Jul 162017
 
Ökumenische Aufbaulager in Hildesheim 1960 und 1961

Von Christoph Gäbler

Nach über 55 Jahren habe ich versucht über die beiden Aufbaulager sowie über eine gemeinsame Freizeit eine Dokumentation herzustellen. Leider sind meine Unterlagen lückenhaft. Für Ergänzungen wäre ich dankbar.

Inhalt

Camp 1960

Camp 1961

Tagung 1961/62

Buch von Brunhilde Heinrich


Wie entstand das Aufbaulager 1960?

1957 und 1958 war ich Teilnehmer an ökumenischen Aufbaulagern in Ost-Berlin, 1959 in London. Damals war ich interessiert ein Projekt für ein solches Arbeitscamp 1960 in Westdeutschland zu finden. Ich war auf der Suche nach einem Projekt für die Zigeuner.

Ich schrieb am 04.12.1959 an Pastor Georg Althaus in Braunschweig, der für den Dienst für den Dienst an Israel und den Zigeuner zuständig war:

… Zur Zeit bin ich auf der Suche nach einem geeigneten Projekt für ein ökumenisches Aufbaulager im kommenden Sommer. Diese Ihnen bekannte internationalen Aufbaulager, die vom World Council of Churches in Genf organisiert werden, sollen einen wirklichen Notstand abhelfen. Ich glaube bestimmt, dass ein solcher Notstand bei den Zigeunern vorliegt. Besteht nach Ihrer Meinung irgendwo in Hamburg, Braunschweig, Hildesheim, Köln oder Essen die Möglichkeit, dass ein solches Arbeitscamp durchgeführt werden kann? …

Pastor Althaus antwortete mir umgehend am 09.12.1959:

… Es war mir eine grosse Freude, dass mir ein Gäbler geschrieben hat, noch dazu zur Frage der Zigeunermission. Mit Ihrem Vater verbindet mich vieles. So freue ich mich, durch Sie an ihn erinnert zu werden. Wie schön, dass Sie sich die Lage der Zigeuner durch den Kopf gehen lassen. Die vergangenen Zeiten hindurch, war es so, dass die Christen in Deutschland und anderswo am Zigeunerproblem weithin unbewegt vorbeigegangen sind. Das soll nunmehr anders werden. Wenn die frische Jugend dabei hilft, eine neue Zeit für die Zigeuner herbeizuführen, so soll es mich recht freuen. Es wird ganz gewiss gesegnet sein. Sie suchen also Objekte für ein ökumenisches Aufbaulager. Wir planten bereits für den verstrichenen Sommer ein solches für Bad Hersfeld. Aber die Sache war da noch nicht reif. Ich muss nach langer Pause erst wieder einmal dorthin fahren, um das Eisen im Feuer zu schüren. Vermutlich kommen wir in Braunschweig und Hildesheim zuerst zu einem lohnenden Aufbaumöglichkeit. Gerade gestern war ich in Hildesheim. Dort stehen wir kurz vor dem Abschlusse der Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung und Klosterkammer. Die Innere Mission unter Leitung von Pastor  Johannes Wagner ist am Aufbau beteiligt, ich auch. Sowohl Stadtverwaltung wie Innere Mission wollen meine Mitarbeit. … Die Klosterkammer gibt einen Platz von drei Morgen her, der zurecht gemacht werden muss. Darauf wird dann ein Gebäude errichtet, das der Betreuung der Zigeuner zu dienen hat. Ebenso sollen die Zigeuner da ihre Wagen aufstellen. Vielleicht kommt es sogar zur Errichtung kleiner Heime für einige Familien. Wie die Toiletten und Waschräume aussehen werden, ist auch noch nicht heraus. Jedenfalls aber ist hier bald etwas zu tun. Ich könnte mir wohl vorstellen, dass ein Aufbaulager wesentlich helfen kann, das Verantwortungsbewusstsein von uns Nicht-Zigeunern für die Zigeuner zu stärken und dazu zu helfen, dass ein anderes geistiges Klima für unsere Beziehungen zu den Zigeunern und der Zigeuner zu uns entsteht. …

In einem weiteren Schreiben vom 09.01.1960 schrieb Pastor Althaus u.a.:

Das Geld für die Herrichtung des Platzes steht zur Verfügung. Sofern das Wetter es erlaubt, soll alsbald mit den Arbeiten begonnen werden. Es sei möglich, dass der Platz bereits im April fertig ist. … Es mag am 23. Dezember gewesen sein, da rief mich Pastor Wagner aus Hildesheim an. Er habe von der Inneren Mission aus einen Wagen zur Betreuung der Zigeuner in Hildesheim auf dem bisherigen Zigeunerplatze aufgestellt. Am 24. Dezember wolle er eine Weihnachtsfeier mit den Zigeunern dort abhalten. Er habe den Platzältesten gefragt, ob sie kommen würden, wenn ich kommen und auch eine Ansprache halten würde. Darauf habe der Platzälteste erklärt, in diesem Falle würde kein einziger Zigeuner kommen. … Ich bin am 3. Januar bei strömendem Regen nach Hildesheim gefahren. Vor einigen Jahren habe ich am gleichen Tage eine schöne Zigeunerweihnachtsfeier gehalten. Dieses Mal stand ich unter einem nicht dichten Schuppendache, freundlich von einigen Männern begrüsst. Die Leute erklärten, nichts von der Rede ihres Stammesältesten, bzw. Sprechers, zu wissen. So ging ich zu seinem Wagen, um mit ihm zu reden. Wir haben dann draussen verhandelt. Er erklärte, dass ich meiner Tochter wegen unrein sei. Darum könne ich nicht in ihre Wagen kommen. Ein anderer Zigeuner, der mich noch nicht gekannt hatte, hörte unsere Unterhaltung. Als er nun sagte, dass der Wagen der Inneren Mission ja nicht den Zigeunern gehöre und Pastor Wagner ja über den Wagen verfüge und nicht die Zigeuner, da wurde der Sprecher, also unser Platzältester, unsicher. Ich rechne eben mit dieser Unsicherheit und rechne hoffnungsfroh darauf, dass die Zigeuner ihren starren Sinn aufgeben. Denn der Bann, den sie mir auferlegen, ist ja ganz sinnlos. Auf der anderen Seite vergeht kein Besuch bei den Zigeunern, bei dem sie mir nicht ihre Verbundenheit mit mir zum Ausdruck bringen, mir auch wohl allerlei Bitten vortragen, z.B. Fürsprache in schwierigen Fällen. So war es auch gestern. Wenn ich Ihrer Frage nachkommen soll, ob ein Aufbaulager in Hildesheim möglich ist, müssen Sie sehen, dass erstens die Stadtverwaltung nicht sehr geneigt ist, auf Ihren Plan einzugehen.

Am 10.01.1960 schrieb ich an Pastor Wagner:

… Wie ich gerade von Herrn Pastor Althaus höre, ist am Dienstag eine Sitzung mit der Stadtverwaltung und dass der Stadtdirektor, Herr Büsse, die tausend Mark, die das Aufbaulager der Stadt kosten würde, lieber in die Arbeit für den Platz hineinstecken würde. Da Du die Lage am Besten beurteilen kannst, möchte ich Dich fragen, ob ein solches work-camp in Frage kommt. Ein solches Lager ist mit wenigen Unkosten verbunden, da die 25 Teilnehmer ihren Aufenthalt teilweise selber tragen. Dem gegenüber stehen 2500-3000 freiwillige Arbeitsstunden. …

Am 14.01.1960 schrieb ich an Herrn Herrn Zitzmann (Arbeitsgemeinschaft für Christliche Aufbaulager in Kassel):

… Pastor Wagner in Hildesheim, der schon zwei Aufbaulager mit der IJGD durchgeführt hat, ist gerne bereit unter der Regie der Inneren Mission ein Aufbaulager durchzuführen. Er bestätigte mir, dass ein wirklicher Notstand vorliegt. Arbeitsprojekt: Aufbau eines Nachbarschaftsheimes, Spielplatz, Bepflanzung etc. auf dem Zigeunerplatz. …

Ökumenische Bedeutung des Lagers

Wir beabsichtigen, ein ökumenisches Aufbaulager durchzuführen, um in einem Hildesheimer Zigeunerviertel den Menschen, denen in den Vergangenheit viel Unrecht zugefügt worden ist, zu zeigen, dass es möglich ist, dass Menschen verschiedener Nationen, Sprachen und Rassen in Frieden zusammenleben können. Ausserdem möchten wir, dass in einem städtischen Obdachlosenviertel durch dass Lager neue Impulse zum Zusammenleben gegeben werden, und dass die Menschen, die unter primitiven äusseren Verhältnissen leben müssen, neuen Mut fassen, sich selber zu helfen.

Das Lager würde dem christlichen Zeugnis von der Nächstenliebe dienen und die Möglichkeit haben, insbesondere unter den meist nur sehr oberflächlich christianisierten Zigeunern durch Verkündigung der christlichen Botschaft in Wort und Tat zu wirken.


Auszug aus dem Anschreiben an die Camper

Lieber Camper, du wartest bestimmt schon mit Ungeduld auf eine Nachricht über das Aufbaulager in Hildesheim. Zunächst einmal freuen wir uns, dass Du vom 12. August bis zum 9. September 1960 zu uns nach Hildesheim kommen wirst. Als der deutsche Lagerleiter möchte ich Dir kurz mitteilen, was Dich hier erwartet.

Hildesheim

Hildesheim, eine Stadt von 90.000 Einwohnern, liegt 30 km südöstlich von Hannover an dem Flüsschen „die Innerste“ in einer schönen Hügellandschaft. Um 815 wurde Hildesheim von Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls des Grossen, als Bischofsstadt gegründet. Aus dieser Zeit stammen der katholische Dom mit dem tausendjährigen Rosenstock und die evangelische Michaeliskirche, eine der schönsten romanischen Kirchen. Hildesheim wurde die „Perle des Mittelalters“ genannt. Von dieser Pracht ist nicht viel übrig geblieben. Über 80% der Gebäude sanken nach einem Fliegerangriff am 22. März 1945 in Schutt und Asche. Fast alle Fachwerkhäuser wurden zerstört. In den letzten Jahren ist sehr viel wieder aufgebaut worden. Du wirst es selbst sehen. Heute ist Hildesheim wieder ein wirtschaftlicher Mittelpunkt geworden.

Kirche

Hildesheim ist der Sitz eines katholischen. Bischofs. Der überwiegende Teil der Bevölkerung gehört zu der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Diese Landeskirche ist in neun sogenannte „Sprengel“ unterteilt. Ein solcher Sprengel hat seinen Sitz in Hildesheim.

Innere Mission

Die Innere Mission ist die Gesamtheit der Einrichtungen und Anstalten der christlichen Liebestätigkeit innerhalb der evangelischen Kirche. Ihre Arbeit umfasst folgende Fachgruppen: männliche- und weibliche Diakonie, Berufsarbeiter und Berufsarbeiterinnen; Frauenarbeit; Jugendarbeit; Gesundheitsfürsorge; Erziehungsarbeit; Gefährdetenfürsorge; Heimatfremde, Ausländsdeutsche; Presse, Volksbildung; soziale Arbeit; Volksmission und Evangelisation.

Arbeit

Die Innere Mission unterhält in Hildesheim unter anderem ein Nachtbarschaftsheim. Unsere Aufgabe wird es sein mitzuhelfen, den neuen Zigeunerplatz, den die Stadt anlegt, auszugestalten. Wir werden für die Kinder einen Spielplatz mit Spielgeräten fertigstellen, Planierungsarbeiten ausführen und beim Wegebau helfen. Zu tun haben wir genug. Durch die Arbeit werden vielleicht einige Kontakt zu den Zigeunern entstehen. Bitte erwarte nicht grosse Dinge, weil die Zigeuner andersartige Lebensgewohnheiten haben.

Unterbringung

Eine gemeinsame Unterbringung für uns wird es nicht geben. Wir werden in einzelnen Familien in der Stadt untergebracht. Auf diese Weise soll der Kontakt zwischen den Gemeindegliedern und der Arbeit am Pferdeanger vertieft werden. Den Tag über werden wir im Nachbarschaftsheim Zusammensein. Hier stehen uns die nötigen Räumlichkeiten und Dusch- und Bademöglichkeiten nach der Arbeit zur Verfügung.

Bereite Dich vor, über Deine Kirche und ihre Probleme zu sprechen. Lasse nicht die vielen guten Ideen, die Fröhlichkeit und das gute Wetter zu Hause. …


Auszug aus dem Bericht nach dem Camp

… Das Lager ist gut vorbereitet worden. Diakon Christian Heinrich und seine Frau Brunhilde Heinrich haben sich und ihr ganzes Haus zur Verfügung gestellt. Die Zusammenarbeit war ausgezeichnet. Christian Heinrich war für die Arbeit verantwortlich. Seine Erfahrungen waren uns eine grosse Hilfe. Jeder wusste, was zu tun war. Werkzeug waren genug da. Da wir für Obdachlose und für Zigeuner arbeiteten, ergaben sich in den Bibelarbeiten und Gesprächen verschiedene Anknüpfungspunkte z.B.

  • Warum arbeiten die Zigeuner nicht selbst?
  • Warum haben die Obdachlosen keine Initiative?

Verschiedene Camper verstanden zunächst nicht die Bedeutung der Arbeit nicht z.B.

  • Die Zigeuner fahren doch Autos!

Mit der Zeit sahen auch die Letzten ein, dass sie ihre Meinungen ändern müssten. Zum Schluss des Camps waren die Camper der Meinung, dass noch wesentlich mehr getan werden müsste!

Für ein Aufbaulager war dies ein sehr gutes Arbeitsprojekt! Den Campern ist klar geworden, dass zum Leben eines Christen der Dienst gehört. Das Arbeitsprojekt war ein Musterbeispiel dafür, wie man der Kirche völlig entfremdete Menschen in einer ganz neuen Weise begegnen kann, ohne mit der Bibel ins Haus zu fallen.

Wir sind zu sechs richtigen Bibelarbeiten zusammen gekommen. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, den Campern eine grosse Auswahl von Methoden zu zeigen, z.B.

  • Allgemeine Einleitung, Fragen mit dem Nachbar besprechen, Aussprache
  • Erklärendes Referat, Aussprache mit der ganzen Gruppe
  • Einleitung, Arbeitsgruppen nach Sprachen, Plenum
  • Einführung und dann gleich für den Rest der Zeit in Arbeitsgruppen
  • Erst Arbeitsgruppen, dann gemeinsame Aussprache

Zunächst waren die Camper abwartend, tauten aber bald auf. Die Bibelarbeit zielte immer auf die Fragen und Probleme der Einzelnen. Die Mitarbeit war unterschiedlich. Besonders lebhaft war sie bei der gespielten Bibelarbeit. Die Bibelarbeiten waren teilweise etwas zu anspruchvoll, besonders bedingt durch die Sprachschwierigkeiten und  die schwerverständlichen Bibeltexte. Der Leitgedanke war der Bund Gottes mit dem Volk Israel, denn mit den Christen. Wie sieht der Bund aus? Was ist Gemeinde? …

Folgende Themen wurden diskutiert: Volkskirche, Rassenprobleme, Arbeit, Oekumene, Deutschlandfrage. Es gab Berichte über Lausanne, über die ökumenische Bewegung und über Literatur. Für den Bericht über über die Geschichte und dem Aufbau des WCC wären Dias nützlich gewesen. Ein Film über die Tätigkeit der Abteilung für Zwischenkirchliche Hilfe und Flüchtlingsdienst wäre wunderbar gewesen. Wir haben über die Bruderschaft von Taizé und die Konfirmationsfrage gesprochen.

Wir haben folgende Ausflüge unternommen: Besichtigung von Hannover, Teilnahme am Landesjugendtreffen der Hannoverschen Landeskirche im Sachsenhain, Harzfahrt mit Kennenlernen der Zonengrenze bei Walkenried. Die Ausflüge waren eine gute Mischung von Stadt, Kirche, Landschaft und Deutschlandproblem.

Die Freizeit war vielleicht etwas knapp aber doch gut gestaltet wie z.B. das Zusammensein mit den Gastgebern, das gemeinsame Musizieren und das gemeinsame Eisessen mit Stadtbummel.

Die Morgenandacht fand nach dem Frühstück im Speiseraum statt. Es gab eine feste Ordnung mit fortlaufender Bibellese und Fürbitte. Die Abendandacht fand zum Abschluss des Tages im Tagunsraum statt. Ordnung nach Belieben aber mit Textauslegung. Nach Möglichkeit kam jeder Camper mit einer Morgen- und Abendandacht dran. Die Andachten waren die tragenden Eckpfeiler des Tagen. Besonders die Abendandachten wurden durch die Auslegung der einzelnen Camper geprägt. Unser Lager war ohne diese Andachten nrcht denkbar.

Die Einstellung der Gemeinde war zunächst sehr kritisch. Man hatte schlechte Erfahrungen mit Aufbaulagern von der IJGD gemacht. Bald waren die Vorurteile abgebaut und man freute sich über unsere Hilfe. Da wir in Privatquatieren untergebraent waren, hatten wir sehr gute Beziehungen zur einheimischen Bevölkerung,  zu den evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden, zu den Pastoren, zu den evangelischen Jugendgruppen und zur Behörde.

Veranstalungen mit den Gastgebern, mit den Zigeunern, mit den Leuten vom Pferdeanger, mit den Studenten vom Prediger-Seminar, mit der evangelischen Jungenschaft und ein Stadtempfang sowie viele Einladungen führten zu guten Kontakten. Alle freuen sich auf das nächste Camp!

Den meisten Leuten, für die wir arbeiteten, wollte es nicht in den Kopf, dass wir umsonst arbeiteten.

Wir waren 31 Teilnehmer, weniger wäre mehr gewesen. Die Zusammensetzung war wirklich eine Führung Gottes! Besser konnte es wirklich nicht sein! Ein besonderes Lob für die Jugendabteilung des WCC und die DACA  (Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Christliche Aufbaulager). Die deutschen Teilnehmer haben sich ausgezeichnet eingeordnet, versuchten Verantwortung zu übernehmen und waren den Ausländern eine Hilfe, um Deutschland in der rechten Weise verständlich zu machen. Die ausländischen Teilnehmer waren alle zusammen liebenswerte Camper.

Der Gemeinschatsgeist wurde an seiner Aktivität dadurch gehindert, das wir in Privatquatieren untergebracht waren. Trotz dieser Behinderung ist es erstaunlich, wie rege er war. Das Lager blieb eine Einheit, obwohl wir über die ganze Stadt verstreut waren. Alles wurde gemeinsam gemacht, selbst die Freizeit wurde gemeinsam gestaltet!

Wir hatten keinen Lagerausschuss.Wer mitarbeiten wollte, wurde zur Mitarbeit hcrangezogen. Es wurde nicht nur geredet, sondern und das ist das Schöne gewesen, es wurde auch umgesetzt. Wir Leiter hatten es uns zum Prinzip gemacht möglichst viel Verantwortung abzugeben. Die Mitarbeit erstreckte sich auf alle Gebiete.

Die Erfahrungen als Lagerleiter waren sehr vielfältig. Es war mehr Arbeit, als ich es mir vergestellt hatte. Trotzdem möchte ich die Erfahrungen in meinem Leben nicht missen! Viele Dinge habe ich neu sehen gelernt. Manches ist nicht so gelaufen, wie ich es erwartet hatte. Durch die Besonderheit unseres Lagers bin ich wenig zu persönlichen Gesprächen gekommen, die ich in den andern Camps geschätzt habe.

Zusammenfassung

Es ist schwer das Kennzeichende unseres Camps zu beschreiben. Zunächst ist es von Bedeutung, dass wir in Privatquatieren untergebracht waren. Dadurch entstand ein intensiver Kontakt zur Ortsgemeinde, wie ich ihn bisher in keines Camp kannengelernt habe. Die Kirchengemeinden in Hildesheim samt ihren Pastoren haben etwas davon mitbekommen, was ein Aufbaulager will.

Durch, diese private Unterbringung war unser Camp etwas auseinander gerissen. Es ging viel Zeit verloren. So kam es nicht zu einer so gewünschten intensien Gemeinschaft. Dieser Mangel wurde aber durch die hervorragende Zusammensetzung der Lagerteilnehmer wett gemacht. Obwohl wir teilweise grosse Sprachschwierigkeiten hatten, haben die Camper prächtig zusammengearbeitet. In keinem Camp habe ich bisher so gute Leute beieinander gesehen. Ich musste jeden in seiner Art wertschätzen. Wir von der Lagerleitung hatten nie Schwierigkeiten im Gegenteil. Wir versuchten die Camper dazu anspornen selbständig etwas zu unternchmen.

Das Arbeitsprojekt war ausgezeichnet. Alle Beteiligten haben verstanden, warum wir gerade diese Arbeit taten. Es war nötig, dass wir diese Arbeit getan haben. Sowohl die Camper als auch die Michaelisgemeide von Hildesheim hat verstanden, was Innere Mission eigentlich will. Das Nachbarschaftsheim in Hildesheim ist eine ganz neue Art der Verkündigung heute. Uns ist allen klar geworden, dass wir uns heute nicht damit begnüngen können, nur in den Kirchen zusammen zu sein.

Wir hatten drei Aufgaben, die für uns sehr viel Zeit und Kraft kosteten. Arbeit und Kontakt sowohl zu den Zigeunern als auch zu den Obdachlosen vom Pferdeanger und drittens eine Verbindung zwischen diesen beiden Menschengruppen und den Gemeinden in Hildesheim herzustellen. Dies war eine wirkliche ökumenische Aufgabe. Sie ist noch nicht zu Ende.


Teilnehmer 1960

Leider konnte ich nicht auf eine Teilnehmerliste zurückgreifen. Die angegebenen Teilnehmer daher unter Vorbehalt!

Brasilien

Deutschland

  • Hans Berger
  • Christoph Gäbler, leader
  • Horst Germer
  • Brunhilde, Christian und Lisette Heinrich, Nachbarschftsheim
  • Erna Hillbrink
  • Ingrid Krause-Wichmann
  • Heide-Marie Reuter
  • Horst Germer
  • Enno Smidt
  • Elsa Stiegmann
  • Günter Weise
  • Dorle
  • Fritz

Frankreich

  • Elisabeth Rebstein

Griechenland

  • Eva Hatzakis – Εύα Χατζάκη
  • Wassilios

Grossbritannien

  • Olive Lovett

Island

  • Magnus Gudmundsson

Mosambik

  • Eneas

Niederlande

  • Anne van Veeren

Österreich

  • Elka Laferl

Schweiz

  • Walter Eidenbenz
  • Veronique Laufer, WCC
  • Veronika Thurneysen, co-leader

USA

  • James Ernest Aydelotte
  • Peter Graham