die Prinzessin Thekla von Schwarzburg Rudolstadt, der Kabis noch aus seiner Jugendzeit freundschaftlich verbunden war, hatte es sich nicht nehmen lassen, zwei eigenhändig in Holz gebrannte tamilische Sprüche als Wandschmuck für den Schulsaal zu stiften.

Neben dem Schulausbau sorgte sich Kabis insbesondere um die wirtschaftlich Not der zum christlichen Glauben übergetretenen Parias. Bislang besaß die Mission zahlreiche Grundstücke, die jedoch in der Regel unmittelbar zur jeweiligen Station gehörten und mit dem Missionshaus, einer Kapelle oder Kirche, einem Schulgebäude und einigen Wohnhäusern für das Personal bebaut waren. Kabis bemühte sich nun, darüber hinaus Land zu erwerben, um es den Christen zur landwirtschaftlichen Nutzung zu überlassen, und so ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern.

Die Fabriciusschule nach dem Umbau

Ich bin zwar kein Landschwärmer, weil ich aus Erfahrung die Mühe und Arbeit kenne, die die Verwaltung von solchen Missionsländereien mit sich bringt, aber es lässt sich nicht leugnen, dass Landbesitz der Mission viel mehr Einfluss verschafft als Geldbesitz, und dass erfolgreiche Arbeit unter den Parias oder Ackerbau betreibenden Sudras Ankauf von Land oft zur dringenden Notwendigkeit macht. In B. ist in Jahresfrist eine kleine Gemeinde von fast 100 Seelen gesammelt, aber mit wie viel Noth gilts zu kämpfen, da die Landbesitzer gegen die neuen Christen das Aushungerungssystem anwenden u. die Feindschaft des Großgrundbesitzers, dem ¾ des ganzen Dorfes gehört, noch nicht nachlässt. Ich habe den Leuten von der Regierung Land verschafft, aber das ist noch nicht genügend.

( Briefe an die Direktoren, 2.12.1894 )

Bevor jedoch der Landkauf in Angriff genommen werden konnte, mussten zahlreiche Altverträge aus früheren Jahren umgeschrieben und korrigiert werden. Bislang wurden die Grundstücke, da vom jeweiligen Missionar erworben, auch seitens der Behörde auf dessen Namen eingetragen. Nun ergab sich aber die Situation, dass zahlreiche Missionare schon nicht mehr in Indien lebten bzw. schon gestorben waren, so dass sämtliche Grundbucheintragungen so geändert werden mussten, dass nun die Missionsgesellschaft Eigentümerin der Ländereien wurde. Diese Landkäufe erforderten erhebliche finanzielle Mittel, die Kabis auch immer wieder aus eigener Tasche bestritt oder zunächst verauslagte, wenn die dafür vorgesehenen und bewilligten Gelder nicht ausreichten. So war es nur eine Frage der Zeit, dass er sich selbst wieder in finanziellen Schwierigkeiten befand.

Der dümmste finanzielle Streich, den ich je gemacht, war es, dass ich mein kleines väterliches Vermögen mir nach Indien kommen ließ u. doch war die Veranlassung dazu, dass ich mit meinem Gehalt absolut nicht auskommen konnte u. die Zinsen gerne zur Tilgung meiner Schulden haben wollte. Trotz unserer Sparsamkeit im Aufwand für uns hatten wir keinen Pfennig zurücklegen können. Ich habe seiner Zeit für 20 Mk nicht einmal 12 Rup. bekommen, als ich mein Geld herauskommen ließ, u. nun sind die 20 Mk = 18 R. 10 As. werth u. der Zinsfuß steht hier nun auch auf 3 ½ %, also ich hab furchtbar viel an meinem kleinen Vermögen verloren. Der Verlust eines Pferdes, dann der Diebstahl von 156 Rup. und Anschaffung von Pferd und Wagen hier waren die Veranlassung, dass ich mir mein Geld von Deutschland kommen ließ. Seit ich gesehen, dass mein bisschen Geld hier für Missionszwecke immer mehr zusammenschmilzt, hätte ich’s längst gern wieder nach Hause geschickt, um bei all der Not ringsum nicht in Versuchung zu kommen, es anzugreifen, wenn nicht inzwischen das Silber so im Wert gesunken wäre.

( Briefe an die Direktoren, 2.12.1894 )

Im Juni 1896 hatte Kabis die große Freude, die erste Missionslehrerin in Madras begrüßen zu können. So hatten seine diesbezüglichen Eingaben doch Erfolg gehabt, und die Frauenmissionsarbeit konnte beginnen. Zwar musste die Schwester zunächst noch im Missionshaus wohnen, es gelang Kabis jedoch schließlich, einen Neubau durchzusetzen, so dass im Oktober 1900 ein Haus für zwei Schwestern zur Verfügung stand. Bereits ein Jahr zuvor war in dem zum Stadtteil Pursebakam zugehörigen Pariaviertel eine Zweigschule für Mädchen eingerichtet worden, so dass nun auch die Kinder der Ärmsten eine Schule besuchen konnten.

Trotz der zahlreichen Pflichten in der Stadtgemeinde gelang es Kabis immer wieder, sich für die ihm so wichtige Aufgabe, die Verkündigung der christlichen Botschaft freizumachen. Wann immer möglich, begab er sich in die umliegenden Landgemeinden, um dort zu predigen, zu unterrichten, und die Bekehrten schließlich zu taufen. Im Lauf der Jahre trat diese Arbeit immer mehr in den Vordergrund, beanspruchte schließlich seine ganze Zeit und fand ihre Würdigung in dem Ehrentitel „Vater der Parias“, der im gegen Ende seines unermüdlichen Einsatzes gegeben wurde.

Bereits zu Beginn seiner Tätigkeit in Madras im Sommer 1893 erschienen vier christliche Parias bei Kabis, um ihn um Unterstützung im Kampf gegen ihren Großgrundbesitzer zu bitten. Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Ärmsten, hatte die Regierung zu jener Zeit einen Erlass beschlossen, nachdem sich die Parias um brachliegendes Land bewerben konnten, das wegen nicht bezahlter Steuern von der Regierung vereinnahmt worden war. Als die vier nun die entsprechenden Anträge stellten, fürchtete der Grundbesitzer um seinen Einfluss und ließ eines Tages diejenigen Felder abernten, die er zuvor an die Dorfbewohner verpachtet hatte. Dabei drohte er, jeden zu erschießen, der ihn an dieser Vergeltungsaktion hindern würde. Die Einwohner wandten sich an das nächstgelegene Gericht und reichten Klage gegen ihren Unterdrücker ein. Als ihnen jedoch recht bald klar wurde, dass sie mit der Parteilichkeit und Bestechlichkeit des Richters zu rechnen hatten, suchten sie Kabis auf, um diesen um Beistand zu bitten. Er erklärte sich bereit, sie zum Gerichtstermin zu begleiten, musste jedoch vor Ort feststellen, dass auch er durch seine Anwesenheit nichts bewirken konnte und dass der Richter eindeutig Partei für den Grundbesitzer ergreifen würde.

Missionsschwester und Schülerinnen der Mädchenschule

So bemühte sich Kabis mit Erfolg, dass die Klage an den nächsthöheren Gerichtshof verwiesen wurde. Dort wurde das Verfahren eröffnet und der Grundbesitzer aufgefordert, sich vor Gericht zu rechtfertigen. Dieser bekam es daraufhin mit der Angst zu tun und bat nun seinerseits den Missionar um Vermittlung. Eine solche Bitte konnte Kabis nur recht sein, war ihm doch nicht daran gelegen, den einflussreichen Mann zum Feind der Pächter zu haben. Es kam zu einem Treffen zwischen allen Beteiligten, und der Streit konnte außergerichtlich beigelegt werden. Der Grundbesitzer erklärte sich bereit, Schadenersatz zu leisten, in Zukunft auf Vergeltung zu verzichten, und das Land wieder wie zuvor den Leuten in Pacht zu geben. Dieser Vorfall, so unbedeutend er an und für sich auch war, sollte für die weitere Missionsarbeit große Folgen haben. Kabis Erfolg verbreitete sich im Dorf wie ein Lauffeuer, zwanzig Familien meldeten sich zum Taufunterricht an, und noch im gleichen Jahr konnten 42 Dorfbewohner getauft werden. Ein während der Taufzeremonie einsetzender Regen wurde von den Einwohnern für ein gutes Vorzeichen gehalten und brachte der kleinen Christengemeinde weiteren Zulauf. Nun wurde der Bau eines Bet-und Schulhauses notwendig, da die Gottesdienste bislang unter freiem Himmel oder in einem Stall abgehalten wurden.

Man gewöhnt sich ja im Leben an alles, auch an einen Ochsenstall für gottesdienstliche Zwecke. Aber, wenn an Regentagen das Vieh den Stall nicht verlassen konnte, und Ochsen und Büffel während der Predigt anfingen zu brüllen, oder die Ziegen wohl auch ihre Sprünge durch die Schar der Andächtigen machten, wirkte das doch sehr störend.

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria, S. 49 )

In den folgenden Monaten wurde Kabis immer öfter in die Nachbardörfer gerufen, um auch dort zu predigen. Viele der Neugetauften hatten Verwandte in den umliegenden Dörfern und wünschten, dass auch diese sich zum christlichen Glauben bekehren sollten. Dass hinter diesem Wunsch oft handfeste wirtschaftliche Interessen standen, war Kabis dabei durchaus bewusst.

Diese Bewegung unter den Parias ist nicht als eine rein religiöse anzusehen, sondern wird verursacht durch die furchtbar gedrückte Lage und Armut dieser jahrhundertelang in den Staub getretenen Volksklasse. Es ist, als ob die Parias jetzt aus einem langen Schlafe aufwachten und nun ihr Elend doppelt fühlten. Verzweifelnd an jeder Hilfe von seiten ihrer Priester oder Götter, ergreifen sie freudig die Hand des Missionars, die sich ihnen entgegen streckt. Er ist der Mann ihres Vertrauens. Zu ihm drängen sie sich in Scharen und bitten um Unterricht. Wenn nun der Missionar sich noch so viel Mühe gibt, unwürdige Taufbewerber zurück zu halten, so wird doch bei solchem Zudrang mancher mit durchschlüpfen, der dem auf den Felsen gesäten Samen gleicht.

( Sechs neue Gemeinden, S. 2 )

Mit der Entstehung neuer christlicher Gemeinden, allein innerhalb eines Jahres wurden 726 Personen getauft, brach die Feindschaft der Großgrundbesitzer wieder auf, denen die neu gewonnene Freiheit und das wachsende Selbstbewusstsein der Parias ein Dorn im Auge war. Insbesondere derjenige Grundherr, mit dem sich Kabis bereits zuvor auseinandergesetzt hatte, zeigte nun wieder offene Feindschaft. Als infolge von Seuchen zahlreiches Vieh in den Dörfern verendete und die Christen durch fehlende Arbeit in immer größere Not gerieten, forderte er sie auf, zu den alten Göttern zurückzukehren.

Ihr Toren, welchen Gewinn habt ihr nun davon, dass ihr Christen geworden seid? Euer Gott kann euch ebenso wenig helfen wie euer Missionar. Kommt zurück, und ihr sollt wieder Land in Pacht erhalten.

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria, S. 50 )

In dieser schwierigen Situation erfuhr Kabis von einer Brahmanenwitwe, der Besitzerin des benachbarten Dorfes Kanachawallipuram, welche ihr Landgut verkaufen wollte, das an eben jenen Großgrundbesitzer verpachtet war. Der Antrag an den Kirchenrat in Tranquebar, das Gut zu kaufen, wurde sehr zögerlich und ausweichend beantwortet, so dass Kabis sich nach langem Bedenken dazu durchrang, unter Einsatz seines bereits oben erwähnten väterlichen Erbteils, das Gut zu erwerben. Der Kaufpreis wurde ihm erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt durch eine Spendensammlung in Deutschland wieder zurück erstattet.

Ganesha

Der Kauf, von den Christen mit großem Jubel begrüßt, vergrößerte das Ansehen des Missionars erheblich, so dass sich weitere Parias zum Taufunterricht drängten, unter ihnen auch alle Arbeiter des neu erworbenen Landgutes. So kam es auch, dass der nicht mehr benötigte, in Stein gehauene Wishnu, mit seiner Frau Lakschmi, der Göttin des Glücks und der Schönheit, auf dem Schoß, langsam in Vergessenheit geriet und, von Kakteen überwuchert ein sicherlich recht unwürdiges Dasein fristete. Einige Jahre später entdeckte ihn der Gutsverwalter, zeigte ihn Kabis bei seinem nächsten Besuch und dieser beschloss, da es gerade der Geburtstag seiner Frau war, ihr die Figur als Geburtstagsgeschenk mitzubringen. Unter erheblichem Kraftaufwand wurde der schwere Stein auf den Ochsenkarren geladen, der Kabis wieder zurück zur Bahnstation brachte. Dort weigerten sich die Packer aber zunächst standhaft, die Figur zur Waage zu bringen. Erst ein reichliches Trinkgeld veranlasste sie, sich an die Arbeit zu machen, nicht ohne vor und nach dem Transport im Gebet zu verharren. Auch der Beamte, der die Waage bediente, verharrte ehrfürchtig und andachtsvoll, und ein reicher Kaufmann empörte sich über die unwürdige Behandlung des erhabenen Hindugottes und bot Kabis fünfzig Rupien, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass der Besitz für einen Ungläubigen nur Unglück bringen würde. Nur mit Mühe gelang es, die 200 Pfund schwere Figur in den Zug zu befördern.

Nach einem Zwischenaufenthalt im heimischen Studierzimmer in Madras erklärte sich der Kapitän eines deutschen Schiffes bereit, die Figur mit nach Deutschland zu nehmen, wenn Kabis für den Transport an Bord sorgen würde. Natürlich tauchten nun wieder die gleichen Probleme auf und erst nach mehreren großzügigen Trinkgeldzahlungen aber auch etlicher Drohungen durch gläubige Hindus, konnte Wishnu seine Reise nach Deutschland antreten, wo er im Museum des Leipziger Missionshauses seine letzte Zuflucht fand. Im Jahr 1896 hieß es für die Familie wieder Abschied zu nehmen, der Sohn Siegfried musste nach Deutschland geschickt werden, um dort die Schule zu besuchen. Zwar war es den Eltern eine große Beruhigung, dass sich die Pflegeeltern ihres Sohnes Walter bereitgefunden hatten, auch dieses Kind bei sich aufzunehmen, so dass die Brüder nun wieder zusammen waren, der Abschied fiel ihnen aber doch unendlich schwer.

Ach das Opfer fällt uns diesmal blutsauer und das Herz will uns schier brechen im Gedanken an den Abschied. Nun der Herr, um dessen Dienstes willen wir das Opfer zu bringen haben, wolle uns nahe sein mit seinem Troste, unsere Herzen stark machen und uns überwinden helfen.

( Briefe an die Direktoren, 24.2.1896 )

Aber der Alltag ging weiter, und das Töchterchen Gudrun blieb den Eltern noch für zwei Jahre als Trostkind erhalten. Als dann jedoch auch von dieser jüngsten Tochter, dem letzten Kind die Trennung schlug, fiel sie dem Vater sehr schwer, war diese Tochter ihm doch besonders an das Herz gewachsen. Während es sonst zu den Aufgaben der Mutter gehörte, den Kontakt zu den Kindern zu halten, finden sich nun in dem Nachlass auch Kartengrüße, die der Vater seiner jüngsten Tochter nach Deutschland schickte. So zum Beispiel eine Ansichtskarte, die einen jungen Mann in entspannter Haltung auf einem Liegesessel zeigt, Zeitung lesend und Zigarre rauchend, eine Flasche Wein neben sich auf dem Tisch, mit folgendem launigen selbstverfassten Vers:

Auf dem Stuhle Vater sitzt, liest die Zeitung, raucht und schwitzt. Gudrun bring den Fächer her, liebes Kindlein fehlst mir sehr. Kannst Du nicht mal bei mir sein und mein Vaterherz erfreun? Tausend Küsse senden wir, Gud.`durch diese Karte hier. Ich und auch Dein Mütterlein unserm jüngsten Töchterlein. Wünschen Dir, es ist schon wahr, ein gesegnet Neues Jahr.

( Madras, 13. Dezember 1900 )

Neben den traurigen Stunden des Abschieds, gab es aber auch durchaus heitere Begebenheiten, von denen Kabis zu berichten wusste.

Während der eingeborene Pastor noch mit den Leuten verhandelte, eilte ich ins Sudradorf, wo mir der Dorfschulze ein kleines Rasthaus zur Verfügung gestellt hatte. Mein Diener war dahin vorausgeeilt, mir meine Mittagsmalzeit zu kochen. Erhitzt und ermüdet kam ich dort an und war eigentlich zu erschöpft, um essen zu können. Ich konnte aber meiner Müdigkeit nicht nachgeben. Ein großer Menschenschwarm hatte vor dem Rasthause auf meine Ankunft gewartet, begierig zu sehen, wie der Europäer den Reis und Karri, den sie hatten bereiten sehen, verzehren würde. Das Rasthaus war nun just auch wie eine Schaubühne, ein 3 Fuß hoch gelegener überdachter Raum mit nur 3 Wänden. Auf der Frontseite ruhte das Dach auf einigen Holzsäulen. Einen Tisch und Stuhl gab`s natürlich nicht in dieser Herberge. Die Kiste, in der ich mein Kochgeschirr hatte, musste den Stuhl, der Esskorb den Tisch ersetzen. Als ich denselben mit Tischtuch, Teller und Essgeschirr feierlich gedeckt hatte, bat ich die neugierige Menge, sich zu entfernen und mich in Frieden essen zu lassen. Auf einige ältere Leute machte meine Bitte Eindruck. Sie gingen, um – bald wieder zu kommen, aber das jüngere Volk wollte sich das Schauspiel nicht entgehen lassen, das ich ihnen ohne Frage gab, und amüsierte sich sichtlich, einmal einen Europäer mit Messer, Gabel und Löffel essen zu sehen.

( Sechs neue Gemeinden, S. 11 )

Auch eine andere Begebenheit soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Der Herr Schulze bedauerte, mir keinen Stuhl anbieten zu können. Er hatte den seinigen zu einer Hochzeit verliehen. Ich war schon ganz froh, der Ehre entronnen zu sein, einen Stuhl benutzen zu müssen, dem ohne Frage unangenehme Insassen nicht gefehlt hätten, als ein nahe stehender Mann den Dorfschulzen daran erinnerte, dass ja der Karnam (Rechnungsführer) einen Stuhl besitze. Trotz meines Einspruches brachte man bald ein staubiges Möbel, das zum Glück (wenigstens nach der Bedeutung des tamulischen Wortes „Narkali“ (Vierbein für Stuhl) kein Stuhl mehr war, da ihm außer einer Armlehne das 4. Bein fehlte. Ich war froh, dass ich auf dem Rande der Veranda sitzen bleiben konnte.

( Sechs neue Gemeinden, S. 33 )

Dem Erwerb des Landgutes folgten in den nächsten Monaten in rascher Folge weitere Landkäufe, zumeist Ländereien der Christen, denen durch Zinsverzug der Verlust ihres Landes an die Wucherer drohte. In den folgenden Wochen und Monaten ergriff die Bewegung immer mehr Dörfer, so dass Kabis die Arbeit kaum noch bewältigen konnte. Aber auch die Verantwortung für die vielen Menschen lastete schwer auf seinen Schultern.

Ich weiß oft nicht mehr, was ich tun soll. Die Sorge, wie es mit all diesen Leuten werden soll, wird mir zu viel, und ich möchte fast, daß sie lieber gar nicht kämen. Denn mit dem ersten Unterricht ist es nun einmal nicht getan. Nach der Taufe fängt die Sorge und die Not erst für mich an. Aber dann meine ich freilich wieder, es nicht vor Gott verantworten zu können, sie abzuweisen.

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria, S. 54 )

Wie die Liebe erfinderisch ist im Wohltun, so ist der Hass erfinderisch zu schaden. Die Gegner wissen, dass ein Paria sich lieber auf den Rücken schlagen lässt als auf seinen Magen. So schlagen sie mit Vorliebe auf diese empfindliche Stelle und hängen für die getauften Parias den ohnehin schon hochhängenden Brotkorb noch ein gut Teil höher. Die Last dieser Bedrückung wurde durch die Teuerung der letzten Jahre beträchtlich vermehrt. Es war zum Teil furchtbar, was viele meiner armen Christen in den letzten Jahren gelitten haben. Aller Not konnte ich natürlich nicht steuern, aber dadurch, dass ich meinen letzten Pfennig hingab, und durch die barmherzige Hilfe von Freunden, die mir für meine vielen neugetauften Christen eine Extragabe zukommen ließen, konnte ich doch hier und da in der größten Not helfen.

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria, S. 61 )

Aber auch ganz äußerliche Dinge erschwerten die Arbeit des Missionars. So schien es oft fast unmöglich, den Namen oder das Alter eines Täuflings in Erfahrung zu bringen.

Hindumahlzeit

Viele schwierige Fragen gibt es da zu lösen, und bleiben sie ungelöst, so werden sie ein Hindernis für die Taufe. Nicht geringe Mühe macht es zum Beispiel, das Alter der Katechumenen festzustellen. Nur wenige haben eine Ahnung wie alt sie sind. Mancher Graukopf denkt, er habe die dreißig noch vor sich und wie oft wird mir die Antwort zuteil: „Wenn sie es nicht wissen und noch fragen müssen, wie sollen wir es wissen, die wir doch nichts gelernt haben?“ Man bekommt jedoch mit der Zeit eine gewisse Übung, das Alter der Einzelnen zu schätzen.

Die große Hungersnot von 1876/77 und sonstige Ereignisse dienen dabei oft als Anhaltspunkte. Selbst die Feststellung der Namen ist nicht leicht. Eheleute wissen oft die Namen ihrer Eltern nicht, die sie nie beim Namen gerufen haben. Da müssen andere ihnen zu Hilfe kommen. Eltern sind im Zweifel über die Namen ihrer Kinder. Oft geben sie allen Kindern denselben Namen, etwa den des Dorfgötzen, den sie am meisten fürchten. Schon glaubt man, mit einer Familie im Klaren zu sein, da stellt sich heraus, dass die Leute nicht 5, wie sie angaben, sondern 9 Kinder haben. Die 4 Töchter hat der Vater nicht als Kinder gerechnet.

( Johannes Kabis, ein Vater der Paria, S. 59 )

Trotzdem war es für Kabis natürlich immer wieder eine ganz besondere Freude, in einem neuen Dorf die ersten Christen taufen zu können. Allerdings war es oft ein langer Weg von der Anmeldung der ersten Taufwilligen bis zu deren Aufnahme in die neugegründete Gemeinde. Ein einheimischer Katechet musste eingestellt oder abgeordnet werden, um die Katechumenen zu unterrichten, ein Schulgebäude, oft nur ein nach allen Seiten hin offener Raum, von einem Palmdach vor Sonne und Regen geschützt, musste gebaut werden, und eine Kapelle, aus Lehm errichtet, eher einer Hütte als einer Kapelle gleichend, sollte auch nicht fehlen. Waren diese Voraussetzungen jedoch endlich geschaffen, konnte Kabis die feierliche Einweihung des neuen Gotteshauses und die Taufe vollziehen. Anschaulich berichtet er von einem solchen Ereignis in einem Pariadorf im nördlichen Landbezirk von Madras.

So war die Kapelle zur Einweihung fertig, als ich am Abend des 21. Oktober von Sendrajenpaleiam nach Tiruper kam. Halbwegs waren mir die Katechumenen entgegengekommen und begrüßten mich voller Freuden. Im hellen Mondschein auf der Straße mussten der Pastor und ich uns bekränzen und mit Limonen beschenken lassen. Dann ging es mit Sang und Trommelklang in Prozession nach Tiruper. Der Weg war entsetzlich und führte in einem trocknen Flussbett über Steingeröll. Rührend war die Besorgnis der Leute, dass ich meinen Fuß nur ja nicht an einen Stein stoßen möchte. Trotz des hellen Mondscheins begleiteten mich zwei Fackelträger, die mir wegen des erstickenden Qualmes sehr lästig waren, und die ich trotz aller Bemühungen nicht von meiner Seite vertreiben konnte. Sie riefen beständig „Vorsicht, Vorsicht!“ und fassten mich wie ein kleines Kind am Arm an, wenn ich auf dem Geröll zu straucheln schien. Man muss ja als Missionar in Indien sich viel Liebenswürdigkeiten, die einem oft recht lästig sind, gefallen lassen, um den Leuten ihre Freude nicht zu verderben. Als wir am Sudra-Dorfe vorbeikamen, waren die Sudras aus Neugierde trotz der vorgerückten Abendstunde in großen Scharen herbeigekommen und bildeten förmlich Spalier. Neugierig folgten sie uns bis zum Pariadorf. Als wir in dessen Straßen einbogen, wurden Böllerschüsse abgefeuert und auf dem Hügel vor der Kapelle wurde Feuerwerk abgebrannt.

Während wir dann zum Kapellenhügel hinaufzogen, wurde die Kapelle von bengalischem Feuer beleuchtet. Das war wirklich ein schöner Anblick. Alles jubelte und freute sich, daß der Einzug so erfolgreich gelungen war. Da die Kapelle erst am anderen Morgen eingeweiht werden konnte, übernachtete die ganze Versammlung auf dem Platze neben der Kapelle. Ich war sehr müde, deshalb hielt ich gleich nach unserer Ankunft die Abendandacht im Freien bei Mondschein und legte mich schlafen auf mein Feldbett, das im Schatten eines Baumes aufgestellt wurde. Die Lehrer baten mich um Erlaubnis, mit den Kindern noch eine Weile singen zu dürfen, da viele Heiden da seien, die gern noch etwas hören möchten. Die Tamulen scheinen in mondheller Nacht keine Müdigkeit zu kennen, und so erlaubte ich ihnen zu singen. Sie sangen mich schnell in Schlaf ein. Als ich in der Nacht von einem heftigen Windstoß erwachte, bot sich mir ein wundersames Bild. Rings um mein Bett herum lagen die Sänger am Boden und schnarchten, und die andächtigen Zuhörer waren auch gleich an Ort und Stelle eingeschlafen. Im Nordosten sah ich es heftig und ununterbrochen blitzen und dunkles Gewölk aufsteigen. Als der Morgen graute, war der ganze Himmel von Regenwolken umzogen. Der Monsun, vor dessen Eintritt ich diese Taufgottesdienste noch gern hatte halten wollen, hatte ohne Frage angefangen. Wir mussten uns beeilen, wenn wir vor Beginn des Regens wenigstens noch die Einweihung der Kapelle vollziehen wollten. In aller Frühe wurde deshalb in Ermanglung eines Glöckleins die Trommel gerührt zum Zeichen, dass der Gottesdienst bald beginnen werde. Es war 8 Uhr, als die Katechumene, sauber gekleidet vor der Kapelle versammelt waren. Die Lehrer der benachbarten Gemeinden waren mit ihren Schulkindern gekommen, das Fest verherrlichen zu helfen. Mit Gesang zogen wir dreimal in Prozession um die neue Kapelle. Vor der verschlossenen Tür machten wir dann Halt, und ich las abwechselnd mit Pastor Dewasagajam einige Psalmen. Dann zogen wir mit dem Liede „Alangara waselale kowilukkul pochiren“ (Tut mir auf die schöne Pforte“) in die Kapelle hinein, und nachdem alle Platz genommen und zur Ruhe gekommen waren, vollzog ich die Weihe und gab der Kapelle den Namen: „Zum guten Hirten“. Freilich dürfen sich die Missionsfreunde unter solcher Kapelle nicht eine Kapelle nach deutschem Stil vorstellen.

Schwesternhaus in Madras

Die Mauern sind nur aus Lehm aufgeführt; gothische Bogen fehlen ihr auch; das Dach ist aus Bambusstangen zusammengebunden und mit Palmblättern und Stroh eingedeckt. Das Ganze hat 57 Rupien zu bauen gekostet. Aber der schönste Schmuck fehlte diesem Gotteshause doch nicht: Die Taufgemeinde von 80 Seelen, die es füllte.

( Sechs neue Gemeinden, S. 25 f )

Als im Lauf weniger Jahre mehr als 2500 Personen getauft waren, wurde es deutlich, dass die Aufgaben nicht mehr von einem einzelnen Missionar zu bewältigen waren. Neben der Arbeit in den Landgemeinden musste ja auch noch die Stadtgemeinde in Madras von ihm versorgt werden, die Schulen vor Ort nicht zu vergessen.

So kam es zur Teilung des großen Landbezirkes und zur Neuberufung zweier einheimischer Pastoren, die zwar der Aufgabe einer eigenverantwortlichen Stationsverwaltung noch nicht gewachsen waren, als Hilfsgeistliche aber viele Amtshandlungen übernehmen konnten, die zuvor Kabis zu erfüllen hatte. Die Berufung eines zweiten Missionars, obwohl dringend erforderlich, verzögerte sich jedoch noch, nicht zuletzt durch Kabis Widerstand, dem es offensichtlich schwer fiel, Verantwortung abzugeben, und der sich wohl auch vor möglichen Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten mit einem neuen Kollegen scheute. Als dann aber schließlich im November 1900 ein zweiter Missionar berufen wurde, konnte Kabis an den dringend notwendigen Heimaturlaub denken. Unterstanden ihm doch Mitte des Jahres 81 Ortschaften mit 4294 Christen, 30 Kirchen und Kapellen sowie 53 Schulen mit insgesamt 1432 Schülern.

Durch die Übernahme des Districts seitens Bruder Gäblers ist es mir möglich geworden, das hochwürdige Collegium zu bitten, mir für nächstes Jahr Urlaub in die Heimat gütigst gewähren zu wollen, und zwar etwa von Ende Juli oder Anfang August an. So gern ich auch den erbetenen Urlaub schon etwa zu Ostern antreten möchte, so wird mir das nicht gut möglich sein, da ich im Interesse der Arbeit gern noch einige Zeit hier sein möchte, nachdem Bruder Gäbler auch Tiruvallur übernommen hat. Außerdem möchte ich auch noch die Rechnungen der landwirtschaftlichen Unternehmungen abschließen, was erst Ende Juni geschehen kann. Meine Bitte um Urlaub wird dem hochw. Collegium nicht überraschend kommen, da ich ja im nächsten Sommer seit meinem ersten Urlaube mit Gottes Hülfe 10 Dienstjahre vollendet haben werde und die letzten Jahre auf mir eine doppelte Arbeitslast gelegen hat, unter der ich schon im verflossenen Jahre manchmal zu unterliegen fürchtete. Ich fühle, daß wenn ich nicht mal plötzlich ganz zusammenbrechen soll, ich einer baldigen Ausspannung, Ruhe und Erholung in der Heimat dringend bedürftig bin. Dazu kommt, dass auch im Interesse unserer 7 Kinder daheim, von denen 2 seit Jahren leidend sind, unsre baldige Rückkehr in die Heimat dringend geboten ist. Darum ersuche ich das hochw. Collegium ergebenst, mir den erbetenen Urlaub zu gewähren und für mich und meine Frau das Reisegeld zur Heimreise gütigst bewilligen zu wollen.

In Ehrerbietung und Hochachtung verbleibe ich eines hochwürdigen Collegiums gehorsamster Joh. Kabis.

( Briefe an die Direktoren, 23.11.1900 )

Dem Ersuchen wurde zu Beginn des folgenden Jahres stattgegeben, so dass einer Reise nach Deutschland nichts mehr im Wege stand. Der Bau eines weiteren Schulgebäudes konnte beendet werden, die Rechnungsabschlüsse wurden getätigt, und nachdem Kabis den zweiten Missionar in seine neuen Aufgaben eingeführt und seinem Nachfolger die eigene Station ordnungsgemäß übergeben hatte, konnten er und seine Frau Anfang Juli das Schiff nach Deutschland besteigen. Nur ungern ließ ihn seine Gemeinde ziehen. In einem Abschiedsbrief, den sie ihm zusammen mit einer goldenen Medaille überreichten, gaben sie ihren so unterschiedlichen Gefühlen wie Freude, Dankbarkeit und Trauer mit bewegenden Worten Ausdruck. Mitfreude mit ihrem Missionar, der nun endlich den wohlverdienten Urlaub antreten und seine lange vermissten Kinder wiedersehen konnte, Dankbarkeit für den unermüdlichen Einsatz, die einzelnen Verdienste wurden genauestens aufgelistet , aber auch Trauer über die Trennung und den Verlust eines treusorgenden Vaters.

…. And last but not least, your genial good will, gentle manners, pleasant countenance, patient forbearance and abundant sympathy and love have won many heart from amongst us , that will for generations preserve your name in our homes as an ideal to be followed. We pray, that God Almighty will grant you and your dearly beloved wife, who has endeared herself to us by her unassuming manners and constant acts of love and kindness, a safe voyage home, a pleasant and happy stay there and a save return amongst us with renewed vigour to labour for us and our children….

( Abschiedsbrief der Pastoren und Ältesten vom 24.7.1901 )


Zweiter Heimaturlaub 1901 – 1903

Wie viel anders gestaltete sich dieses Mal die Rückkehr in die Heimat, wurden die Eltern doch nun von sieben Kindern begrüßt, einige von ihnen schon fast erwachsen. Und wie viele Sorgen erwarteten sie. Elisabeth, die Zweitälteste, war einige Jahre zuvor an einem schweren Ischiasleiden erkrankt, zu dem dann noch eine Rückentuberkulose kam. Sie hatte längere Zeit in verschiedenen Krankenhäusern und Sanatorien verbracht, zuletzt dank einer großzügigen Unterstützung der Großherzogin Thekla von Mecklenburg, in einem Heim in der Nähe von Genua. Die freundschaftliche Verbindung zu der ehemaligen Prinzessin von Schwarzburg Rudolstadt hatte also noch immer Bestand. Nun war Elisabeth seit einiger Zeit gesundheitlich wieder halbwegs auf der Höhe, da wurde bei Gertrud, der viertältesten Tochter, Epilepsie festgestellt, einem Leiden, für das es damals noch kein wirklich wirksames Medikament gab.

Trotzdem war die Wiedersehensfreude unbeschreiblich, als die Eltern, nachdem sie zuvor bereits die erkrankten Töchter bei Verwandten im Elsass besucht hatten, endlich auch mit ihren fünf anderen Kindern in Halle zusammentrafen. Dort hatte inzwischen Maria, die Älteste, ihr Examen als Lehrerin bestanden und eine erste Anstellung gefunden. Die anderen vier Geschwister besuchten noch die dortige Schule.

Im Herbst 1901 kamen die lieben Eltern auf Urlaub nach Deutschland. Nun galt es, ihnen ein Nest zu bauen. Wie schwer ist es für Missionarsleute, sich für ein Jahr in Deutschland einzurichten. Wir suchten in Halle eine Wohnung und fanden sie in der Germerstraße 5. Missionsfreunde borgten allerlei Hausgerät. Und schließlich war alles da, was notwendig gebraucht wurde. Wie viel Freude machte mir das Sorgen und Einrichten für die geliebten Eltern! Als dann der Tag des Wiedersehens vor der Tür stand, fuhren wir nach Hohenmölsen. Unvergesslich ist mir der Tag, als die lieben Eltern auf dem Bahnhof eintrafen und wir 5 Kinder mit den Verwandten sie erwarteten. Mit Elisabeth und Gertrud hatten die Eltern schon im Elsass ein Wiedersehen gefeiert. Die beiden Schwestern kamen erst nach Halle, als der Haushalt im Gange war. Tante Julie Kabis, Vaters älteste Schwester, kam zu uns, um Mutter zu helfen. Die Zeit in Halle war wunderschön und wir genossen sie in vollen Zügen. Wie schön waren die beiden Weihnachtsfeste und unsere Geburtstage alle.

( Aus meiner Jugendzeit, S. 8 f )

Wie schon beim ersten Heimaturlaub, zehn Jahre zuvor, waren die Tage und Wochen völlig ausgefüllt und verplant: Besuche in der zahlreichen Verwandtschaft sowie Vortragsreisen und Predigten auf den verschiedenen Missionsfesten ließen die Zeit im Fluge vergehen. Eine ganz besondere Freude war es für Kabis, sein 25 jähriges Amtsjubiläum in der Heimat begehen zu können. Viele Gratulanten stellten sich ein, und die Verwandtschaft versammelte sich zu diesem Festtag fast vollzählig, so dass der Tag mit einem großen Familienfest gefeiert werden konnte. Im Hinblick auf die Krankheit der beiden Töchter und in Anbetracht der Tatsache, dass die Familie bereits 25 Jahre in Indien verbracht hatte, wurde die Alternative, in der Heimat zu bleiben, um dort eine Pfarrstelle zu übernehmen, ernsthaft in Erwägung gezogen. Die Versuchung war groß, da Kabis in der schwarzburgischen Heimat sofort eine Pfarrstelle übernehmen konnte und auch die fürstliche Familie ihm zu einem solchen Schritt riet. Aber die Sehnsucht nach Indien und der Wunsch, die dort so erfolgreich begonnene Arbeit fortzuführen, waren stärker, so dass die Entscheidung für Indien fiel.

Die Kabisfamilie in Halle

Zunächst musste Kabis aber noch um eine Verlängerung des Urlaubes bitten, da sich die Unterbringung der jüngsten Kinder als recht problematisch erwies und seine Malariaerkrankung noch nicht völlig ausgeheilt war.

Hochwürdige Herren.

Da ich am 1. August 1901 meinen Urlaub angetreten habe, so müßte ich Anfang Januar eigentlich Deutschland wieder verlassen, um nach Ablauf von 1 ½ Jahren incl. der Reise mit dem 1. Febr. wieder in Indien in die Arbeit eintreten zu können. Bislang glaubte ich diesen Urlaubstermin einhalten zu können, aber seit wir die Unterbringung unserer 7 Kinder und die Wiederauflösung unsers Haushaltes ernstlich in Beratung gezogen, stellen sich Schwierigkeiten in den Weg, die mich zwingen, um eine Urlaubsverlängerung zu bitten.

Ehe wir wieder nach Indien zurückkehren können, müssen wir für ein Unterkommen unserer 7 Kinder sorgen, von denen die drei Jüngsten noch die Schule besuchen. Der Umstand, daß Verwandte in Güstrow unser jüngstes Töchterchen zu sich nehmen wollen, hat uns veranlaßt, auch für unsre 2 Söhne, Güstrow als neuen Schulort zu wählen. Der Schulwechsel ist aber nur zu Ostern möglich und findet die Schulaufnahme am 20. April statt.

Zudem soll in der Osterzeit auch unser Sohn Walther confirmiert werden. Bei seiner Confirmation wären wir gern zugegen, umso lieber, als wir bei der Confirmation unserer 4 ältesten Töchter nicht zugegen sein konnten. Erst wenn wir zu Ostern die 3 schulpflichtigen Kinder untergebracht haben (und auch die Versorgung unserer 4 ältesten Töchter wird uns bis zu jenem Termin noch viele Schwierigkeiten bereiten) können wir daran gehen, unsern Haushalt hier aufzulösen, für unsre neue Ausrüstung für Indien zu sorgen und die nötigen Abschiedsbesuchsreisen zu machen. Unter diesen Umständen wird es nicht möglich sein, vor der 2. Hälfte des Mai die Reise nach Indien anzutreten, aber selbst wenn es möglich wäre, wäre es doch nicht geraten, schon im Mai, der heißesten Jahreszeit, wieder in Indien anzukommen.

Außer den genannten Gründen kommt bei der Bitte um Nachurlaub auch noch mein Gesundheitszustand mit in Frage. Meine wiederholte Erkrankung an Malariafieber nach dem Urlaubsjahr macht es nötig, vor der Rückkehr nach Indien mich völlig kurieren zu lassen.

So bitte ich, das hochwürdige Kollegium wolle mir Nachurlaub bis etwa Ende Mai und zwar in Anbetracht meiner großen Familie ohne Gehaltsabzug gütigst gewähren und verbleibe mit ehrerbietiger Hochachtung einem hochwürdigen Kollegium dankbar ergebener und gehorsamer Joh. Kabis

( Briefe an die Direktoren, 3.11.1902 )

Der Bitte wurde entsprochen, Kabis selbst konnte noch seinen Sohn Walter konfirmieren, und nachdem auch die ältesten Töchter untergebracht waren, für Gertrud war ein Pflegplatz in den Rotenburger Anstalten gefunden, hieß es erneut Abschied nehmen, wurde die Familie nach fast zwei Jahren wieder auseinander gerissen.

Wie bitterschwer war das Auflösen des Haushalts! Man konnte es kaum fassen und glauben, dass die ganze glückliche Familie nun wieder in alle Winde zerstreut werden sollte. Noch ein letztes gemeinsames Gebet, und dann musste geschieden sein. Die Eltern brachten die drei Kleinen nach Güstrow und besuchten uns dann noch einmal in Dresden auf der Rückreise. Das war zu schön.

( Aus meiner Jugendzeit, S. 9 )

Nach einem kurzen Verwandtenbesuch im Elsass bestiegen Kabis und seine Frau im Juni in Genua das deutsche Schiff „Prinz Heinrich“ und betraten fünf Wochen später wieder indischen Boden.

Mrz 262019
 
Geplantes globales WLAN aus dem Weltraum wird die Ozonschicht zerstören, den Klimawandel verschlechtern und das Leben auf der Erde bedrohen.

GUARDS ist eine internationale Koalition gegen globales WiFi aus dem Weltraum, eine komplexe Technologie aus Strahlung und giftigen Chemikalien, die alles Leben auf der Erde in Gefahr bringt.

Quelle | Google-Übersetzung

Dreizehn Unternehmen konkurrieren darum, die gesamte Erde mit drahtlosem Highspeed-Internet von Satelliten mit geringem Orbit innerhalb von ein bis zwei Jahren abzudecken. Dies wäre ein Albtraum aus ökologischer und öffentlicher Gesundheit. Die größten Akteure sind SpaceX (12.000 Satelliten), OneWeb (4.560 Satelliten) und Boeing (2.956 Satelliten).

Die jüngste Feststellung aus dem Jahr 2018, dass das Ozon in der Stratosphäre trotz des Montrealer Protokolls immer noch zurückgeht, überraschte alle. Das zunehmende Tempo immer mächtigerer Raketenstarts ist ein wahrscheinlicher Faktor. Unmittelbare Pläne, das Hochgeschwindigkeits-Internet aus dem Weltall zu beamen, würden fast täglich den Start großer Raketen erfordern. Es wird erwartet, dass dies die Ozonschicht verändert, wenn nicht sogar zerstört, und erheblich zum Klimawandel beiträgt. Obwohl viele neue Raketen flüssigen Treibstoff verbrauchen, der kein Ozon zerstörendes Chlor enthält, erweist sich die Annahme, dass dies umweltfreundlich ist, als falsch.

Martin Ross und Kollegen der Aerospace Corporation haben Alarm geschlagen. In ihrer Arbeit aus dem Jahr 2009, Grenzen des Weltraum-Marktes für den Markteintritt in Verbindung mit dem Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre, wurde darauf hingewiesen, dass flüssige Kraftstoffe zwar kein Chlor enthalten, jedoch bei ihrer Verbrennung erhebliche Mengen an Stickstoff und Wasserstoffoxiden sowie Wasserdampf und Ruß produzieren. Alle zerstören Ozon.

Martin Ross von der Aerospace Corporation war auch der Hauptautor eines 2010 veröffentlichten Papiers mit dem Titel Mögliche Auswirkungen des von Raketen emittierten Rußes auf den Kohlenstoff. Die Autoren entwickelten ein Computermodell, um vorherzusagen, was in verschiedenen Teilen der Erde passieren würde, wenn die Anzahl der Kerosinbrenner (dann 25 jährlich) um einen Faktor zehn zunimmt. Sein Modell sagt einen bis zu 4% igen Ozonverlust in den Tropen und Subtropen voraus, bis zu einem Temperaturanstieg um 3 Grad Celsius im Sommer über dem Südpol, einem Anstieg der antarktischen Temperatur um mehr als einen Grad und einem Rückgang im antarktischen Meereis um 5% oder mehr.

In einem 2011 in der Luft- und Raumfahrt mit dem Titel Raketensumpfemissionen und Klimawandel betitelten Artikel sagt Ross: „Die Luft- und Raumfahrtstudie zeigt, dass der Strahlungsantrieb von Ruß aus einem bestimmten Kohlenwasserstoff-Raketenszenario das 100.000-fache des Kohlendioxids der Raketen ist.“ Offensichtlich wären die Ruß- oder Schwarzkohlenstoffemissionen ein wichtiger Faktor für die Beschleunigung des Klimawandels, wenn die geplanten Starts voranschreiten.

Festkörperraketenauspuff ist nicht besser. Es enthält Ozon zerstörendes Chlor, Wasserdampf (ein Treibhausgas) und Aluminiumoxidpartikel, die stratosphärische Wolken säen. In den Abgasfahnen von Festkörperraketen wird eine vollständige Ozonzerstörung beobachtet.

Die New York Times ( 14. Mai 1991, S. 4 ) zitierte Aleksandr Dunayev von der russischen Raumfahrtbehörde und sagte: „Etwa 300 Starts des [Space] Shuttle würden jedes Jahr eine Katastrophe sein und die Ozonschicht würde vollständig zerstört.“

Zu dieser Zeit betrug die Welt im Durchschnitt nur 12 Raketenstarts pro Jahr. Die Aufrechterhaltung einer Flotte von (letztlich) 4.000 Satelliten mit einer erwarteten Lebensdauer von fünf Jahren wird wahrscheinlich genug jährliche Raketenstarts erfordern, um eine Umweltkatastrophe zu sein.

Project Loon nutzt eine knappe Ressource – Helium – mit rücksichtsloser Hingabe. Helium ist der Schlüssel für die Funktion und Herstellung vieler Technologien. Helium hat auch wichtige wissenschaftliche und Krankenhausanwendungen. Es ist eine knappe fossile Ressource ( http://phys.org/news/2010-08-world-helium-nobel-prize-winner.html ) und sollte erhalten und nicht verschwendet werden. Die von Project Loon verwendeten Ballons werden mit Helium aufgeblasen, das beim Erdschluss der Ballons in die Atmosphäre freigesetzt wird. Darüber hinaus bestehen die Ballons aus Polyethylen-Kunststoff, der nicht biologisch abbaubar ist, doch wird von den Ballons nur eine Lebensdauer von 10 Monaten erwartet. Nach unserer besten Schätzung würden 100.000 Ballons benötigt, um Landmassen weltweit drahtlos bereitzustellen. Dabei wird viel Polyethylen weggeworfen und viel Helium verschwendet.

Im Gegensatz zur weit verbreiteten Auffassung ist die drahtlose Technologie keine nachhaltige oder umweltfreundliche Technologie, da für die drahtlose Verbindung weitaus mehr Energie als für die drahtgebundene Verbindung benötigt wird. Laut Energieverbrauch in drahtgebundenen und drahtlosen Zugangsnetzen „werden drahtlose Technologien bei vergleichbaren Zugriffsraten und Verkehrsaufkommen weiterhin mindestens zehnmal mehr Energie verbrauchen als drahtgebundene Technologien. PON (passive optische Netze) werden weiterhin die meisten Energiequellen sein, auch wenn die Technologie energieeffizienter wird. Beim Übertragen großer Informationsmengen durch die Luft (ein Medium mit hohem Widerstand und hohem Signalabsorptionsgrad) wird im Vergleich zur Übertragung über verschiedene kabelgebundene Kommunikationsverbindungen (z. B. auf Kupfer- oder Glasfaserbasis) eine höhere Energiemenge verbraucht. In einem Artikel, der sich mit dem Energieverbrauch von Cloud Computing befasst, stellen die Autoren fest: „Laut unseren Energieberechnungen wird die drahtlose Cloud bis 2015 bis zu 43 TWh verbrauchen, verglichen mit nur 9,2 TWh im Jahr 2012, ein Anstieg von 460%. Dies bedeutet einen Anstieg des CO2-Fußabdrucks von 6 Megatonnen CO2 im Jahr 2012 auf bis zu 30 Megatonnen CO2 im Jahr 2015, was 4,9 Millionen Autos mehr entspricht und bis zu 90% des Verbrauchs auf Technologien für drahtlose Zugangsnetze zurückgeht, Datenzentren machen nur 9% aus. Während in dem Artikel Cloud Computing als ein Energiesparer beschrieben wird, ist dies aus der Diskussion klar. Diese Energieeinsparungen werden nur dann erzielt, wenn die Cloud die individuelle Rechenleistung ersetzt. Ansonsten verursacht Cloud Computing nur zusätzlichen Energieverbrauch und sollte nicht als umweltfreundliche Technologie beworben werden. Die Energieverschwendung der Funktechnologie sollte nationale und internationale Regierungen überall in der Förderung der Funktechnologie ernsthaft inne halten.

Ein zweiter Problembereich ist das drahtlose Internet. Obwohl das Funkgerät weithin als unqualifizierte Ware wahrgenommen wird, verwendet es extrem schnelle Mikrowellenimpulse – die gleiche Strahlung, die in Mikrowellenherden verwendet wird. Eine Reihe von Studien wird weiterhin veröffentlicht und ignoriert. Dies impliziert, dass drahtlose Technologien zum Absterben von Wäldern, zum Absterben von Fröschen, Fledermäusen und Honigbienen, zum drohenden Aussterben des Haussperlings und zu Schäden an der DNA der menschlichen Spezies führen. Für die Fortsetzung des Lebens ist es wichtig, dass große Teile der Erde von der unaufhörlichen Strahlung verschont wird, die drahtlose Technologien begleitet.

„Der menschliche Körper“, sagt Dr. Gerard J. Hyland von der University of Warwick, UK, „ist ein elektrochemisches Instrument von exquisiter Sensibilität“ und weist darauf hin, dass es wie ein Radio durch einfallende Strahlung gestört werden kann. Wenn ein Signal ein mechanisches Gerät bedienen kann, kann es jede Zelle im menschlichen Körper stören.

Das US-Innenministerium erklärte am 7. Februar 2014, dass „die von der Federal Communications Commission (FCC) verwendeten elektromagnetischen Strahlungsnormen weiterhin auf thermischer Erwärmung beruhen, ein Kriterium, das heute fast 30 Jahre veraltet und heute nicht mehr anwendbar ist“ Richtlinien für WLAN-Strahlungsfrequenzen.

Im Jahr 2011 klassifizierte die Weltgesundheitsorganisation Strahlung, die von Mobiltelefonen emittiert wurde, und andere drahtlose kommerzielle Infrastrukturen wie WLAN und intelligente Stromzähler als potenzielles Karzinogen der Klasse 2B so wie Blei, Motorabgase und DDT. Die globalen WiFi-Projekte würden diese Exposition jedoch allgegenwärtig und unausweichlich machen.

Ein kürzlich von 88 Organisationen mit über einer Million Vertretern an den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss übermittelter Brief beschreibt, wie Regierungen das Vertrauen der Öffentlichkeit verraten, indem sie die Gefährdung durch Hochfrequenz- / Mikrowellenstrahlung (RF / MW) ignorieren.

Studien belegen, dass drahtlose Strahlung die Entwicklung des Gehirns des Fötus negativ beeinflussen kann, zusätzlich zu doppelsträngigen DNA-Brüchen und einem breiten Spektrum an Krankheiten. GUARDS geht davon aus, dass die Fortführung und Ausweitung der unfreiwilligen Exposition der Öffentlichkeit gegenüber diesem bekannten Toxin gegen das Nürnberger Menschenrechtsgesetz verstößt.

Bereitstellungspläne für Satelliten

Zu den acht Unternehmen, die globale WiFi-Strahlung bereitstellen möchten, gehören:


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Mrz 262019
 
Befürchtungen über die Zunahme von Hautkrebs, da der Klimawandel den Schutz der Erde zerstört.

Von Paul Brown, Umweltkorrespondent | 27 Apr 2005

Die schützende Ozonschicht über der Arktis hat sich in diesem Winter auf die niedrigsten Werte seit Beginn der Aufzeichnungen verdünnt und Wissenschaftler alarmiert, die glaubten, dass sie zu heilen begonnen hatte.

Der erhöhte Ozonabbau lässt schädliches ultraviolettes Licht auf die Erdoberfläche gelangen, was Kinder und Outdoor-Enthusiasten wie Skifahrer anfälliger für Hautkrebs macht – eine Krankheit, die bereits dramatisch zunimmt.

Wissenschaftler bekräftigten gestern die Warnung, dass Menschen, die in diesem Sommer in die Sonne gehen, sich mit Cremes und Hüten schützen sollten.

Untersuchungen der Cambridge University zeigen, dass es nicht die erhöhte Umweltverschmutzung, sondern eine Nebenwirkung des Klimawandels ist, die den Ozonabbau verschlimmert. In größeren Höhen waren 50% der Schutzschicht zerstört.

Die Forschung hat die Hoffnung zunichte gemacht, dass sich die Ozonschicht auf dem Weg der Besserung befindet. Seit dem Winter 1999-2000, als die Erschöpfung fast genauso schlimm war, hatten Wissenschaftler geglaubt, dass eine Verbesserung im Gange sei, da die Verschmutzung reduziert wurde. Aber sie glauben jetzt, dass es noch 50 Jahre dauern könnte, bis das Problem gelöst ist.

Was den weiteren Ozonverlust verursacht zu haben scheint, ist die zunehmende Anzahl stratosphärischer Wolken im Winter, 15 Meilen über der Erde. Diese Wolken, in der Mitte der Ozonschicht, bilden eine Plattform, die es erleichtert, schnelle chemische Reaktionen durchzuführen, die Ozon zerstören. In diesem Jahr, für drei Monate ab Ende November, gab es für längere Zeit mehr Wolken als je zuvor.

Wissenschaftler der Cambridge University sagten gestern, dass Ende März, als der Ozonabbau am schlimmsten war, arktische Luftmassen über Großbritannien und den Rest Europas bis nach Norditalien getrieben wurden, was zu deutlich höheren Dosen an ultravioletter Strahlung und Sonnenbrandgefahr führte.

Die Ergebnisse, die gestern auf dem Treffen der Geophysikalischen Union in Wien bekannt gegeben wurden, sind Teil eines europäischen Projekts, das von der Chemieabteilung der Cambridge University koordiniert wird, die seit Mai 2004 den Zusammenhang zwischen der Ozonschicht und dem Klimawandel untersucht.

Gestern sagte Professor John Pyle von der Universität: „Dies waren die niedrigsten Ozonwerte seit Beginn der Messungen vor 40 Jahren. Wir dachten, die Dinge würden durch die schrittweise Einstellung von FCKW und anderen Chemikalien aufgrund des Montrealer Protokolls besser werden, aber das ist nicht geschehen.

„Die Schadstoffwerte sind gesunken, aber Veränderungen in der Atmosphäre haben es einfacher gemacht, chemische Reaktionen durchzuführen, die es Schadstoffen ermöglichen, Ozon abzubauen. Da sich diese Veränderungen mit zunehmender globaler Erwärmung fortsetzen und verschärfen dürften, wird das Ozon auch bei sinkendem Verschmutzungsgrad weiter abgebaut werden.“

Der Zusammenhang zwischen dem Abbau der Ozonschicht und dem Klimawandel ist so komplex, dass die EU 11 Millionen Pfund in ein Fünfjahresprojekt investiert, um zu versuchen, zu verstehen und vorherzusagen, was passiert. Die Wissenschaftler berichteten über die Ergebnisse des ersten Jahres und sagten gestern auf dem Treffen in Wien, dass „die atmosphärische Lebensdauer dieser [ozonabbauenden] Verbindungen extrem lang ist und die Konzentrationen für ein weiteres halbes Jahrhundert auf einem gefährlich hohen Niveau bleiben werden“.

Erhöhte Treibhausgase in der Luft fangen mehr Wärme in der unteren Atmosphäre auf, aber die Stratosphäre weit über der Erde wird kälter. In der Folge bilden sich zwischen 14 und 26 Kilometer über der Erde Eiswolken, genau in der Region, in der sich das schützende Ozon befindet.

Die europäischen Wissenschaftler berichteten im Januar über erste Anzeichen eines Ozonabbaus. Als das Sonnenlicht in die nördlichen Breiten zurückkehrte, nahm die Rate des Ozonabbaus zu und im Februar und März kam es zu einer schnellen Zerstörung des Ozons. In dem Höhenbereich, in dem die Ozonschicht in der Regel ihre maximale Konzentration erreicht, ging mehr als die Hälfte des Ozons verloren. In der unteren Atmosphäre waren die Verluste nicht so groß.

„Insgesamt wurden etwa 30% der Ozonschicht zerstört“, sagte Dr. Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam, Deutschland, einem weiteren Mitglied des Teams. Er sagte, dass die kalten Bedingungen, die polare stratosphärische Wolken erzeugten, 2005 viermal so groß waren wie in den 1960er und 70er Jahren.

Professor Pyle sagte, dass die Vermischung der Luft in der Nordhalbkugel insgesamt viel schneller war als in der Antarktis, so dass kein „Loch“ in der Ozonschicht entstand. Stattdessen, als sich die Luft im Frühjahr vermischte, kam es zu einer allgemeinen Verdünnung des schützenden Ozons über die gesamte nördliche Hemisphäre.

„Es bedeutet nur, dass wir weniger natürlichen Schutz haben, als wir hätten, und wir sind es gewohnt. Das bedeutet, dass wir vorsichtig sein sollten, wenn wir uns der Sonne aussetzen, aber das ist bereits der Fall, das macht die Dinge nur etwas schlimmer“, sagte er.

Die UV-Gefahr hat sich durch die Erderwärmung verändert.
  • Die Verdünnung der Ozonschicht ermöglicht es, dass mehr ultraviolettes Licht – oder UV-Strahlung – die Erdoberfläche erreicht.
  • UV-Licht stimuliert die Produktion von Vitamin D in der Haut, was die Knochen stärkt, aber auch Verbrennungen und Hautkrebs verursacht, insbesondere bei hellhäutigen Menschen. Nach Schätzungen des UN-Umweltprogramms steigt der Hautkrebs um 2 bis 3 % pro 1 % Ozonabbau.
  • Es verursacht auch Augenprobleme, selbst wenn dunkle Brillen getragen werden – hauptsächlich Katarakte und Schneeblindheit – und kann die Immunantwort auf das Herpesvirus unterdrücken und die Milz schädigen.
  • Überschüssige UV-Strahlung reduziert die Photosynthese in Pflanzen und reduziert Größe und Ertrag von Winterweizen.
  • Plankton, das ständig exponiert wird, erleidet einen DNA-Schaden. Da einige Arten anfälliger sind als andere, hat eine Zunahme der UV-Exposition das Potenzial, eine Veränderung der Artenzusammensetzung zu bewirken und die Vielfalt der Ökosysteme zu verringern.
  • Eine Verringerung der weltweiten Phytoplanktonpopulationen würde den Kohlenstoffkreislauf der Welt erheblich beeinträchtigen, da Phytoplankton große Mengen an Kohlenstoff im Ozean speichert.

Translation: DeepL


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Feb 272019
 
The Ecumenical Assembly in the GDR 1989 against the Background of Global Dangers 2019

German Website

Thirty years after the beginning of the Autumn Revolution, thirty years after the fall of the Wall, thirty years after the end of the GDR, successes and failures in the German unification process are finally being openly debated.

We remember the Ecumenical Assembly in the GDR, which ended thirty years ago, on 30 April 1989, and with its demands for democratic reforms gave essential impulses for the peaceful revolution in autumn 89. The Ecumenical Assembly thought beyond the GDR when it discussed justice, peace and the integrity of creation as a commitment. It was thus part of a worldwide movement of awakening that addressed the survival questions of mankind. As a „community of action“ of churches and Christian communities in the GDR, it became a model of Christian world responsibility, transcending confessional divisions.

Thirty years later: The man-made problems of the global world – poverty, hunger, exploitation, climate change, flight, violence and war – remain unsolved. In 2019 they will be many times more complex, threatening and difficult to deal with politically. The time gap to 1989 and the subsequent change of system forbid to simply transfer the answers of the Ecumenical Assembly of 1989 to the situation of 2019. But it must be asked whether the worsening global survival crises do not challenge a new appreciation of the basic beliefs of the 1989 Ecumenical Assembly.

The termination by the USA and Russia of the 1987 INF Treaty on the disarmament of medium-range nuclear missiles in Europe by the USA and Russia is currently calling into question everything that has been achieved to date through a policy of détente and cooperative security. The treaty was a key to the success of the Peaceful Revolution of 1989 and to the road to German state unity in 1990. There is now reason to fear a new arms race with medium-range nuclear missiles in Europe and worldwide. The current balanced structure of disarmament treaties threatens to break apart. Politicians are already talking about the stationing of new nuclear weapons. In this dangerous situation for Europe the churches must speak with one voice and take a stand against a new nuclear arms race.

The Ecumenical Assembly in 1988/89 was a response to the signs of the times. Their basic assumptions correspond with decades of learning experience of the ecumenical movement. They followed Jesus‘ call to repentance, „Repent and believe in the gospel“. Therefore, the assembly was not „outdated“ when the beginning democratization of the GDR in 1990 was overshadowed by a change of system. Meanwhile, more and more people are asking themselves

People in the New Federal States, whether their immigration into the neoliberal capitalism of the Federal Republic could have been the goal of this non-violent revolution. The ever widening gap in our society between winners and losers, which makes some poor and others richer and richer, is a scandal, even if it is concealed with the label „market-conform democracy“. The poison of populism and nationalism is spreading. We cannot praise the achievements of freedom without naming their aberrations. The conclusion about German unification would be more friendly if it were accompanied by real social renewal, more partnership at eye level, equal opportunities and participation. In fact, in 1990 almost everything changed in the East and almost nothing in the West. Still not fulfilled is the promise to replace the Basic Law by a constitution „which was decided by the German people in free decision“ (Art.146 GG).

We are committed to ensuring that the three „priority options“ of 1989 – for justice, peace and the integrity of creation – become building blocks of a social, ecological and ethical transformation of politics, economy and society in Europe and worldwide. Civil peace policy and non-military security policy must be the yardstick and means for working on Europe’s future. That is why we support the appeal of 74 organisations and institutions from 9 European countries to the Members of the European Parliament „Save the Peace Project Europe. For peace. For human rights. For Europe“ of 4 February 2019 (https://www.forumzfd.de/en). „The promotion of peace and human rights threatens to fall victim to the defense against migration and flight.“ The call „Save the peace project Europe“ corresponds today to the „ecumenical peace service“ to which the churches in the GDR came together and called in the upheaval of Europe. Remembering this means reaffirming the promise of the future at that time in today’s and tomorrow’s changing Europe.

February 2019

Almuth Berger, Berlin; Annette Berger, Magdeburg-Pechau; Magdalene Bußmann, Essen; Volkmar Deile, Berlin; Christoph Demke, Berlin; Hans-Joachim Döring, Magdeburg-Pechau; Ludwig Drees, Magdeburg; Heino Falcke, Erfurt; Hans-Jürgen Fischbeck, Berlin; Ulrich Frey, Bad Honnef; Jochen Garstecki, Magdeburg; Renate Höppner, Magdeburg; Heiko Lietz, Schwerin; Norbert Mette, Münster; Ruth Misselwitz, Berlin; Hans Misselwitz; Axel Noack, Halle; Elisabeth Raiser, Berlin; Konrad Raiser, Berlin; Gerhard Rein, Berlin; Gudrun Rein, Berlin; Frank Richter, Meissen; Friedrich Schorlemmer, Wittenberg; Elfriede Stauss, Berlin; Christoph Stier, Rostock; Heinz-Günter Stobbe, Münster; Andreas Zumach, Geneva.

Translation: DeepL

Feb 262019
 
Die Ökumenische Versammlung in der DDR 1989 vor dem Hintergrund globaler Gefahren 2019

Englische Webseite

Dreißig Jahre nach dem Beginn der Herbst- Revolution, dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer, dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wird endlich über Erfolge und Versäumnisse im deutschen Einigungsprozess offen gestritten.

Wir erinnern an die Ökumenische Versammlung in der DDR, die vor dreißig Jahren, am 30. April 1989, zu Ende ging und mit ihren Forderungen nach demokratischen Reformen wesentliche Impulse für die friedliche Revolution im Herbst 89 gab. Die Ökumenische Versammlung dachte über die DDR hinaus, als sie über Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung als Selbstverpflichtung diskutierte. Sie war damit Teil einer weltweiten Aufbruchsbewegung, die sich den Überlebensfragen der Menschheit stellte. Sie wurde als „Handlungsgemeinschaft“ der Kirchen und christlichen Gemeinschaften in der DDR zu einem Modell christlicher Weltverantwortung, über konfessionelle Trennungen hinweg.

Dreißig Jahre später müssen wir feststellen: Die menschengemachten Probleme der globalen Welt – Armut, Hunger, Ausbeutung, Klimawandel, Flucht, Gewalt und Krieg – sind weiter ungelöst. Sie sind 2019 um ein Vielfaches komplizierter, bedrohlicher und schwerer politisch zu bearbeiten. Der zeitliche Abstand zu 1989 und der anschließende System-Wechsel verbieten es, die Antworten der Ökumenischen Versammlung von 1989 einfach auf die Situation von 2019 zu übertragen. Aber gefragt werden muss, ob nicht die sich verschärfenden weltweiten Überlebenskrisen eine neue Wertschätzung für die Grundüberzeugungen der Ökumenischen Versammlung von 1989 geradezu herausfordern.

Die Kündigung des INF-Vertrages von 1987 über die Abrüstung der nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa durch die USA und Russland stellt gegenwärtig alles in Frage, was bis heute durch Entspannungspolitik und kooperative Sicherheit erreicht worden ist. Der Vertrag war ein Schlüssel für das Gelingen der Friedlichen Revolution 1989 und für den Weg zur staatlichen Einheit Deutschlands 1990. Zu befürchten ist nun ein neues Wettrüsten mit nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa und weltweit. Das bisherige ausbalancierte Gefüge von Abrüstungsverträgen droht auseinander zu brechen. Schon bringen Politiker die Stationierung von neuen Atomwaffen ins Gespräch. In dieser gefährlichen Situation für Europa müssen die Kirchen mit einer Stimme sprechen und gegen ein neues nukleares Wettrüsten Stellung beziehen.

Die Ökumenische Versammlung war 1988/89 eine Antwort auf die Zeichen der Zeit. Ihre Grundannahmen korrespondieren mit Jahrzehnte alten Lernerfahrungen der ökumenischen Bewegung. Sie folgten dem Umkehr-Ruf Jesu „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“. Deshalb war die Versammlung auch nicht „überholt“, als die beginnende Demokratisierung der DDR 1990 von einem System-Wechsel überlagert wurde. Inzwischen fragen sich immer mehr

Menschen in den Neuen Bundesländern, ob ihre Einwanderung in den neoliberalen Kapitalismus der Bundesrepublik das Ziel dieser gewaltfreien Revolution gewesen sein kann. Die sich immer weiter öffnende Schere in unserer Gesellschaft zwischen Gewinnern und Verlierern, die die einen arm und die anderen immer reicher macht, ist ein Skandal, auch wenn er mit dem Etikett „marktkonforme Demokratie“ kaschiert wird. Das Gift des Populismus und Nationalismus breitet sich aus. Wir können nicht die Errungenschaften der Freiheit preisen, ohne ihre Verirrungen beim Namen zu nennen. Das Fazit über die deutsche Vereinigung würde freundlicher ausfallen, ginge sie mit wirklicher gesellschaftlicher Erneuerung einher, mit mehr Partnerschaft auf Augenhöhe, Chancengleichheit und Partizipation. Tatsächlich änderte sich 1990 im Osten fast alles und im Westen fast nichts. Noch immer nicht eingelöst ist das Versprechen, das Grundgesetz durch eine Verfassung zu ersetzen, „die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist“ (Art.146 GG).

Wir setzen uns dafür ein, dass die drei „vorrangigen Optionen“ von 1989 – für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung – zu Bausteinen einer sozialen, ökologischen und ethischen Transformation von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Europa und weltweit werden. Zivile Friedenspolitik und nicht militärgestützte Sicherheitspolitik muss Maßstab und Mittel für die Arbeit an Europas Zukunft sein. Deshalb unterstützen wir den Aufruf von 74 Organisationen und Institutionen aus 9 europäischen Ländern an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments „Rettet das Friedensprojekt Europa. Für Friede. Für Menschenrechte. Für Europa“ vom 4. Februar 2019 (www.rettetdasfriedensprojekt.eu). „Die Förderung von Frieden und Menschenrechten droht der Abwehr von Migration und Flucht zum Opfer zu fallen.“ Der Aufruf „Rettet das Friedensprojekt Europa“ entspricht heute dem „ökumenischen Friedensdienst“, zu dem im Umbruch Europas die Kirchen in der DDR zusammenfanden und aufriefen. Daran zu erinnern heißt, das damalige Zukunftsversprechen im heutigen und andersartigen Umbruch Europas zu bekräftigen.

Im Februar 2019

Almuth Berger, Berlin; Annette Berger, Magdeburg-Pechau; Magdalene Bußmann, Essen; Volkmar Deile, Berlin; Christoph Demke, Berlin; Hans-Joachim Döring, Magdeburg-Pechau; Ludwig Drees, Magdeburg; Heino Falcke, Erfurt; Hans-Jürgen Fischbeck, Berlin; Ulrich Frey, Bad Honnef; Jochen Garstecki, Magdeburg; Renate Höppner, Magdeburg; Heiko Lietz, Schwerin; Norbert Mette, Münster; Ruth Misselwitz, Berlin; Hans Misselwitz; Axel Noack, Halle; Elisabeth Raiser, Berlin; Konrad Raiser, Berlin; Gerhard Rein, Berlin; Gudrun Rein, Berlin; Frank Richter, Meißen; Friedrich Schorlemmer, Wittenberg; Elfriede Stauss, Berlin; Christoph Stier, Rostock; Heinz-Günter Stobbe, Münster; Andreas Zumach, Genf.


Links

Webseite als PDF
Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der DDR
Die Wende begann als christliche Friedensbewegung
Atomwaffenverbot ins Grundgesetz!
Strukturelle Antidemokratie
Warum Staat sein?
Die Mär von der gesamtdeutschen Verfassung
Das Grundgesetz – eine Verfassung auf Abruf?
Webseiten Gerhard Rein

Feb 232019
 
Newsletter from FoodWatch

By Martin Rücker

When a few weeks ago it looked as if the anaesthetised castration of small piglets would finally be banned, farmer and meat lobbyists were in a furious riot. The federations used every lever to allow the cruel method, which had been practiced for years, to continue for at least another two years. Johannes Röring, for example, President of the Farmers‘ Union in Westphalia, addressed the members of the Bundestag and demanded an „extension of the deadline“. How practical that the road was not too far – after all, Mr. Röring is not only a lobbyist, but also a member of the Bundestag himself. As a part-time job, my main job – yeah, what is it?

Most people have ONE job and are filled with it. Others need two to make ends meet somehow. But Johannes Röring, one of the most influential politicians when it comes to our food, must be a real jack-of-all-trades. He sits on the Agriculture Committee of the Bundestag and is the head of an agricultural lobby association in NRW and a member of the presidium of the powerful farmers‘ association GLEICHZEITG – but not only: Altogether, the MEP lists 21 (!) functions „on the side“, believe it or not. And to crown it all, he himself is active as a farmer with a pig fattening farm. There one lobbies for the own interests – and can in the committee and in the Bundestag in own thing immediately co-decide…

It must not be the case that lobbyists in the Bundestag make their own laws.

With the piglets we have lost: The majority of the Bundestag voted in the end to allow the anaesthetised castration for another two years – a real scandal. But we must not give up our fight against the harmful influence of the agricultural and food lobby! We must disclose the interdependence between business and politics and make it an issue. I am sure that consumer, environmental or animal protection will only not get under the wheels if WE exert pressure outside the Bundestag.

How is it possible for a Member of Parliament to be precisely responsible for this area by working as an entrepreneur and lobbyist on his own account? The interdependence between business and politics is becoming to an extent that is highly problematic for our democracy! Unfortunately, it is not about individual cases! For example, Peter Bleser: For years the highest consumer protector of his parliamentary group, „alongside“ the head of the supervisory board of an agricultural trader with a turnover of billions, in 2006 „godfather“ (!) for fields with genetically modified Monsanto maize – at the end of 2017, as state secretary on behalf of the federal government, he campaigned for the continued use of the agricultural poison glyphosate, with which above all Monsanto makes profit.

Is there no shame line? There is simply no such amalgamation of interests DARF! When lobbyists in the Bundestag and the Federal Government build their own laws and decide on their own subsidies, only one thing helps: WE consumers have to hold against it!

The worst part is: In the food and agriculture sectors, there is an almost endless number of overlaps between companies, lobbying associations and politicians. It is teeming with conflicts of interest, the roles are lively changed and mixed:

Friederich-Otto-Ripke: first State Secretary in Lower Saxony, then lobbyist for the poultry industry.

Günther Tissen: for years government director in the Federal Ministry of Food, today head lobbyist of the German sugar industry.

Karl-Heinz-Funke: former Federal Minister of Agriculture, now on the board of trustees of the Wiesenhof Foundation.

Christian von Boetticher: first environment and agriculture minister in Schleswig-Holstein, today food producer and vice-chairman of the lobby association of the food industry and still head of the influential CDU economic council.

Franz-Josef Holzenkamp: for a long time „consumer policy spokesman“ of his parliamentary group in the Bundestag, now (and already alongside the mandate) head of the powerful Raiffeisenverband.

Silvia Breher: Holzenkamp’s successor in the Bundestag, first managing director of a farmers‘ lobby association, now in the Bundestag’s agricultural committee.

Gert Lindemann: first State Secretary in the Federal Ministry of Agriculture (this is the Ministry that is also there for consumer protection!), then Supervisory Board Member at Nordzucker, a company that is one of the top beneficiaries of agricultural subsidies. And then, as if nothing had happened, suddenly appointed Minister of Agriculture and Consumer Affairs in Lower Saxony…

Matthias Berninger: first Secretary of State for Consumer Protection, then corporate lobbyist for Mars and co-preventor of traffic light labelling, now lobbyist for Bayer-Monsanto – allegedly because he wants to campaign for world nutrition there.

This list is by no means exhaustive. And now I ask you: How can agriculture be made more consumer and environmentally friendly, animal welfare improved, the use of pesticides reduced, the fight against food waste successfully fought when politicians sitting in the Bundestag and the Federal Government are so closely linked to the industry? When deputies and secretaries of state go through the revolving door to the lobby job? There’s only one way to counter them: We have to do it ourselves! We need to research interdependencies and make influences public. We must make it an issue when economic interests are simply served – to the detriment of all of us. With your membership you help us to strengthen the voice of consumers and to build up a counter lobby. Thank you. Thank you.

This combination of interests leads our democracy ad absurdum. The Süddeutsche Zeitung recently quoted a politician who had been approached by an agriculture minister after a critical speech: „If at some point you’re on track, we’ll take care of you too“. – „Lucrative items“ in return for line loyalty? It’s killing the barrel! There are deputies sitting with part-time jobs lobbying on their own behalf and then voting on their own interests. Associations and companies buy ex-politicians who use their wires in politics to push through economic interests. And if someone is still not on line, you can discreetly show them where to go. We can’t put up with this any longer!

Translation: DeepL

Feb 202019
 
Sustainable management must overcome the egoism of the present.

An interview with Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker.

By Christa Schaffmann | Rubikon dated February 19, 2019

The Enlightenment brought Europe liberation from the authoritarian structures and prohibitions of thought of the Middle Ages. It brought technical progress, industrialization and a boom of great discoveries. However, their shadow side is seen too little: colonialism and the arrogance of the West are just as much a part of their „symptom complex“ as the image of nature as an arbitrarily exploitable „mechanism“. A new Enlightenment would have to overcome the dogmatism of opposing one-sidedness. Above all, it would have to put an end to the overexploitation of the future of all of us, which has its source in the egoism of the „now“.

Christa Schaffmann: More than 45 years ago, the report of the Club of Rome was published under the heading „Limits to Growth“. Since then, little has changed in the pursuit of high growth rates in the economy. Is that why the authors of the new report („It’s our turn“) have opted for a title without a measurable variable such as growth?

Ernst Ulrich von Weizsäcker: The title is deliberately ambiguous: on the one hand as a clear statement that we have to do something, on the other hand as a serious warning that our planet would be massively damaged if we did not do the right thing. You’re right about the growth ideology. But precisely this accelerated growth and the doubling of the earth’s population led us to realize that we are in the middle of a philosophical crisis without being aware of it. In his great encyclical Laudato Si Pope Francis writes about it:

„When production increases, it is of little concern to produce at the expense of future resources or the health of the environment. When the deforestation of a forest increases production, no one in this calculation weighs the loss caused by the devastation of a territory, the damage to biodiversity or the increase in pollution. This means that companies make profits by taking into account and bearing an infinitesimally small part of the costs.“

In other words, for him the central problem is a short-term economic logic that ignores the true costs of its long-term damage to nature and society.

That is true, but – if I may say so – not so new.

We wondered why this became a problem at some point after it had worked well for a long time in the history of mankind. We came across Herman Daly and the term „Empty World“ that he coined – a counterpart to today’s „Full World“. In the „Empty World“ hunting, fishing, deforestation, mines were still the most normal thing in the world. Today, sustainable economic optimization mainly consists of tightly controlling and limiting such activities.

We also state that the Enlightenment of the 17th and 18th centuries took place in the „Empty World“ and that the statements of Adam Smith and David Ricardo were very reasonable and credible for this world. The reach of the market was identical to the reach of the state, the law and morality. For Ricardo, the capital – at that time mainly production capital – was of course fixed …

… while the market, especially the financial market, is global today and the production factor capital is by far the most mobile factor and always on the lookout for the highest return on capital. And to what conclusion did this realization lead the authors of the report?

To the subversive view that our world needs a new Enlightenment. The Enlightenment of the 17th and 18th centuries was a philosophical liberation from the suffocating and authoritarian structures of the Middle Ages. She also initiated a scientific boom and in the aftermath the Industrial Revolution. But it also had weaknesses that one likes to repress: it led to an arrogance of Europe and became a basis of legitimacy for colonisation, i.e. the conquest of most of the world by European armies. It contained as its core the praise of individualism, egoism, utilitarianism, progress and free markets. And later, mainly in the late 19th and 20th centuries, it became a legitimizing basis for an economy of merciless competition.

But the „old“ Enlightenment also contains strong components of dogmatism: the search for truth often consists in someone who thinks he is right trying to smash the statement of his opponent, to whom he accuses injustice. This is legitimate in mathematics and analytical science in most cases. However, to do the same for the major political and civilisational issues can be totally misleading. Instead, we need a sense of balance. That is the positive core of our demand for a new Enlightenment.

Please explain this with an example.

Let’s start with the dogmatics of speed. The economic policy worship of „innovation“ requires that in the world of competition a high premium is paid on speed. For the majority of people, this permanent and even accelerating innovation is a source of great uncertainty. For the sake of convenience, the despair about this uncertainty is often unloaded on politicians. If, on the other hand, there were a civilizational understanding of the virtue of balance, this kind of „transmission“ could be greatly mitigated.

Balance also between rich and poor? Do you want to philosophically abolish the contradictions of class society?

In the political arena, there is a constant dispute between the prioritization of justice and the prioritization of performance incentives. But does that mean that one side is right and the other wrong? Hardly.

Good politics must find a balance between justice and incentive.

Then the politicians of the „left“ and the „right“ side are no longer viewed with anger in their stomachs, but with the – individually different – consideration of whether justice („left“) or the increased incentive to perform („right“) is more important in the present situation.

In reality, however, the incentive to perform is rewarded more than justice. You can see it from the fact that in almost all countries of the world the gap between rich and poor has increased in the last 25 years.

That is why it is now important in world politics to create more balance here too, i.e. to impose acts of justice on those who have become „indecently“ rich through innovation and achievement. But as long as – as is customary in the Anglo-Saxon cultural area – one regards merciless competition as natural law, i.e. unavoidable, any supranational intervention in injustice is regarded as unjust, destructive or at least progress-inhibiting and sharply rejected.

Are you talking about a cultural struggle between the old social Darwinian Enlightenment and the new balance-oriented Enlightenment?

The Club of Rome does not act as a political referee, but rather approaches the task of peace-building balance from the philosophical side. We state that there are already phenomena of balance, or more precisely of complementarity, in quantum theory itself – highly surprising for physics at the time.

We suspect that a new Enlightenment would do well to deal with the findings of modern science „on an equal footing“. Only then, in our opinion, do we have a real chance to create a good basis for the great civilisational and political debate on the way through philosophy.

However, our book does not stop at this rather abstract philosophical discussion, but deals in the quantitatively longest part with the pragmatic politics of sustainability. There are concrete proposals for a re-regulation of the financial markets, for climate protection, for ecologically sustainable agriculture, for the decentralisation of energy production as well as for the recycling economy.

The arrogance of the capital must be put back in its place, you said elsewhere. By who? Do states today still have the power at all to curb this growth mania? Can they still rethink and redirect, or is the power of corporations not already much too great for them to change course on the basis of state appeals alone? Do we need other laws or incentives that are stronger than the prospect of profit?

Firstly, there is the phenomenon that growth worshippers today are mainly the states. I don’t know of a single state that would contradict the economy if it wanted growth.

Objection: Positive growth forecasts euphorize stock markets and corporations.

Yes, growth worshippers sit there too. But I do see the possibility of a kind of consensus that what is now called gross domestic product (GDP) is in reality not a measure of well-being at all, because GDP also contains traffic accidents, which do not really improve the quality of life. However, GDP is still a rather reliable indicator of two political sanctuaries – jobs and tax revenues. Both go tightly together with GDP. Woe betide the politician who would even make the suggestion of less employment! He’d be politically dead in a heartbeat. Even politicians who declare publicly that even less tax revenue would be acceptable would face problems.

In other words, it is not a question of explaining that GDP is not a measure of well-being, but of how to get out of the fixed link between GDP and employment and between GDP and tax revenue. As long as we do not unbundle this, we have little political chance against GDP. A traffic accident also creates employment. And this has never really been respected by famous representatives of the ecological economy like Robert Constanza, Herman Daly and others who criticize the misdirection by GDP. They act as if it were just a matter of removing something like traffic accidents from the calculation of the prosperity index. That alone is not effective.

What’s next would be is a decoupling of gross turnover from employment and tax revenue.

Is democracy, as we know and value it, still suitable for the tasks ahead? Does she give us the time to get majorities together for a change of course? I think of China, where decisions are made quickly by a different state order, also Reorientations can take place very quickly as soon as the leadership has identified a need for action. You yourself said that we cannot wait until seven and a half billion people have walked the path of insight.

In the 1970s, the democracies of the industrialized countries were very well able to enforce laws for environmental protection. But these were laws against local pollution of air and water and soil. The Chinese – like us – have for decades only had economic growth in mind and neglected the environment. Now they have woken up and are reacting to the indignation of the population at the terribly bad air in Beijing and the other big cities.

With their totalitarian system, they are now doing what democracies did before them. It just superficially looks like the Chinese are faster than us. After all, they have the instruments in their hands to implement uncomfortable environmental measures without rebellion among the people. But I also see a latent rebellion in China against the all-powerful state.

If one’s own concern is the prerequisite for insight or outrage and ultimately for political action, then how can it be where climate change is least noticeable, but at the same time where the greatest proportion of climate damage is caused – and has been since the beginning of industrialisation! – to come to a radical rethink?

2018 could be a turning point in climate protection, because now the people feel harmed and not only the noble people who think of the fates of the grandchildren, because they are always in the minority.

I’d love to share your optimism, but let’s be honest: Despite very positive reactions to the 2017 Club of Rome report, I still don’t see any rethinking on a relevant scale. Germany misses its climate targets, a climate change denier sits in the White House, in Brazil an equal denier has won the most recent election, the EU is less and less united and therefore less able to act. We are observing an increasing nationalism. Are these not all factors that point to the opposite development rather than towards a new Enlightenment?

Your observation is completely accurate. We live in a decade in which a frustration with idealistic concepts, which at times had a kind of majority, has emerged. This applies in particular to the second half of this decade. And today in practically every country in the world there is a kind of Now-Egoism that disguises itself as realism. Realism tends to be a winning strategy, but in this case it is a lie.

How great in perspective do you estimate the readiness of a critical mass of people necessary for the change you demand?

I think it is feasible for a civilization to adjust to a new way of thinking when it clearly sees that the current actions of civilization have a massively destructive component. But now drunkenness still predominates – an egoism for today and at best tomorrow, certainly not for the day after tomorrow.

What does that do to you? How does self-encouragement work under these circumstances?

I don’t make any effort to do that. I take it morally and from my understanding of duty absolutely for granted that people oppose this current foolishness, expose this stupidity and say: What you are doing populistically at the moment harms us humans, our future, especially our children and grandchildren. And that’s why, of course, I’m on the other side.


This work is licensed under a Creative Commons license (Attribution – Non Commercial – No Derivations 4.0 International (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de)). You may distribute and reproduce it in accordance with the terms of the license.


Translation: DeepL

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Feb 172019
 
Der Prozess des analogen Denkens und Lernens

By Hannelore Schwedes und Roland Paatz Universität Bremen

NARST, New Orleans, April 2002

Englische Webseite

Ziel dieser Studie war es, empirisch zu untersuchen, ob und wie sich Lernprozesse im Ausgangsbereich einer Analogie von denen im Zielbereich unterscheiden würden. Wir haben ein Wassermodell verwendet, um Strom zu erforschen. Die Lernprozesse einzelner Schüler (16 bis 17 Jahre alt) im Bereich Wasser und Strom wurden in einem Video dokumentiert, transkribiert und detailliert analysiert. Es wurden Sequenzen mit analogen Lernaufgaben gewählt. Aus diesen Sequenzen wurden die Ideen der Studenten mit interpretativen Methoden konstruiert, dann wurde die Komplexität der Ideen bestimmt. Die Komplexität aufeinanderfolgender Ideen wird gegen die Zeit aufgetragen. Der Verlauf dieser Diagramme für den Wasser- und den Strombereich zeigt charakteristische Unterschiede, aber die Hypothese, dass analoges Lernen ein Top-down-Prozess ist, muss modifiziert werden.

Auf der Grundlage der Gentners Strukturkartierungstheorie wurden zu verschiedenen Zeiten aus den Ideen der Studierenden verwertungsfähige Netzwerke aufgebaut. Diese Netzwerke zeigten die vier Phasen (Aktivierung der Basisdomäne, Postulieren lokaler Übereinstimmungen, verbinden isolierter korrespondierender Elemente zu einem globalen Übereinstimmungsergebnis, Einfügen von Kandidatenbewertungen aus Inferenzhypothesen) im Prozess des analogen Lernens, wie von Gentner vorgeschlagen.


Gegenstand
Problem und theoretischer Hintergrund

Analogien spielen eine wichtige Rolle im naturwissenschaftlichen Unterricht. Sie initiieren neue Theorien in der Naturwissenschaft, sie sind hilfreich in der Lehre für konzeptionelle Veränderungen und sie helfen, neue Konzepte in der Naturwissenschaft zu verstehen (Brown & Clement 1989, Duit & Glynn 1992, Treagust 1998). Wir haben eine Unterrichtseinheit in Grundlagen Elektrizität auf Basis einer Wasseranalogie entwickelt (Schwedes & Dudeck 1996). In dieser Reihenfolge des Unterrichts müssen die Schüler zunächst die Physik des Wassermodells erlernen und dann hoffentlich das Wassermodell zur Erklärung von Stromkreisen nutzen. Wir wollten wissen, ob sich die Lernprozesse im Wasserbereich von denen im elektrischen Bereich unterscheiden würden, wenn die Schüler analoge Denkansätze anwenden.

Im Institut für Physikdidaktik in Bremen untersuchen wir seit mehr als zehn Jahren die Wirkungsweise von lokal verankerter Kognition und Lernen im Unterricht und haben einen theoretischen Ansatz entwickelt, der es ermöglicht, einzelne Prozesse der lokalisierten Kognition und des Lernens in physikalischen Lernumgebungen detailliert zu beschreiben. Auf der Grundlage einer konstruktivistischen Epistemologie, die nicht den Ansatz der symbolischen Repräsentation anwendet, wurden individuelle Aktionen und Interaktionen in authentischen Lernumgebungen analysiert. Jeder Schüler schafft kontinuierlich Kognitionen auf der Grundlage seiner eigenen Handlungen und Wahrnehmungen. Der Beobachter kann die kognitiven Prozesse der Schüler nur aus den Handlungen und verbalen oder nonverbalen Beiträgen der Schüler ableiten. Diese rekonstruierten Kognitionen nennen wir „Ideen“. Diese Ideen können durch die Komplexität qualifiziert werden. Betrachtet man die Abfolge der „Ideen“, so wird immer eine Bottom-up-Entwicklung in Bezug auf ihre Komplexität sichtbar. Das Lernen in bestimmten Bereichen kann empirisch durch einen langsamen Anstieg der durchschnittlichen Komplexität von Ideen bestimmt werden.

Aus analogen Gründen haben Gentner und ihre Gruppe dagegen die Strukturkartierungstheorie entwickelt, die einen Top-down-Prozess kognitiver Konstruktionen voraussagt. Es deutet darauf hin, dass analoges Denken vor allem Strukturen in beiden Bereichen vergleicht und dass einige kognitive Elemente, die noch nicht in der Zielbereich repräsentiert sind, von der Basis- auf den Zielbereich übertragen werden können. Der Gewinn des analogen Denkens liegt im Systematisierungsprinzip, d.h., dass der Transfer mit Beziehungen der höchsten Ordnung beginnt und die anderen der niedrigeren Ordnung fast automatisch folgen. Analoges Denken sollte daher ein Top-Down-Prozess sein, beginnend mit der Konstruktion allgemeiner Regeln, gefolgt von spezifischeren Beziehungen, bis hin zu Attributen und Aussagen über Objekte. [Die Kompatibilität des informationstheoretischen Hintergrunds von Gentners mit unserem konstruktivistischen Paradigma wird woanders diskutiert. Paatz, R. 2002].


Design und Vorgehensweise

Eine analogieorientierte Unterrichtssequenz mit einem Wassermodell wurde in einer 10. Klasse eines Gymnasiums für 20 Lektionen à 90 Minuten unterrichtet (Dudeck 1997). Zwei Gruppen von je vier Schülern wurden über die gesamte Zeit aufgezeichnet. Lernsequenzen, die den gleichen strukturellen Inhalt für Wasser oder Stromkreise abdecken, wurden transkribiert und analysiert. Aus den verbalen und nonverbalen Interaktionen der Schüler untereinander oder mit dem Arbeitsmittel des Labors werden die Erkenntnisse der Schüler identifiziert und als Ideen der Schüler rekonstruiert. Die Reihenfolge der Ideenentwicklung eines Schülers beschreibt seinen Lernprozess. Ideen werden dann nach ihrem Komplexitätsgrad qualifiziert (Aufschnaiter & Welzel, 1999). Entsprechende Lernsequenzen im Bereich Wasser und Strom werden dann verglichen. Zusätzlich wurden Vor- und Nachprüfungen für die Wassereinheit und die elektrische Einheit durchgeführt.

Für die Anwendung der Gentner Strukturmapping Theorie haben wir vermutete Netzwerke in verschiedenen Phasen des Lernprozesses der Schüler aufgebaut. Kodiert werden Entitäten (Objekte oder Konstanten), Prädikate und Funktionen. Prädikate können ein oder zwei Argumente haben, diejenigen mit einem Argument werden Attribute genannt, diejenigen mit zwei Argumenten werden Beziehungen genannt. Funktionen unterscheiden sich von Prädikaten insofern, als sie sich an die Argumente (Anzahl)Werte anhängen. Entitäten, Prädikate und Funktionen werden weiterhin durch Ränge gekennzeichnet, Entitäten erhalten den Rang 0, Attribute den Rang 1, Beziehungen erhalten normalerweise den Rang 2 oder einen höheren. Die Ideen der Studenten werden dann als Vorschläge formuliert und die Netzwerke der Aussagen aufgebaut.


Ergebnisse

Die Schüler hatten kein Problem damit, die Wasseranalogie zu verwenden und richtig anzuwenden.

Im Basisbereich steigt die durchschnittliche Komplexität der Studenten „Ideen“ erwartungsgemäß langsam an, aber im Zielbereich finden wir eine Art Tal für den Verlauf der Komplexität der Ideen. Eine Lernsequenz (Lösung einer Aufgabe oder eines Problems) beginnt mit einer Idee hoher Komplexität (normalerweise eine Hypothese für das Ergebnis eines Experiments oder das Ergebnis eines zu lösenden Problems) und fällt dann in wenigen oder nur einem Schritt auf den Grund des Tales und steigt in relativ kurzer Zeit auf das Komplexitätsniveau der ursprünglichen Hypothese an. Die Ideen, die zur Phase der zunehmenden Komplexität gehören, gehören zum Prozess der Überprüfung der Hypothese von Anfang an.

Die Konstruktion einer Reihe von Ideen zur Bewältigung einer bestimmten Aufgabe oder eines Problems im Basisbereich benötigt mehr Zeit als die Generierung der analogen Kognitionen im Zielbereich. Das Erreichen der gleichen Komplexität erfordert in der Basisdomäne mehr Zeit als in der Zieldomäne. (siehe Abbildung 1)

Abbildung 1: Bestimmung der Stromintensität in einem Wasser- oder Stromkreis mit parallelen Verzweigungen

Die Hypothese, dass analoges Denken oder Lernen ein Top-down-Prozess ist, muss also modifiziert werden.

Zur Überprüfung der Strukturabbildungstheorie von Gentner et al. suchten wir nach den Teilprozessen, die sie für den Prozess der Generierung und Verwendung von Analogien identifiziert hatten.

Aktivierung einer geeigneten Basisdomäne (hier die Domäne der Wasserkreisläufe)

Postulierung von „lokalen Spielen“. Dies sind potentiell korrespondierende Elemente (Objekte, Attribute und Beziehungen unterschiedlicher Ordnung).

Verbinden der isolierten entsprechenden Elemente mit einem „Global Match“, einem kohärenten Beziehungssystem.

Die Darstellungen von Basis- und Zieldomäne zeigen nun ähnliche Strukturen, aber das Netzwerk der Zieldomäne ist noch nicht so ausgearbeitet wie in der Basisdomäne. Der wesentliche heuristische Akt im analogen Denken wird dann im nächsten Schritt durchgeführt.

Zusätzliche Aussagen, die in der Basisdomäne, aber nicht in der Zieldomäne dargestellt werden, können als inferentielle Hypothese in die Zieldomäne übertragen werden (Candidate Inferences). Durch die Übertragung dieser Aussagen wird eine Erhöhung der relationalen Korrespondenzen erreicht.

Wesentlich für die Generierung der hypothetischen Basis-Zielrelation ist das Prinzip der Systematik, d.h. dass Beziehungen hoher Ordnung, die sich an der Spitze einer Hierarchie befinden, bevorzugt als isolierte Aussagen als Form oder Farbe von Objekten genommen werden.

Die Analyse der Lernsequenzen in der Zieldomäne erfolgt in Übereinstimmung mit dem vierten Teilprozess. Die beobachteten kognitiven Konstruktionen der Schüler zeigten ein hohes Maß an Komplexität und stellten somit hochrangige Beziehungen dar und entsprachen den inferentiellen Hypothesen.

Auf der Suche nach den anderen Teilprozessen, die wir aus den Antworten im Endtest für die Wasserdomäne, dem Aussagen-Netzwerk des Schülers, konstruiert haben. Es glich fast perfekt dem Netzwerk eines Experten, fast alle Beziehungen und Funktionen der verschiedenen Ränge waren so dargestellt, wie es das Lehrmittel vorsah. Wir haben dann nach der ersten Lektion ein Vorschlagsnetzwerk aufgebaut, in dem die Schüler gebeten wurden, den Wasser- und Strombereich zu vergleichen. Die grafische Darstellung der Ideen des Schülers in einem Beziehungsnetz zeigte den zweiten Prozess der Postulierung lokaler Treffer. Mögliche Entsprechungen für Objekte oder Relationen verschiedener Rangstufen wurden angegeben, jedoch ohne erkennbare Systematik (siehe Abb.2). In der nächsten Lektion sehen wir allgemeine Treffer, die wir aus den Hausaufgaben der Schüler ableiten können.

Als die Schüler dann elektrische Stromkreise konstruierten und untersuchten, konnten wir „Candidate Inferences“ identifizieren.

Abbildung 2: Aussagekräftiges Konzept von den Studenten für parallele Stromkreise.

Die Elemente mit weißem Hintergrund und ihren Verbindungen wurden während der Phase der lokalen Kämpfe konstruiert, die Elemente mit grauem Hintergrund wurden in der Phase der globalen Kämpfe konstruiert und die gestrichelten Linien zeigen die „Candidate Inferences“ (C.I.) mit ihren Verbindungen.

Während der Phase der lokalen Spiele verwendeten die Schüler die Wörter Druckdifferenz und Strom, wie unter den entsprechenden Ellipsen angegeben. Sie wurden in der Phase der globalen Spiele genauer gesagt. Die Zahlen beziehen sich auf die Ideen, die als C.I. identifiziert wurden.


Literaturhinweise

Aufschnaiter, St. von und Welzel, M. (1999) „Individual Learning Processes. A Research Program with Focus on the Complexity of situated Cognition.“ In: Bandiera, M. et al (Eds.) „Research in Science Education in Europe“ London: Kluwer Academic Publishers, pp. 209 – 217

Brown, D.E. and Clement, J. (1989). Overcoming Misconceptions via Analogical Reasoning: Abstract Transfer versus Explanatory Model Construction, Instructional Science, 18, 237-261.

Dudeck, W.-G. (1997) Analyse von Denkprozessen in einem analogieorientierten Elektrizitätslehreunterricht – Fallstudien in einer 10. Gymnasialklasse. Dissertation an der Universität Bremen, Aachen: Verlag Mainz

Gentner, D. and Markman, A.B. (1997) „Structure mapping in analogy and similarity“ American Psychologist, 52(1), 45 – 56

Schwedes, H. and Dudeck, W.-G. (1996) „Teaching Electricity by Help of a Water Analogy (How to Cope with the Need for Conceptual Change)“ In : Welford, G. et al. (Eds.) „Research in Science Education in Europe“ London: Falmer Press pp 50 – 64

Duit, R. und Glynn, S.M. (1992). Analogien und Metaphern, Brücken zum Verständnis im schülergerechten Physikunterricht. In: P. Häußler (Hrsg.): Physikunterricht und Menschenbildung. Kiel: IPN, 223-250.

Treagust, D.F. (1998). Diagnosing Conceptual Change Learning Using a Multi-Dimensional Interpretative Framework. In: H. Behrendt (Hrsg.): Zur Didaktik der Physik und Chemie: Probleme und Perspektiven. Alsbach/Bergstraße: Leuchtturm-Verlag, 91-101.


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Feb 162019
 
The Process of Analogous Thinking and Learning

Hannelore Schwedes and Roland Paatz University of Bremen

NARST, New Orleans, April 2002

German Website

The purpose of this study was to investigate empirically if and how learning processes in the basic domain of an analogy would differ from those in the target domain. We used a water model for learning electricity. The learning processes of individual students (16 to 17 years old) in the water and electricity domain were video documented, transcribed and analysed in detail. Sequences with analogous learning tasks were chosen. From these sequences students’ ideas were constructed with interpretative methods, then the complexity of the ideas was determined. The complexity of successive ideas is plotted against time. The course of these graphs for the water domain and the electricity domain show characteristic differences, but the hypothesis, that analogous learning is a top down process has to be modified.

On the basis of Gentners structure mapping theory propositional networks were constructed from students’ ideas at various times. These networks showed the four phases (activate basic domain, postulate local matches, connect isolated corresponding elements to a global match, insert Candidate Inferences from inferential hypotheses) in the process of analogous learning as suggested by Gentner.


Subject
problem and theoretical background

Analogies play a significant role in science instruction. They initiate new theories in science, they are helpful in teaching for conceptual change and they help understanding new concepts in science (Brown & Clement 1989, Duit & Glynn 1992, Treagust 1998). We developed an instruction unit in elementary electricity on the basis of a water analogy (Schwedes & Dudeck 1996). In this sequence of instruction students have to learn the physics of the water model at first and then they hopefully use the water model for explaining electric circuits. We wanted to know if the learning processes in the water domain would differ from that in the electric domain, when students use analogous reasoning.

In the Institute of Physics Didactics in Bremen we have investigated the dynamics of situated cognition and learning in classroom situations for more than ten years and have developed a theoretical approach which allows to describe in detail individual processes of situated cognition and learning in physics learning environments. On the basis of a constructivist epistemology, not using the approach of symbolic representation, individual actions and interactions in authentic learning environments were analyzed. Every student continuously creates cognitions on the basis of his own actions and perceptions. The observer can deduce the students cognitive processes only from the students actions and verbal or non-verbal contributions. These reconstructed cognitions we call „ideas“. These ideas can be qualified by levels of complexity. Looking at the succession of „ideas“ a bottom up development always becomes visible with regard to their complexity. Learning within specific domains can be determined empirically by a slow increase of the average complexity of ideas.

For analogous reasoning on the other hand Gentner and her Group have developed the structure mapping theory, which predicts a top down process of cognitive constructions. It suggests that analogous thinking mainly compares structures in both areas and that some cognitive elements which are not yet represented in the target domain can be transferred from the basic to the target domain. The gain of analogous reasoning lies in the systematicity principle which means, that transfer begins with relations of the highest order and the others of lower order follow nearly automatically. Therefore analogous thinking should be a top down process beginning with the construction of general rules followed by more specific relations and down to attributes and statements on objects [The compatibility of Gentners information theory background with our constructivistic paradigm is discussed somewhere else. Paatz, R. 2002].


Design and procedure

An analogy oriented instruction sequence using a water model was taught in a 10th grade class of a gymnasium for 20 lessons à 90 minutes (Dudeck 1997). Two groups of four students each were videotaped over the whole time. Learning sequences covering the same structural content for water or electrical circuits were transcribed and analyzed. From the verbal and non verbal interactions of the students with each other or with the lab work materials students’ cognitions are identified, and reconstructed as students ideas. The sequence of a student’s developing ideas describes his learning process. Ideas are then qualified by their level of complexity (Aufschnaiter & Welzel, 1999) . Corresponding learning sequences in the water and electricity domain are then compared. Additionally pre- and post-tests for the water unit and the electric unit were administered.

For using Gentner’s structure mapping theory we constructed propositional networks at different stages of students learning process. Coded are entities (objects or constants), predicates and functions. Predicates may have one or two arguments, those with one argument are called Attributes those with two arguments are called relations. Functions differ from predicates in so far as they attach to the arguments (number)values. Entities, predicates and functions are further characterized by ranks, entities get the rank 0 , attributes the rank 1 , relations normally get the rank 2 or a higher one. Students ideas are then formulated as propositions and the propositional networks are constructed.


Results

Students had no problem in using the water analogy and using it correctly.

In the basic domain the average complexity of students „ideas“ increases slowly as expected, but in the target domain we find some sort of a valley for the course of the ideas’ complexity. A learning sequence (solving a task or problem) starts with an idea of high complexity (normally a hypothesis for the result of an experiment or the result of a problem to solve) an then falls down in a few or only one step to the bottom of the valley and increases in a relatively short range of time to the level of complexity of the original hypothesis. The ideas which belong to the phase of increase in complexity belong to the process of verifying the hypothesis from the beginning.

The construction of a sequence of ideas in dealing with a specific task or problem in the basic domain needs more time than the generation of the analog cognitions in the target domain. Reaching the same level of complexity needs more time in the basic domain than in the target domain. (see figure 1)

Figure 1: Determining current intensity in a water or electric circuit with parallel branches

So the hypothesis, that analogous thinking or learning is a top down process has to be modified.

For checking the structure mapping theory of Gentner et al we looked for the sub processes, they had identified for the process of generating and using analogies.

  1. activating an appropriate basic domain (here the domain of water circuits)

  2. postulating „local matches“. These are potential corresponding elements (objects, attributes and relations of various order)

  3. connecting the isolated corresponding elements to a „global match“, a coherent system of relations
    The representations of basic and target domain now show similar structures, but the network of the target domain is not yet so elaborated as in the basic domain. The essential heuristic act in analogous thinking is then done in the next step.

  4. Additional predicates, which are represented in the basic domain but not in the target domain can be transferred into the target domain as an inferential hypothesis (Candidate Inferences). By the transfer of these predicates an increase of relational correspondences is attained.

Essential for the generation of the hypothetical basic-target relation is the principle of systematicity, which means that high order relations, which are on the top of a hierarchy, are taken more preferably than isolated predicates as shape or color of objects.

The analysis of the learning sequences in the target domain is in accord with sub process four. The observed cognitive constructions of the students showed a high level of complexity and represented therefore high ranking relations and corresponded with the inferential hypotheses.

Looking for the other sub processes we constructed from the answers in the end test for the water domain the propositional network of the student. It resembled nearly perfectly the network of an expert, nearly all the relations and functions of the various ranks were represented as the teaching device intended. We then constructed a propositional network after the first lesson were students were asked to compare the water and electric domain. The graphing of the student’s ideas in a propositional network showed the second process of postulating local matches. Potential correspondences for objects or relations of various rank were stated but without a recognizable systematology (see fig.2). In the next lesson we can see global matches, which we could derive from the homework of the student.

When students then constructed electric circuits and investigated them we could identify „Candidate Inferences“

Figure 2: propositional network from the students ideas for parallel electric circuits.

The elements with white background and their connections were constructed during the phase of local matches, the elements with gray background were constructed in the phase of global matches and the dotted lines indicate the „Candidate Inferences“ (C.I.) with their connections.

During the phase of local matches students used the words pressure difference and current as is indicated under the corresponding ellipses. They were stated more precisely in the phase of global matches. The numbers refer to the ideas which were identified as C.I.

Literature

Aufschnaiter, St. von und Welzel, M. (1999) „Individual Learning Processes. A Research Program with Focus on the Complexity of situated Cognition.“ In: Bandiera, M. et al (Eds.) „Research in Science Education in Europe“ London: Kluwer Academic Publishers, pp. 209 – 217

Brown, D.E. and Clement, J. (1989). Overcoming Misconceptions via Analogical Reasoning: Abstract Transfer versus Explanatory Model Construction, Instructional Science, 18, 237-261.

Dudeck, W.-G. (1997) Analyse von Denkprozessen in einem analogieorientierten Elektrizitätslehreunterricht – Fallstudien in einer 10. Gymnasialklasse. Dissertation an der Universität Bremen, Aachen: Verlag Mainz

Gentner, D. and Markman, A.B. (1997) „Structure mapping in analogy and similarity“ American Psychologist, 52(1), 45 – 56

Schwedes, H. and Dudeck, W.-G. (1996) „Teaching Electricity by Help of a Water Analogy (How to Cope with the Need for Conceptual Change)“ In : Welford, G. et al. (Eds.) „Research in Science Education in Europe“ London: Falmer Press pp 50 – 64

Duit, R. und Glynn, S.M. (1992). Analogien und Metaphern, Brücken zum Verständnis im schülergerechten Physikunterricht. In: P. Häußler (Hrsg.): Physikunterricht und Menschenbildung. Kiel: IPN, 223-250.

Treagust, D.F. (1998). Diagnosing Conceptual Change Learning Using a Multi-Dimensional Interpretative Framework. In: H. Behrendt (Hrsg.): Zur Didaktik der Physik und Chemie: Probleme und Perspektiven. Alsbach/Bergstraße: Leuchtturm-Verlag, 91-101.


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